Sein Einsatz bleibt unvergessen
Weinheim, 11.01.2020
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11.01.2020 05:00
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Weinheim. „Wenn es mehr Menschen gäbe wie Dieter Gerstner, wäre unsere Welt ein bisschen besser.“ Mit Gedanken wie diesem gab Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just am Mittwoch auf dem Weinheimer Hauptfriedhof dem hochverdienten Bürger Dieter Gerstner sein letztes Geleit. Der Träger des Engelbrecht-Engagement-Preises, Gründer des Runden Tisches Demenz und des Fördervereins Alzheimer ist kurz vor Neujahr im Alter von 75 Jahren verstorben. Er wurde im Kreis der Familie, Freunde und Wegbegleiter bestattet, schreibt das Presseamt der Stadt Weinheim in einem Nachruf.

Der neunte Weinheimer Demenztag – „sein“ Demenztag – war im Oktober der Tag seines letzten öffentlichen Auftritts. In den Jahren nach seinem 40-jährigen aktiven Berufsleben als Krankenpfleger und Pflegedienstleiter hatte sich Dieter Gerstner in besonderer Weise in Weinheim und der Region der Demenzkrankheit und ihren Folgen gewidmet, vor allem den Betroffenen selbst.

Vor zehn Jahren gründete Gerstner, damals als Mitglied im Stadtseniorenrat, den „Runden Tisch Demenz“, einen Zusammenschluss der ehren- und hauptamtlichen Organisationen, die sich der Krankheit des Vergessens widmen. Dieses Netzwerk gewann eine Schlagkraft, die Weinheim zu einem besonders aktiven Standort in Altersfragen werden ließ.

Dieter Gerstner war ein Netzwerker par excellence. In enger Partnerschaft zur Stadtverwaltung trieb er ein Projekt nach dem anderen voran, zuletzt die Weinheimer Pflegekonferenz, die erste auf kommunaler Ebene. 2011 fand der erste „Weinheimer Demenztag“ statt, der bis zur neunten Auflage jährlich unter der Federführung Gerstners rund um die Erkrankung informierte.

Im Jahr 2012 gehörte Gerstner zu den Gründern des Fördervereins Alzheimer. Bis September vergangenen Jahres, als er das Amt an Dr. Andreas Marg abgab, war er Vorsitzender. Der gemeinnützige Verein kann Spenden einnehmen und damit eine wachsende Zahl von Projekten, zu denen meist Dieter Gerstner die Idee hatte, finanzieren.

Gerstner gehörte auch zu den Gründern des „Runden Tisches Demografie“ und war über Weinheims Grenzen hinaus ein gefragter Referent und Berater. Alle Tätigkeiten übernahm er ehrenamtlich. Wer ihm einen Gefallen tun wollte, spendete für den Alzheimer-Verein.

Die Patienten selbst, aber auch ihre Angehörigen, lagen ihm besonders am Herzen. Seit 2014 organisierte er Schulungen für Demenzpaten, an denen bislang rund 300 Personen teilnahmen. Sie konnten durch das erworbene Wissen in der Familie und im Bekanntenkreis mit der Krankheit besser umgehen.

2016 erhielt Dieter Gerstner, stellvertretend für den Runden Tisch Demenz, den Rolf-Engelbrecht-Preis für sein überragendes ehrenamtliches Engagement. Es war nicht seine erste Auszeichnung: Ein Jahr zuvor zeichnete ihn die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychologie und Psychotherapie mit dem bundesweit bedeutenden „Förderpreis zur Optimierung der Pflege psychisch kranker und alter Menschen“ aus, zwei Jahre zuvor gehörte er zu den Nominierten für den Deutschen Ehrenamtspreis.

Als Mann vom Fach, der unzählige Patienten betreute und deren Angehörigen Verständnis und Zuwendung gab, war Dieter Gerstner ein Praktiker, Experte und Visionär in einer Person. Ohne seinen Antrieb und seine Ratschläge wäre Weinheim als Gesundheitsstandort und soziale Stadt nicht auf diesem hohen Niveau, schreibt die Stadt. Dieter Gerstner konnte mit hohen Politikern auf Augenhöhe diskutieren, stellte sich aber auch in die Fußgängerzone, um am Welt-Alzheimertag für jedermann ansprechbar zu sein. Außerdem besuchte er unermüdlich Pflegeheime und andere Einrichtungen.

Dieter Gerstner führte ein Leben gegen das Vergessen, deshalb wird er in Weinheim unvergessen bleiben, heißt es abschließend.

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