Die Windkraft und der Wald
Weinheim, 02.05.2017
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02.05.2017 05:00
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Weinheim. Wie sich Windkraftanlagen auf Flora und Fauna im Exotenwald und die angrenzenden Wälder auswirken könnten und welche Gefahren möglicherweise davon ausgehen – das stand im Mittelpunkt einer Wanderung, die die Vereine „Gegenwind Weinheim“ und „Naturschutzinitiative“ am Samstag organisiert hatten.

Beginn der Wanderung, an der etwa 55 Menschen teilnahmen, war am Parkplatz des Waldschwimmbades. Hintergrund war die Diskussion um die Windenergie-Industrieanlagen (WIA) im „FB4“. Der „Freibereich 4“ ist der letzte von ehemals sechs Arealen, die die Stadt Weinheim immer noch als WIA-Standort ausweisen möchte. Auch der Goldkopf gehört zum FB4 gehören. Dort erfuhren die Wanderer, wie Pflanzen und Tiere zusammenleben. So baut der Schwarzspecht seine jährliche Höhle fast ausschließlich in Rotbuchen, die aber mindestens 120 Jahre alt sein müssen, um die erforderliche Dicke zu haben.

Würden durch den Bau von WIA im FB4 bestimmte Waldtypen vernichtet, wäre es das Ende für die davon abhängigen Lebensgemeinschaften. Wie viele Arten den Bau von WIA nicht überleben würden, wagte der Biologe Jürgen Herrmann nicht zu schätzen. Er wies auch auf ein Methodenproblem hin: Die Schlagopfer von WIA im Wald landen überwiegend in den Baumkronen der Bäume. Dort können sie nicht gesammelt und deshalb auch nicht wissenschaftlich verzeichnet werden.

Am Höhenweg oberhalb der Langen Bank erklärte Dieter Hannig vom Gegenwind-Vorstand die aktuelle Lage um die umstrittene „Zonierung“ des Landschaftsschutzgebiets: Die Naturschutzbehörde beim Rhein-Neckar-Kreis und die Landesregierung sind sich nämlich noch nicht einig, wie hoch die WIA im FB4 sein dürfen. Die Veranstalter hatten mit Flatterband die Größe eines WIA-Fundaments markiert und durch aktuelle Bilder vom Stillfüssel bei Siedelsbrunn beeindruckend belegt. Allein 10 000 Quadratmeter, die Fläche eines Fußballfeldes, müsste für nur eine WIA gerodet werden. Dazu kämen breite Fahrbahnen für den Transport der Anlagen.

Ein neuer Aspekt ist die Waldbrandgefahr durch WIA. Die Leitern der Feuerwehr sind zu kurz für die Anlagen und der Wasserdruck vom Löschfahrzeug zu schwach zum Löschen. Nahe Wasserreserven gibt es in der Regel nicht. So bleibt nur kontrolliertes Abbrennen mit Sicherheitsabsperrungen.

Im Laufe der Wanderung kam es zu intensiven Diskussionen zwischen den Teilnehmern. Deshalb denken die Veranstalter an eine Wiederholung dieser vierstündigen Wanderung nach.

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