Aufklären statt schimpfen
Rippenweier, 11.05.2021
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11.05.2021 05:00
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Rippenweier. Raus ins Grüne, Picknicken auf einer idyllischen Wiese in Rippenweier, die Kinder können herumtoben, der Hund auch – und alles ist nur ein paar Minuten Fahrt von zuhause entfernt. Was sich für viele Menschen an der Bergstraße in Coronazeiten wunderbar anhört, ist für die Landwirte in Rippenweier ziemlich problematisch.

„Vor zwei Wochen hatte ich zum ersten Mal meine Jungrinder draußen auf der Weide – irgendwann sind sie ausgebüxt“, sagt einer der Rippenweierer Landwirte, Hanspeter Fath. Was passiert war, stellte sich kurze Zeit später heraus. Spaziergänger hatten ihren Hund frei über die Weide laufen lassen. Die Jungrinder gerieten in Panik. „Da hätte viel passieren können, zum Beispiel, wenn sie auf die Straße gelaufen wären“, sagt Fath. In diesem Fall ging die Sache gut aus, Fath konnte seine Jungrinder wieder wohlbehalten zurück nach Hause bringen.

Die Landwirte geben auch zu bedenken, dass der Spaziergang über eine Rinderweide für Menschen richtig gefährlich werden kann – zum Beispiel, wenn ein Bulle den ungebetenen Besuch verjagen will.

Parasit löst Fehlgeburten aus

Hundekot auf den Wiesen ist ebenfalls nicht nur ärgerlich, sondern für die Landwirte eine ganz konkrete Gefahr. „Viele denken ja, der Bauer bringt eh Gülle aus, da macht so ein bisschen Hundekot nichts“, sagen Fath und seine Kollegen Dirk und Klaus Müller.

Tatsächlich kann aber im Hundekot ein gefährlicher Parasit vorhanden sein, der zu Fehlgeburten bei Rindern führt. Er heißt Neospora caninum, Hunde sind bisher die einzig bekannten Endwirte des Parasiten. Bisher gibt es kein Medikament, das eine Infektion beim Rind wirksam bekämpft, heißt es in einer Broschüre des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg, auf die die Rippenweierer verweisen.

Aber auch wer keinen Hund hat, richtet manchmal unwissentlich Schaden an. Plattgedrückte Wiesen beispielsweise können nicht mehr so gut gemäht werden – zu viel Gras bleibt dann stehen. Deshalb ist im Landesnaturschutzgesetz, Paragraf 44 klar geregelt: „Während der Vegetationszeit dürfen landwirtschaftliche Flächen nicht betreten werden“, sagt Dirk Müller – also von März bis Oktober. Wer es doch tut, der begeht streng genommen eine Ordnungswidrigkeit.

Ein Dorn im Auge sind den Landwirten auch Mountainbike-Fahrer, deren Trails immer wieder über landwirtschaftliche Flächen führen. Vom Müll, der von den Ausflüglern achtlos in die Wiesen geworfen wird, gar nicht zu sprechen.

Trotz aller Kritik: Die Landwirte haben Verständnis dafür, dass sich die Menschen in der Natur erholen wollen, dass sie gerade in Coronazeiten den nahe gelegenen Odenwald für sich entdecken. „Deshalb wollen wir auch nicht schimpfen, sondern aufklären. Denn viele handeln sicher aus Unwissenheit“, sagt Klaus Müller.

Und Rippenweiers Ortsvorsteherin Anja Blänsdorf ergänzt: „Wir haben so schöne Picknick-Plätze und viele Bänke hier“, sagt sie. Und dort ist auch genug Platz zum Toben – für Kinder und Hunde. vmr

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11.05.2021 05:00
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