Neue Bäume im Ökokonto
Weinheim, 21.03.2017
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21.03.2017 05:00
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Weinheim. Niederdeutsch wird ein Schurke als Rabau bezeichnet – vielleicht hat der Spitzrabau daher seinen Namen, als Schurkenobst oder weil Spitzbuben ihn so gern stibitzten. Jedenfalls galt diese alte Apfelsorte lange Zeit als verschollen. Nun wächst der Streuobstbaum des Jahres 2016 auf der neuen Ökokontofläche der Stadt am Judenbuckel, direkt am Blütenweg, auf der bereits zwölf junge Apfelbäume stehen.

Den Spitzrabau haben jetzt 23 Viertklässler mit Klassenlehrerin Ute von Hirschheydt aus der Waldschule Weinheim unter Anleitung von Sindy Grambow gepflanzt. Die Biologin gehört zu den ersten Streuobst-Pädagogen, die im vergangenen Jahr durch die Böblinger Streuobstschule und dem Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar für den Rhein-Neckar-Raum ausgebildet wurden. Jetzt bringt sie den Schülern den artenreichsten Kulturlebensraum in Mitteleuropa näher: die Streuobstwiesen.

Alte Obstsorten erhalten

„Über 5000 Arten finden sich auf so einer Streuobstwiese. Eine vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft und dennoch so ein Artenreichtum. Das ist für mich das Schönste am Streuobstbau überhaupt“, schwärmt die Biologin. Dass zum Programm auch die Erhaltung alter Obstsorten wie dem Spitzrabau gehört, lernen die Kinder beim Pflanzen des Baumes, der zuvor von den Kindern einen fachgerechten Pflanzschnitt bekommen hat. Gestiftet wurde der Baum vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, der den regionalen Spitzrabau im vergangenen Jahr gemeinsam mit den Streuobstwiesenrettern als Obstsorte des Jahres für die Geopark-Region ausgerufen hat.

Christiane Stolz, verantwortlich für Infrastruktur und die Regionalentwicklung, freut sich über die neuen Streuobst-Pädagogen: „Mit ihnen haben wir Botschafter, die den Kulturlebensraum Streuobstwiese pädagogisch aufbereiten und Menschen dafür begeistern können. Dieses Ziel liegt uns als Geo-Naturpark ebenfalls am Herzen und möchten daher die Aktion mit unserer Baumspende unterstützen.“

Gefahr der „Verbuschung“

Aktuell befinden sich weitere 22 Streuobst-Pädagogen in der Ausbildung, die vom Landschaftserhaltungsverband und der Böblinger Streuobstschule ausgebildet werden. „Zu tun gibt es genug“, weiß Martin Schaarschmitt, stellvertretender Geschäftsführer des LEV e.V., „denn die Baumbestände der Streuobstwiesen vergreisten und ganze Flächen verbuschen. Doch wir brauchen dringend das Bewusstsein, dass solche Streuobstwiesen nur zu ihrer ökologischen Vielfalt kommen, wenn sie fachgerecht instand gehalten werden.“

Auch die Obstwiese am Judenbuckel ist aus einer solchen Brachfläche entstanden. Der Spitzrabau kann nun zusammen mit weiteren neu gepflanzten Obstbäumen und einigen schon recht alten Kirsch- und Birnbäumen wachsen. Weit über 100 Jahre alt wird der landschaftsprägende Apfelbaum. Auch der Spitzrabau wird so noch vielen jungen Generationen von Besuchern des Blütenweges Freude bereiten. Hoffentlich begeistern sich dann noch mehr als diese 23 jungen Grundschüler für echte alte Lokalsorten wie der Spitzrabau eine ist.

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21.03.2017 05:00
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