Der Würfel ist ein Schlingel
Weinheim, 16.07.2020
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16.07.2020 05:00
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Leserbrief
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Weinheim. Wie berichtet, fing die Weinheimer Feuerwehr Anfang Juli eine Schlange in einem Garten in der Müllheimer Talstraße ein. Anwohner hatten die Feuerwehr verständigt, nachdem sie die angriffslustige junge Schlange entdeckt hatten. Die erste Einschätzung war zunächst, dass es sich um eine seltene Würfelnatter handelte, was inzwischen widerlegt werden konnte. Bei der vermeintlichen Würfelnatter, deren Existenz an der Bergstraße tatsächlich eine kleine Sensation gewesen wäre, drehte es sich um eine Schlingnatter. Das Ganze ist das Ergebnis eines Zusammentreffens zwischen Reiner Klemm, Mitglied des Vereins Amphibien/Reptilien-Biotop-Schutz Baden-Württemberg (ABS), und Weinheims Abteilungskommandanten Ralf Mittelbach. Das teilen die Feuerwehr und der Verein in einem gemeinsamen Schreiben mit.

Klemm stellte fest, dass in den warmen Sommermonaten öfter Eidechsen, Blindschleichen und auch die echten Schlangen gesehen werden. Eine Würfelnatter wäre tatsächlich ein äußerst interessanter Fund gewesen, da es sich bei der Würfelnatter um eine sehr seltene Wassernatter handele, die in Baden-Württemberg keine natürlichen Vorkommen habe und in Deutschland nur in Rheinland-Pfalz vorkomme. Für die Experten war aber schnell klar, dass die Bestimmung als Würfelnatter in Weinheim nicht zutraf. Anhand der Zeichnung und Musterung des Tieres konnten die Spezialisten des Vereins die Schlangenart eindeutig feststellen.

Bei der in Weinheim gefundenen Schlange handelte es sich demnach um eine Schlingnatter – eine Schlange, die tatsächlich hier an der Bergstraße ihr Zuhause hat. Wie bei der Würfelnatter handelt es sich bei der Schlingnatter um eine äußerst scheue und für den Menschen absolut ungefährliche Schlange. Das Tier wurde daher auch wieder in der Natur ausgesetzt.

Sie wird allerdings gerne mit anderen Schlangenarten, beispielsweise der giftigen Kreuzotter, verwechselt; unter anderem wegen einer hohen Variabilität an Färbungen und Musterungen. Eine eindeutige Bestimmung in solchen Fällen ist immer wichtig, erst dann kann eine für alle Beteiligten gefahrlose und artgerechte Behandlung, Unterbringung und, falls möglich, Aussetzung des Tieres zurück in die Natur durchgeführt werden. Zumal Tiere, die aus einem Terrarium entwichen sind, ansteckende Krankheiten mit verheerenden Folgen für die Tiere in der Natur haben können. Bestes Beispiel ist der sogenannte „Salamanderfresser“ – ein Pilz, der die Feuersalamander befällt, bisher ganze Populationen ausgelöscht hat und sich in der Natur immer noch ausbreitet.

Reiner Klemm und Abteilungskommandant Ralf Mittelbach haben nun ihre Kontaktdaten ausgetauscht und diese in den Einsatzzentralen hinterlegt. Beim nächsten Schlangeneinsatz werden sie sich auf jeden Fall gegenseitig unterstützen.

Der Verein ABS steht in ähnlichen Fällen, wenn Reptilien oder Amphibien gefunden werden, gerne mit Rat und Tat der Bevölkerung, den Verbänden und insbesondere auch den Einsatzkräften zur Seite, um eine richtige Identifizierung und Vorgehensweise zu gewährleisten. Im Rhein-Neckar-Kreis wären dies die Regionalbetreuer vom ABS Reiner Klemm (0176/62534188) und Uwe Heidenreich (0176/5339 4338).

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