25 Prozent weniger Silikonabfälle
Weinheim/Kaiserslautern, 31.03.2020
Diesen Artikel
31.03.2020 05:00
Drucken Vorlesen Senden
Leserbrief
90

Weinheim/Kaiserslautern. Derzeit wird in Deutschland über die Anzahl der verfügbaren Beatmungsgeräte diskutiert. Der Medizintechnikhersteller Drägerwerk hat vergangene Woche von der Bundesregierung einen Auftrag über 10 000 Beatmungsgeräte erhalten. Die Geschäftsgruppe Freudenberg Medical mit Sitz in Kaiserslautern bietet mit komplexen Silikonschläuchen wichtige Komponenten für solche Geräte, heißt es aus der Pressestelle von Freudenberg.

Die neueste Innovation der Weinheimer Unternehmensgruppe ist ein neues, sensorbasiertes Messverfahren zur permanenten Qualitätsprüfung, das unter anderem den Silikonabfall um 25 Prozent reduziert.

Freudenberg Medical stellt Medizinprodukte für den Einsatz in und am menschlichen Körper her. Für diese Produkte ist Silikon aufgrund seiner Verträglichkeit mit dem menschlichen Körper ein sehr wichtiges Material. Silikon wird zum Beispiel in Verabreichungssystemen für Krebsmedikamente, Implantaten und anderen Technologien eingesetzt, die Leben retten und die Lebensqualität verbessern. Das schreibt die Unternehmensgruppe Freudenberg in einer Pressemitteilung.

Produktionsabfall vermeiden

Der Standort Kaiserslautern mit 50 Mitarbeitern ist das Kompetenzzentrum von Freudenberg Medical für medizinische Silikonprodukte. Dort werden Silikonschläuche mit Durchmessern von 0,3 Millimetern bis gut fünf Zentimetern hergestellt, etwa für Herzschrittmacher oder Pumpen für die Pharmaindustrie. 100 Tonnen Silikonschläuche sind es im Jahr. Bei medizinischen Anwendungen müssen die Produkte auf hundertstel und tausendstel Millimeter exakt der gewünschten Spezifikation entsprechen. Bei Silikonschläuchen ist der Innendurchmesser das Maß der Dinge. Alles, was abweicht, muss aussortiert und entsorgt werden. Denn einmal ausgehärtetes Silikon kann nicht eingeschmolzen und wiederverwendet werden, wie dies beispielsweise mit dem Kunststoff PET möglich ist. Deshalb verfolgt die Freudenberg Geschäftsgruppe den Ansatz, Abfall in der Produktion zu vermeiden.

An diesem Punkt kommt die neue, von Freudenberg entwickelte Sensortechnologie Helix iMC ins Spiel, die Freudenberg-Spezialisten in Kaiserslautern eineinhalb Jahre lang entwickelt haben und seit April 2019 auf einer von zwei Fertigungslinien einsetzen. Sie ermöglicht es, den Abfall und damit die Umweltbelastung um mehr als 25 Prozent zu reduzieren. Sie wird nun schrittweise an allen Freudenberg-Standorten, die Schläuche herstellen, ausgerollt.

In Kaiserslautern reduziert sie schon jetzt die nicht recyclebaren, ausgehärteten Silikonabfälle um rund zwei Tonnen. Umgerechnet entspricht das einer CO2-Menge von mehr als 1,5 Tonnen. Wenn die Technologie an weiteren Fertigungslinien und Standorten von Freudenberg Medical zum Einsatz kommt, ergeben sich Einsparungen rund um den Globus.

Helix iMC verwendet ein tomographisches System, das aus einem Emitter und vier Sensoren besteht. Diese erfassen und dokumentieren während der Extrusion die Form des Schlauches. Ein Algorithmus berechnet aus diesen Messwerten eine Querschnittsansicht, die ein Mitarbeiter auf einem Bildschirm kontrollieren kann. Neben dieser optischen Kontrolle meldet das System automatisch, wenn es Abweichungen erkennt. So ist während des Produktionsprozesses eine exakte und kontinuierliche Messung des Innendurchmessers und der Wanddicke der Silikonschläuche möglich, schreibt Freudenberg.

Bei konventionellen Prozessen werden während der laufenden Produktion von Hand Schnittproben der ausgehärteten Silikonschläuche genommen und ausgemessen. Dieser Vorgang wiederholt sich, bis die Spezifikationen des Produktes erreicht sind.

Während der gesamten Dauer läuft die Fertigungslinie weiter. Das bis zum Erreichen der richtigen Konfiguration produzierte Material muss verschrottet werden. Gerade bei Schläuchen mit anspruchsvollen Geometrien kann dieses Verfahren sehr zeit- und materialaufwendig sein.

SOCIAL BOOKMARKS
31.03.2020 05:00
Drucken Vorlesen Senden
Ihre Meinung interessiert uns