AfD ist für Willsch eine Option
Weinheim, 01.02.2020
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01.02.2020 05:00
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Weinheim. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ So lautet das Motto einer Veranstaltung, zu der der CDU-Ortsverband Weinheim am 9. Februar einlädt. Zu Gast: der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch, seines Zeichens Wirtschaftspolitiker der CDU. Doch das Lachen könnte so manchem Christdemokraten vorab und sprichwörtlich im Hals stecken bleiben, denn mit Willsch kommt ein CDU-Abgeordneter nach Sulzbach in den „Schwarzen Ochsen“, der in den eigenen Reihen als äußerst streitbar und umstritten gilt. Er ist innerhalb weniger Monate der zweite Redner, der auf Einladung des Ortsverbandes nach Weinheim kommt und dem ultrakonservativen Flügel der CDU zuzuordnen ist.

Im vergangenen Sommer war Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen zu Gast, der vorrangig die Interessen der Werteunion vertritt; eine Gruppierung, von der sich die Bundes-CDU, unter anderem auch aufgrund der inhaltlichen Nähe zu der Alternative für Deutschland (AfD), distanziert hat.

Willsch selbst ist nicht weit weg von der Werteunion und der blauen Partei. Zumal er schon mehrfach festgestellt hat, dass man eine AfD als Koalitionspartner durchaus in Erwägung ziehen könne; mit der rechtspopulistischen Partei gebe es aus seiner Sicht die größte Schnittmenge mit der CDU. Äußerungen, die innerhalb der Union auf massive Kritik stießen. Willsch gehört außerdem zu den härtesten Kritikern der Flüchtlingspolitik und der Euro-Rettung; Letztere hat er in einem Buch verarbeitet.

„Von Rettern und Rebellen – Ein Blick hinter die Kulissen der Demokratie“ lautet der Titel, das Vorwort stammt von Thilo Sarrazin. Darin wird ein düsteres Bild der Berliner Politik gezeichnet, unter anderem durch die angebliche Aushöhlung demokratischer Grundsätze. Besprochen und gelobt wurde das Werk vor allem in Redaktionen wie der „Jungen Freiheit“, die als Sprachrohr der Neuen Rechten gilt.

Doch Willsch ist nicht nur als Autor aufgefallen, sondern auch durch seine Wortwahl zu verschiedenen Themen. Auf seiner Facebook-Seite spricht er zum Beispiel bei dem aktuellen Landwirtschaftsthema von einer „Hysterisierung“ beim Klimaschutz und einem „Bauern-Bashing von Seiten sogenannter Nichtregierungsorganisationen und sonstiger selbsterklärter Gutmenschen linker und grüner Provenienz.“

Die Einladung durch den CDU-Ortsverband Weinheim, der bis heute die eigene „Causa Schmidlin“ nicht aufgearbeitet hat, sorgt aktuell bei einigen Christdemokraten im Stadtverband und in den Ortschaften für Kopfschütteln. Zumal es sich um eine öffentliche Veranstaltung handelt, zu der sich Interessenten zuvor namentlich anmelden müssen. Die Veranstalter nennen dafür „organisatorische Gründe“. 

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