Mitspieler sitzen virtuell am Tisch
Weinheim, 22.02.2021
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22.02.2021 05:00
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Weinheim. Soziale Kontakte zu pflegen, das fällt Bridgespielern in Weinheim normalerweise nicht schwer. Denn Bridge im Verein ist eine Form von Speeddating, bei dem man im 15 Minutentakt mit zwei neuen Personen an einem Tisch sitzt. Dann kam der Lockdown und viele Aktive fanden sich im Internet zum Kartenspiel wieder, schreibt der Bridgeclub in einer Pressemitteilung. Seine 13 Karten vor Augen spielte man willkürlich gegen andere Menschen oder Roboter, ohne sie zu sehen oder hören. Der Unterhaltungswert sei begrenzt, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Das empfand auch ein Paar in England so und machte den Lockdown im Frühjahr zum Start-up für RealBridge: Onlinebridge, bei dem man die anderen am Tisch hört und sieht. Er programmierte, sie organisierte. Und zum Jahresende waren mehr als 500 Clubs registriert. „Tendenz: raketenmäßig steigend“, schreibt der Bridgeclub.

Überzeugungsarbeit hat Erfolg

Nachdem der Weinheimer Club das neue Onlinebridge getestet hatte, wollten die Verantwortlichen die Clubturniere auf RealBridge verlagern. „Natürlich musste Überzeugungsarbeit geleistet werden“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Spieler müssen nämlich auf einen Link klicken – und schon sehen und hören sie sich. Wer darauf keinen Wert legt, der kann Bild und Ton ausschalten. Die Eremiten, die weder gesehen werden noch hören wollen, können Bild und Ton ausschalten.

Die Bridgespieler kämpfen natürlich mit den gleichen Problemen wie viele andere, die beispielsweise über Zoom, GoMeeting oder Microsoft Teams Konferenzen abhalten: Manchmal überfordert das Bild die Internetleitung oder der Ton kann unangenehme Geräuschkulissen aufbauen.

Ein Schwätzchen in privater Runde

„Aber RealBridge eröffnet nun viele schöne Möglichkeiten: Private Runden mit einem Schwätzchen, Turniere mit Gleichgesinnten aus der Liga, Freundschaftsturniere mit der Partnerstadt, Wiedersehen mit ehemaligen Mitgliedern, die zum Beispiel nach Schweden gezogen sind. Auch Jugendliche, die ganz andere Standards gewöhnt sind, dürften es ansprechender finden, vielleicht eine willkommene Abwechslung zum Gaming“, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Treffen dreimal pro Woche

Die Weinheimer sind auf den Zug aufgesprungen, haben sich auch jenseits von 80 Jahren digitalisiert, mit Spielern von der Bergstraße und aus Heidelberg zusammengetan und treffen sich jetzt dreimal die Woche online. Hoffentlich geht die Entwicklung so dynamisch weiter. Dann kann man den Engländern trotz Brexit nur danken für diese virtuelle Form des Speeddatings mit 13 Karten.

Wer Lust verspürt, online Bridge zu spielen, findet auf der Webseite des Bridgeclubs alle Informationen.

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