Kein Lichterglanz in Weinheims Schulen
Weinheim, 01.12.2022
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01.12.2022 17:00
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Weinheim. „Man kann es auch übertreiben.“ Diesen Satz – aber auch deutlich unfreundlichere Formulierungen – hört man derzeit öfter, wenn es um die Dienstanweisung der Stadt Weinheim geht, die Beleuchtung von Weihnachtsbäumen in Schulen und Kitas zu verbieten. Das Thema beschäftigte am Mittwoch auch den Gemeinderat.

Die Grünen/Alternative Liste (GAL) wollten wissen, womit die Verwaltung diese Dienstanweisung begründet. Aus Sicht der GAL wären dunkle Weihnachtsbäume in Schulen und Kitas eine „Zumutung“, zumal es effizientere Möglichkeiten gebe, Energie zu sparen. Die Verwaltung möge doch diese Entscheidung noch einmal überdenken.

Aber Oberbürgermeister Manuel Just blieb hart. Er sei „irritiert“, dass diese Anfrage „ausgerechnet von der GAL kommt“, meinte er leicht gereizt. Schließlich sei noch immer nicht sicher, wie Deutschland durch den Winter kommt. Deshalb habe die Stadtverwaltung alle Bereiche auf den Prüfstand gestellt, um Energie einzusparen. „Die Stadt hat da eine Vorbildfunktion“, betonte der Oberbürgermeister, der auch von dem „Bemühen um Balance“ sprach und dem vergleichsweise „kleinen Verzicht“, der mit den unbeleuchteten Weihnachtsbäumen in Innenräumen verbunden sei.

Am Donnerstag legte die städtische Pressestelle auf WN-Anfrage noch einmal nach: „Die Entscheidung beruht auf einer Empfehlung der AG Energiekrise, die schon im September einen ganzen Katalog von Einsparungsmaßnahmen besprochen und diese im November nochmals konkretisiert hat. Dabei geht es unter anderem um Temperaturabsenkungen in Büros und andere – für sich genommen – kleine Maßnahmen, die aber in einem Paket sehr wohl einen Sinn machen. Da gehört der Verzicht auf einen beleuchteten Baum in einem wohlgemerkt beleuchteten Raum definitiv dazu. Es handelt sich um eine Anweisung, durch die kein Mensch frieren muss und kein Raum dunkel bleibt. Wenn wir die Aufrufe zum Energiesparen ernst nehmen wollen, sollten das nach unserer Ansicht die Kriterien sein. Wenn wir anfangen, davon Ausnahmen zu machen, wird sich das Maßnahmenpaket auflösen.“ Zur Weihnachtsbaumbeleuchtung heißt es ergänzend: „Natürlich wissen wir auch, dass die effektive Stromeinsparung nicht besonders signifikant sein wird. Aber es geht um die Symbolik und natürlich um das gute Beispiel.“ Oberbürgermeister Manuel Just habe schon am Mittwoch im Gemeinderat betont, wie wichtig es ihm sei, „dass jede und jeder in seinem Bereich ein kleines bisschen bewusster mit seinem Energieverbrauch umgeht, um in seinem eigenen Umfeld Einsparungen zu erkennen und umzusetzen“. Das wäre gerade an den Schulen gut verortet. „Ein beleuchteter Baum in einem beleuchteten Raum wäre sicher das falsche Signal“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt weiter. Im Übrigen habe man den Eindruck, dass gerade die Schüler diese Maßnahmen sehr gut verstünden: „Wie sollten wir zum Beispiel erklären, dass die Burgen, die Kirchen und das Schloss seit Wochen nicht beleuchtet werden?“

Den Vergleich mit der Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt weist die Stadt als „ nicht angebracht“ zurück: „Denn dabei handelt es sich um dunkle Straßen, und vom Weihnachtsgeschäft hängen zweifellos Existenzen im Einzelhandel ab – aber sicher nicht von zwei Stunden Weihnachtsbaumkerzenlicht im beleuchteten Schulfoyer.“

Abschließend schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme: „Wenn dadurch in ein paar Klassenräumen vielleicht auch mal die Beleuchtung früher abgeschaltet, zu Hause eine Lichterkette weniger aufgehängt und nur ein Drittel der Schüler ein bisschen sensibilisiert wird, dann haben wir doch wieder eine Menge gewonnen. Außerdem sind wir sehr zuversichtlich, dass die Schüler und Lehrkräfte gute Ideen haben, ihre Bäume weihnachtlich zu schmücken – auch ohne Strom.“ pro

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01.12.2022 17:00
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