„Kastrationspflicht wäre eine Lösung“
Region, 09.08.2017
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09.08.2017 05:00
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Region. In ihrer Ausgabe vom 27. Juli hatten die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung den Bericht „Kleine Tiger sind ein großes Problem“ veröffentlicht, der sich mit der unkontrollierten Ausbreitung von Streunerkatzen und ihrer Pflege durch ehrenamtliche Tierschutzorganisationen in Weinheim und im Odenwald auseinandersetzt.

Anlässlich des Internationalen Katzentages am gestrigen Dienstag, 8. August, weist auch Iris Anke Jungnickel, Leiterin der Weinheimer Gruppe des Tierschützer-Vereins Freundeskreis Katze und Mensch, in einer Pressemitteilung auf die Streuner-Problematik hin. Die ehrenamtliche Tierschützerin und Tierheilpraktikerin betont stellvertretend für den Tierschützer-Verein: „Dieser Zustand ist unhaltbar und wäre zu vermeiden.“ Die vielen ausgesetzten und nicht kastrierten Katzen, aber auch jene mit Freigang, würden dazu zu führen, dass sich die Tiere unkontrolliert vermehren. „In einem Jahr kann eine Katze zwölf Nachkommen haben, nach drei Jahren sind es knapp 400 und nach acht Jahren über zwei Millionen. Ein großer Schritt in die richtige Richtung wäre daher eine Kastrationspflicht für Katzen mit Freigang, die auch regional oder sogar überregional veranlasst werden könnte“, so Jungnickel weiter

Nach einer Kastration müsse die Katze kurzfristig betreut und beobachtet werden, um sicher zu stellen, dass keine Komplikationen auftreten, bevor sie zurück an die Futterstelle darf. „Diese Aktionen erfordern ein immenses organisatorisches Geschick, alles muss abgestimmt sein, bevor es losgehen kann: trockenes stabiles Wetter, die Helfer müssen stundenlang Zeit haben, mehrere Privatautos werden nötig und ein Tierarzt muss kooperieren“, schreibt die Tierschützerin.

Doch vor allem seien die Streunerkatzen verwildert, scheu und schwer krank, viele von ihnen würden vor sich hinvegetieren, so Jungnickel weiter. In den letzten Jahren wären daher kaum Katzen annähernd zahm geworden, sodass man sie für eine Weitervermittlung ins Tierheim bringen konnte. Die meisten Katzen müssten wieder am Futterplatz freigelassen werden, wohin sie täglich und regelmäßig zum Fressen kämen.

„An versteckten Futterplätzen betreuen einzelne Personen ehrenamtlich Futterstellen. Pro Futterstelle werden oft bis zu 20 herrenlose Katzen unbekannten Alters und Herkunft versorgt, die weder kastriert, tätowiert oder geschippt sind. Sie sind alle sehr scheu und kaum vermittelbar. Viele haben Verletzungen, zum Teil abgebrochene, vereiterte Zähne, hoch entzündetes Zahnfleisch, offene entzündete Wunden diverser Art, Parasiten wie Ohrmilben, Flöhe und Würmer und sind alle sehr abgemagert“, schreibt Jungnickel.

Mit der Zeit finde aber auch eine Gewöhnung an die Betreuungspersonen und deren Autos statt. Die Katzen würden mit der Zeit etwas „zutraulicher“ und erlauben eine Annäherung – sie anzufassen sei jedoch auch nach Jahren unmöglich. Zumindest könne ihr Gesundheitszustand augenscheinlich beobachtet werden. Gelinge es den Betreuern der Futterstellen, die Katzenbabys frühzeitig einzufangen, könnten sie noch an den Menschen gewöhnt und vermittelt werden. Sonst würden zeitintensive Fangaktionen helfen, um schwere Verletzungen versorgen zu können und die Tiere wenigstens zu kastrieren. „Dazu werden geeignete Lebendfallen, Transportboxen und Futter zum Anlocken benötigt. Auch diese Kosten werden neben den Tierarztkosten von den Betreuern überwiegend selbst getragen“, so Jungnickel stellvertretend für den Freundeskreis Katze und Mensch. Sämtliche Aktionen würden von den Betreuern privat finanziert werden. Dazu sei von den Kommunen und Veterinärämter jedoch keine finanzielle Unterstützung zu erwarten. „Da Tierheime oft eigene Finanznöte haben, kann kaum Unterstützung geboten werden“, heißt es in der Pressemitteilung. Und weiter: „Die Futterkosten pro Futterstelle belaufen sich im Sommer auf etwa 50 Euro, im Winter auf 100 Euro im Monat.“

Laut Jungnickel müsse in der kalten Jahreszeit zudem dafür gesorgt werden, dass Futter und Wasser nicht einfrieren. „Leider gibt es viele Gegner dieser Futterstellen, die diese Einrichtungen mutwillig zerstören oder Gift auslegen. Deshalb sind die Futterstellen versteckt und die Betreuer anonym, um sowohl die Katzen als auch die Helfer vor Übergriffen zu schützen“, heißt es abschließend in Jungnickels Bericht.

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