Löcher buddeln für mehr Bäume
Weinheim, 17.03.2021
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17.03.2021 05:20
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Weinheim. Bäume im Stadtgebiet – seit der überraschenden Fällung von neun Platanen am neuen Schulzentrum–West oder auch den Rodungsarbeiten auf dem Gelände des früheren GRN-Betreuungszentrums ist dies ein heikles Thema. Nun geht die Stadtverwaltung in die Offensive und listet in einer Pressemitteilung die Zahl der aktuellen und geplanten Baumpflanzungen auf. Fazit: Unterm Strich wächst die Zahl der Bäume.

Wie dies genau aussieht, ist derzeit am Hauptbahnhof zu sehen. Dort gibt es gegenüber eine Wildblumenwiese, die von der Naturschutzbund-Gruppe Weinheim (NABU) angelegt wurde und auch betreut wird. Dort hat die Stadt Weinheim Ende 2020 einen vier Meter breiten Grundstücksstreifen von der Deutschen Bahn gekauft. Auf diesem Streifen soll nun nach Angaben der Verwaltung eine attraktive Grünfläche entstehen. Für die Maßnahme können Fördermittel für den Städtebau eingeworben werden, da das Grundstück in dem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet „Am Hauptbahnhof“ liegt.

Blühwiese soll bleiben

Gepflanzt werden dort fünf Bäume, Hecken- und Blütengehölze, Stauden sowie Frühlingsblüher. Später werden noch Bänke aufgestellt. Eigens dafür hat die Stadt einen Landschaftsarchitekten beauftragt.

Auf dem vier Meter breiten Streifen wurde nun der Boden für die Pflanzungen vorbereitet. Dazu mussten drei oder vier Sträucher und ein kleiner Baum gerodet werden. Auch zwei Infotafeln und das Bienenhotel wurden vorübergehend entfernt. Die neu anzupflanzenden Bäume und Stauden sind bestellt und werden zeitnah eingepflanzt. Das Ziel: eine blühende Visitenkarte am Bahnhof.

Doch was passiert mit der eigentlichen Wildblumenwiese im hinteren Teil der Anlage? Diese bleibt nach Auskunft der städtischen Pressestelle bestehen. Der Anblick ist für Laien teilweise nur schwer nachzuvollziehen, doch das Prinzip beruht darauf, dass sich die Blühwiese auf natürliche Art und Weise entwickelt. Dabei ist es auch wichtig, Pflanzenreste stehen zu lassen, um beispielsweise für Insekten einen geeigneten Überwinterungsplatz zu schaffen. Bei der weiteren Entwicklung der Wiese sichert die Stadtverwaltung jedenfalls ihre volle Unterstützung zu.

64 Bäume in diesem Frühjahr

Aber auch an anderen Orten im Stadtgebiet bewegt sich etwas: So wurden von den Weinheimer Stadtgärtnern an der Einfahrt zum GRN-Klinikum Säuleneichen gepflanzt, die später einmal bis zu 20 Meter hoch werden sollen. Charakteristisch ist ihr schmaler, säulenförmiger Wuchs, pro Jahr kommen rund 25 Zentimeter dazu. Die Äste wachsen in spitzen Winkeln straff aufrecht und stehen dicht beieinander, oft sind sie auch etwas wellig gedreht. „Besonders für Zufahrten“, findet der Weinheimer Baumexperte Bernhard von Hirschheydt, „ist die Säuleneiche ein sehr attraktiver Baum.“ Bei den Bäumen an den Straßen, erklärt er, seien die zuvor ausgehobenen Pflanzgruben besonders wichtig für die Langlebigkeit der Bäume. Besonders in den zurückliegenden trockenen und heißen Sommern spielte der Untergrund eine wichtige Rolle.

Insgesamt sind es 64 Bäume, die in diesem Frühjahr neu gepflanzt werden. „So viele wie seit über 20 Jahren nicht mehr“, beschreibt es der gelernte Landschaftsgärtner in einer Mitteilung der Stadt. Er schaut sich die Standorte zuvor immer genau an, um zu analysieren, welcher Baum an welchem Ort die Chance hat, groß und alt zu werden. Mit den Pflanzungen gleicht die Stadt den Verlust von Bäumen aus, der zum Beispiel Baumaßnahmen oder der Verkehrssicherheit geschuldet ist –so wie kürzlich beim Neubau des Schulzentrum–West.

Viele Ausgleichsmaßnahmen

Rückblickend auf die letzten 20 Jahre hat sich der Baumbestand im gesamten Weinheimer Stadtgebiet mit seinen Ortschaften um etwa 2000 auf heute rund 10 000 Bäume erweitert. Von Hirschheydt macht dabei auch folgende Rechnung auf: Neubaugebiete wirkten sich auf diese Bilanz interessanterweise sogar positiv aus. Zwar würden in der Regel zunächst Bäume geopfert, aber im Gegenzug stets wieder viele Bäume gepflanzt, Grünanlagen und Spielplätze neu angelegt. Eine der ersten Maßnahmen in diesem Jahr war die Pflanzung von 15 Bäumen am Multring, in dessen südlichem Bereich es in zwei Abschnitten bis zu diesem Zeitpunkt gar keine Bäume gab. „Ein echter Zugewinn“, findet von Hirschheydt.

Dann gibt es noch die neu gestaltete kleine Wiese unterhalb des Alten Friedhofs. Dort stehen zwei neue Bäume. Entlang der Schlossparkmauer stehen weitere vier Zierkirschen, genauso wie die zehn Mandelbäume auf der Wiese am Fuß der Prankelstraße, die durch eine großzügige Spende möglich wurden. Entlang des Friedrich- Ebert-Rings und der Bushaltestelle Theodor-Heuss-Straße wurden zwölf Bäume verschiedenster Arten gepflanzt und weitere zwölf Bäume stehen an der Humboldtstraße, An der Ziegelhütte und an der Kollwitzstraße.

Zum Ausgleich von verlorenem Grün im Zuge des Umbaus der Haltestelle Luisenstraße wurden außerdem 25 neue Bäume gepflanzt – als Ersatz an Ort und Stelle, aber auch an drei anderen Standorten im Stadtgebiet.

Das Pflanzen, so der städtische Baumexperte, sei eine Sache. Die Pflege der jungen Bäume noch einmal eine ganz andere, vor allem weil die Trockenheit den Gärtnern immer mehr Mühe abverlangt. Von Hirschheydt: „Jetzt liegt das Augenmerk auf der Pflege, vor allem dem Gießen der Bäume, damit alle gut über den Sommer kommen. Die Hilfe der Bürgerinnen und Bürger ist dabei willkommen.“ sf/-

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17.03.2021 05:20
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