„Ein ganzes Dorf“ für Schüler
Weinheim, 10.02.2020
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10.02.2020 05:00
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Weinheim. Die geschäftsführende Schulleiterin der Weinheimer Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Sonderschulen, Katja Hoger, fasste es mit einem afrikanischen Sprichwort zusammen: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf – genauso ist es mit der Ganztagsschule“, sagte Hoger am Samstagmorgen bei einer Infoveranstaltung über die Ganztageskonzepte, die im künftigen Schulzentrum West ab September 2021 realisiert werden sollen. Die Ganztagsschule sei so ein „Dorf“ und biete eine Fülle an Vorteilen, darunter ein bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Eltern, die Kinder profitieren vom sozialen Miteinander, von verschiedenen AG-Angeboten (unter anderem Musik, Sport) und einer bessern Rhythmisierung des Schulalltags, bei dem sich Lern-, Ruhe- und Bewegungsphasen abwechseln.

Rund 60 betroffene Eltern sowie gut eine Handvoll Stadträte waren in den Hörsaal der Dietrich-Bonhoeffer-Schule gekommen, um mehr über die Konzepte zu erfahren, die die beiden Schulen, die Albert-Schweitzer-Schule (ASS) und die Johann-Sebastian-Bach-Schule (JSBS; sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum) erarbeitet hatten. Den Anfang machte Karen Backmeyer, die Rektorin der JSBS, an der der Ganztag als Wahlform eingeführt wird. „Wir schauen intensiv auf das einzelne Kind. Deshalb hat in unserem Konzept der Bereich des individuellen Lernens einen großen Stellenwert“, sagte sie. Täglich wird es am Nachmittag eine Schulstunde „Arbeiten und Üben“ geben.

Auf die Frage einer Mutter, ob es an der neuen Schule auch wieder Inklusion gebe, gab es sowohl von Backmeyer als auch von ihrer Kollegin Jutta Wirth, der Rektorin der ASS, ein klares „Ja“. Auch dafür sei das gemeinsame Schulhaus ideal. Hinzu kommt: Die räumliche Gliederung erfolgt im neuen Gebäude nach Jahrgängen. Das heißt: Die Erstklässler der ASS und der JSBS beispielsweise lernen praktisch Tür an Tür. Die Großen (die JSBS geht bis zur 9. Klasse) sind in einem eigenen Gebäudeteil mit eigenem Schulhof untergebracht.

Jutta Wirth und ihre Stellvertreterin Kirsten Klaus-Thiele stellten schließlich das Ganztagskonzept der ASS vor, das verbindlich gelten wird.

Ein Knackpunkt, bei dem die Eltern ebenfalls interessiert nachfragten: Den bisherigen Hort der ASS wird es am Schulzentrum West nicht mehr geben. „Wir werden aber versuchen, die Grundschulbetreuung soweit es geht, in Hortqualität zu organisieren. Ein Großteil des bisherigen Hort-Personals soll am neuen Schulzentrum arbeiten und die Schüler dort auch tagsüber begleiten. Was die Eltern überdies interessierte waren Fragen zum Schulbezirkswechsel. Hierüber konnte Katja Hoger Auskunft geben. Denn wer sein Kind aufgrund des Schulsprengels zwar an der ASS muss, aber die Ganztagsform nicht möchte, der hat damit einen hinreichenden Grund, einen Schulwechsel zu beantragen, so Hoger. Ebenso verhält es sich, wenn das Kind eigentlich auf eine andere Schule gehen müsste, die Eltern aber ausdrücklich die verbindliche Ganztagsform wünschen.

Wie es jetzt weitergeht? Alle Eltern des Schulbezirks, deren Kinder im Schuljahr 21/22 oder 22/23 eingeschult werden, erhalten per Post einen Fragebogen, ob sie ihr Kind für die Ganztagsschule anmelden oder nicht. Bis 6. März sollen die Rückmeldungen bei ASS und JSBS eingegangen sein. Im April wollen die Schulkonferenzen entscheiden (die Gesamtlehrerkonferenz hat ihre Zustimmung schon gegeben). Im Juli soll dann der Gemeinderat entscheiden. Der erste Schultag wäre am 13. September 2021. vmr


Die Ganztagskonzepte am Schulzentrum West - ein Überblick

Johann-Sebastian-Bach-Schule: Ganztagsschule als Wahlform. Ganztag von Montag bis Donnerstag von 8 bis 15 Uhr. Vormittags Unterricht mit Pausen, ab 12.35 Uhr Mittagessen und Spieleangebote; 13.30 Uhr bis 14.15 Uhr Arbeiten und Üben; montags von 14.15 bis 15 Uhr Unterricht (der in der Halbtagesform von 12.35 bis 13.20 Uhr stattfindet), dienstags bis donnerstags finden in dieser Zeit AGs statt. Freitags endet der Unterricht für alle um 13.20 Uhr.

Albert-Schweitzer-Schule: verbindliche Ganztagsschule. Ganztag von Montag bis Donnerstag von 8 bis 15 Uhr. Von 7 bis 8 und von 15 bis 17 Uhr kostenpflichtige Grundschulbetreuung. Montags beginnt der Schultag mit einer Stunde Klassen-AG, von 8.45 bis 9.30 Uhr ist Zeit zum Üben beziehungsweise für Kleingruppen bei speziellem Förderbedarf; 9.30 bis 10 Uhr Frühstück und Zeit für Bewegung; 10 bis 11.30 Uhr Unterricht; 11.30 bis 11.50 Uhr Zeit für Bewegung; 11.50 bis 12.35 Uhr Unterricht; 12.35 und 13.20 Uhr Mittagessen und Spielen; nach einer zehnminütigen Wechselpause geht es weiter mit Unterricht bis 15 Uhr; von Dienstag bis Donnerstag finden die AGs von 11.50 bis 12.35 Uhr, also vor dem Mittagessen, statt. Der Rhythmus bleibt derselbe. Am Freitag endet der Unterricht um 12.35 Uhr.

Das Mittagessen ist in beiden Schulen kostenpflichtig. Derzeit geht man von etwa 60 Euro im Monat Essenskosten pro Schüler aus. Die Kosten für die Grundschulbetreuung werden derzeit von der Verwaltung auf etwa 171 Euro geschätzt für eine Familie mit einem Kind und einer Betreuungszeit von 7 bis 8 und von 15 bis 17 Uhr.

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