Kein Gebetsruf vom Minarett
Weinheim, 29.07.2020
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29.07.2020 21:29
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Leserbrief
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Weinheim. Der Gebetsruf des Muezzins vom Minarett der Weinheimer Moschee bleibt verboten. Das haben jetzt Oberbürgermeister Manuel Just und Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner in einer am Mittwoch verschickten Stellungnahme bekräftigt. Damit reagierten sie auf den Wunsch des Moscheevereins, das Minarett nun doch zur religiösen Wortverkündung zu nutzen. Die Vertreter des Vereins hatten argumentiert, dass es in Corona-Zeiten schwierig geworden sei, die Gläubigen im Gebetsraum zu versammeln.

„Das ist dennoch ausgeschlossen“, bekräftigte Oberbürgermeister Just, der diese Haltung auch mit den Fraktionen des Gemeinderates und mit dem Fachamt für Baurecht und Bauordnung abgesprochen hat. Bei einem Gespräch mit Vertretern des Moscheevereins hätten Just und Fetzner darauf verwiesen, dass in der Baugenehmigung für die Weinheimer Moschee der Verzicht auf das laute Gebet sogar durch das baurechtliche Instrument einer „Baulast“ festgelegt ist. Diese Baulast war die Voraussetzung für die Baugenehmigung des Minaretts und wurde seinerzeit vom Moscheeverein unterzeichnet.

In ihrer Stellungnahme erinnert die Stadt Weinheim auch an den politischen Streit, der vor zehn Jahren um das Thema entbrannt war. Damals hatte der Moscheeverein ohne Genehmigung eine Innentreppe in sein Minarett eingebaut. Bei den Anwohnern war seinerzeit die Befürchtung entstanden, die Treppe könnte genutzt werden, damit der Muezzin zum Gebet die Turmspitze erreichen kann. Eine eilig gebildete Moscheekommission entwickelte – unter Beteiligung des Moscheevorstandes, von Gemeinderatsmitgliedern sowie neutralen Moderatoren und Experten – eine Empfehlung an den Gemeinderat, in der auch die Vorstände des Moscheevereins versicherten, dass ihr Minarett nicht für eine Wortverkündung vorgesehen sei, sondern nur symbolischen Charakter habe. Auch der aktuelle Vorstand des Moscheevereins, Ishak Ünal, war damals – nach Angaben der Stadtverwaltung – an der Empfehlung beteiligt. Der Gemeinderat folgte diesem Vorschlag, der auch seinen Niederschlag in der Baugenehmigung fand. Eine Begehung des Minaretts ist seither nur zum Zwecke der Wartung und Reparatur durch eine Revisionsöffnung vorgesehen.

Just betonte, dass die Stadt den Moscheeverein – damals wie heute – nach den Grundsätzen von Gleichbehandlung und Rechtsstaatlichkeit beurteile. In der weltoffenen und „bunten“ Stadt Weinheim werde es keine Ressentiments gegen Religionen und Glaubensrichtungen geben, auch die grundgesetzlich verankerte Religionsfreiheit werde nach Ansicht von Verwaltung und Gemeinderat dadurch nicht eingeschränkt. Just abschließend: „Wir hoffen und wünschen, dass unser gutes Verhältnis zur Moscheegemeinde so gut bleibt, wie es in den letzten Jahren war.“

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