„Jeder kann ein Stück Hoffnung schenken“
Weinheim, 02.08.2022
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02.08.2022 05:00
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Weinheim. Kaum ein Verein hat in den zurückliegenden Monaten so von sich reden gemacht wie „THAT’S WHYnheim“. 2021 von nur 18 Menschen gegründet, hat er mit seinen Hilfsprojekten und Aktionen den Nerv der Weinheimer getroffen. Das Engagement seit der Eskalation des Ukrainekonfliktes ist nur ein Beispiel dafür. Im Podcast „Nah dran“ von Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung berichten die beiden Vorsitzenden von „THAT’S WHYnheim“, Tobias Henschke und Jutta Grabner, darüber, was man vor Ort tun kann, um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Die Vereinsmitglieder wollen nicht zuschauen, wie andere in Armut leben. Sie packen mit an, um die Welt zu verändern und Nächstenliebe praktisch umzusetzen. „Weil wir dieses Helferherz haben und weil es uns drängt, aus unserer Komfortzone herauszukommen“, erklärt Jutta Grabner. Sie weiß aus den Erfahrungen der bisherigen Hilfsaktionen: „Es gibt ganz viele Menschen, die genau das ebenfalls auf dem Herzen haben.“ 

Besonders deutlich wurde das beim Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar. Dem Aufruf des Vereins zur Spende von Hygieneartikeln folgten Tausende Menschen aus Weinheim und Umgebung. So viele, dass eine Sammelstelle in der Turnhalle der ehemaligen Johann-Sebastian-Bach-Schule eingerichtet werden musste. Hier wurden von vielen Freiwilligen Hygienepakete gepackt, um sie mit Unterstützung der Hilfsorganisation Global Aid Network (GAiN) zu den Flüchtlingen in die Auffanglager zu bringen. Henschke: „8000 bis 9000 Taschen wurden gepackt – die Spendenbereitschaft war riesengroß.“

Hier ist die Podcast-Folge:

Ohne GAiN hätten die Weinheimer nicht so effektiv arbeiten können. Henschke: „Die haben ein tolles Netzwerk und sind gut aufgestellt.“ Vor Ort wird gesammelt, dann werden die Hilfsgüter nach Gießen ins Zentrallager gebracht und von dort in die Krisengebiete gefahren. „Wir sind nur ein kleines Glied ganz am Anfang, aber davon gibt es viele“, freut sich Jutta Grabner.

Der Kontakt zu GAiN kam über die Familie Henschke zustande, die sich bereits in den Jahren zuvor privat engagierte – bei einem Hilfsprojekt in Lettland, einem Land, das man nicht unbedingt auf dem Schirm hat, wenn es um Armut geht. Henschke: „Bei einer Reise nach Lettland waren wir erschrocken, wie die Leute auf dem Land noch leben. Es herrschen schlimme Zustände und es gibt kein Sozialsystem, das die Menschen auffängt.“

Aus 16 werden 30 Quadratmeter

Ein Containerprojekt soll den Menschen dort ein neues Zuhause und gleichzeitig neue Hoffnung geben. Davon profitieren jetzt auch die Lettin Anna und ihre beiden Kinder. Noch leben sie auf nur 16 Quadratmetern, doch schon in der kommenden Woche wird sich das ändern. Innerhalb von nur sechs Wochen baute der Verein „THAT’S WHYnheim“ auf dem Parkplatz des Sepp-Herberger-Stadions einen ausrangierten Seecontainer zu einem Heim für Anna um. Unter fachmännischer Anleitung von Handwerkern entstanden auf 30 Quadratmetern eine Küche, ein Schlaf- und ein Esszimmer. Bei dem Projekt ging es nicht nur darum, zu helfen, sondern auch darum, Menschen aus Weinheim und der Region und besonders Jugendliche einzubinden.

Jutta Grabner berichtet begeistert: „Es haben so viele Leute geholfen. Da wurde richtig rangeklotzt.“ Ganze Schulklassen packten mit an. „Die Kids waren mit Herz und Hand voll dabei“, so Jutta Grabner, die selbst Lehrerin am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Weinheim ist.

Doch wie profitieren gerade Jugendliche selbst davon, sich einzubringen? Bei dieser Frage muss Jutta Grabner nicht lange nachdenken: „Ich bin manchmal sehr traurig, wie viele Erfahrungen unseren Kindern durch Digitalisierung verloren gehen. Wenn aber – wie hier – lebendige Erfahrungen mit einem höheren Ziel verknüpft sind, ist das toll.“ Ihr geht es um Sinnhaftigkeit, die auch die Jugendlichen erfahren, und um Wertschätzung. „Weil ich sehe, dass es anderen so viel schlechter geht“, sagt sie. Und Tobias Henschke ergänzt: „Wir leben in einer Ich-Gesellschaft, aber wir profitieren auch selbst, wenn wir anderen helfen. Das macht was mit uns.“

Suche nach geeignetem Grundstück

Das erleben die Vereinsmitglieder am eigenen Leib, sie geben diese Erfahrungen durch ihre Mitmach-Projekte aber auch weiter. „Jeder kann ein Stück Hoffnung schenken“, bringt es Henschke auf den Punkt. Um ihre Vision weiter mit Leben füllen zu können, ist „THAT’S WHYnheim“ aktuell auf der Suche nach einem Grundstück als Abstellplatz für einen Container, am besten in einem Weinheimer Industriegebiet. Henschke: „Das wäre ein Traum, aber wir sind schon jetzt sehr dankbar für alles, was wir realisieren konnten.“ Gesucht wird außerdem ein Lkw, um die Hilfsgüter nach Gießen transportieren zu können.

So wie die Pakete Salz und Zucker, die aktuell gesammelt werden. Damit soll erneut Hilfe zu den Menschen gebracht werden, die ausharren und ihre Heimat nicht verlassen können. Oftmals auch, weil sie ihre Tiere und Felder nicht zurücklassen wollen. Mit Salz und Zucker können sie ihre eigenen Vorräte herstellen und sich selbst und ihren Nachbarn helfen. Es werden aber auch noch Hygieneartikel und Lebensmittel angenommen: immer samstags zwischen 10 und 14 Uhr in der Johann-Sebastian-Bach-Schule.

Info: Eine Packliste gibt es auf der Homepage unter www.thats-whynheim.de.

Der Podcast „Nah dran“ ist zu hören auf allen gängigen Streamingplattformen sowie in der Mediathek unserer Homepage www.wnoz.de.

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02.08.2022 05:00
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