Das „Haus der Ewigkeit“ erhalten
Leutershausen/Hemsbach, 04.11.2020
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04.11.2020 05:10
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Leserbrief
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Leutershausen/Hemsbach. Der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Leutershausen ist in großer Sorge um den Jüdischen Verbandsfriedhof in Hemsbach: Dieser historische Friedhof ist seit mehr als 300 Jahren letzte Ruhestätte für weit über 1000 Jüdinnen und Juden aus Hemsbach und den weiteren Orten entlang der Bergstraße. 132 Personen aus Leutershausen und 52 aus Großsachsen sind dort bestattet.

Nach jüdischem Verständnis ist der Friedhof ein „Haus der Ewigkeit“ und darf nicht aufgelöst werden. Regelmäßig suchen Nachkommen der dort Bestatteten diesen Friedhof auf. Als einzigartiger Gedenkort jüdischer Geschichte hat er die Zeit der Verfolgung der Juden und der Verwüstung ihrer Einrichtungen durch die Nationalsozialisten unbeschadet überstanden.

Fällungen ab dem 12. November

Doch jetzt droht ihm akute Gefahr: Die auf dem Friedhof stehenden Bäume sind so vorgeschädigt, dass sie den Stürmen nicht mehr ausreichend standhalten können. Erste Bäume sind bereits umgestürzt und haben dabei Gräber und Grabsteine schwer beschädigt. Jetzt ist es nötig, den Friedhof so schnell wie möglich zu retten.

Bis zu 300 Bäume müssen dafür abgeholzt werden, die am meisten gefährdeten noch vor dem Winter. Auf dem steilen und unwegsamen Gelände muss die Rodung durch Fachleute erfolgen, damit die eng beieinanderstehenden Grabsteine dabei nicht beschädigt werden.

Die Maßnahme beginnt bereits in der kommenden Woche. Wegen der Baumfällarbeiten auf dem Jüdischen Friedhof wird der Obere Mühlweg in diesem Bereich von Donnerstag, 12. November, bis einschließlich Samstag, 14. November, jeweils von 8 bis 16 Uhr für den Verkehr gesperrt, teilt die Stadt Hemsbach mit.

Der Friedhof ist bereits seit Mitte Februar wegen Astbruchgefahr für Besucher gesperrt. Insbesondere die insgesamt 144 Eschen, die auf dem Gelände stehen, wurden durch den Orkan „Sabine“ so stark beschädigt, dass sie gefällt werden müssen.

In einem ersten Abschnitt werden nun 44 Bäume gefällt, also etwa ein Drittel des betroffenen Eschenbestands. Es handelt sich vor allem um jene Bäume, die bei einem der nächsten Herbststürme auf die Straße kippen könnten. Die Kosten für die ersten Fällungen, die mittels eines Kranwagens vorgenommen werden, belaufen sich auf etwa 37 000 Euro. Insgesamt wird für die aufwendige Maßnahme mit Kosten von 86 000 Euro gerechnet.

Zwar ist die Stadt Hemsbach für die Verkehrssicherheit des Friedhofs verantwortlich, aber sie kann den Betrag trotz einer erhofften Unterstützung des Landes Baden-Württemberg und der Kommunen, die früher den Friedhof nutzten, nicht kurzfristig aufbringen. Der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Leutershausen unterstützt daher diese Spendenaktion und arbeitet dabei eng mit dem Arbeitskreis Ehemalige Synagoge in Hemsbach zusammen.

Wer mithelfen möchte, das jüdische Erbe in der Region zu erhalten und den Jüdischen Verbandsfriedhof in Hemsbach zu retten, wird um eine Spende gebeten. mp/sh

Das Spendenkonto ist eingerichtet bei Volksbank Kurpfalz eG, IBAN: DE85 6709 2300 0033 4347 66. Die Spende ist steuerlich absetzbar. Bei der Überweisung sollte angegeben werden, ob eine Spendenbescheinigung benötigt wird.

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