Handball-Szene verliert ein Original
Region, 27.11.2020
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27.11.2020 05:10
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Region. Als Schiedsrichter verteilte er Gummibärchen an aufgebrachte Spieler, als Selfmade-Geschäftsmann war ihm nichts ungewöhnlich genug. Und seinen Sport, den Handball, lebte Wolfgang Schwan mit Leib und Seele. Am Freitag ist der ehemalige Vizepräsident des Badischen Handball-Verbandes verstorben. Schwan, gebürtiger Mannheimer und zwei Jahrzehnte auch in Lützelsachsen lebend, wurde nur 61 Jahre alt.

Sein verschmitztes Lächeln und den offensichtlichen Schalk, der ihm hinter den Ohren saß, werden vor allem die Kurpfalz-Bären der TSG Ketsch vermissen, für die der ehemalige Jugendhandball-Abteilungsleiter „Wolli“ als Betreuer längst väterlicher Freund war. In seiner Ketscher Zeit war der ehemalige Torwart des TSV 1846 Mannheim – selbstironisch nannte er sich „der fliegende Amboss“ – auch fürs Marketing, die Pressearbeit und eben all das verantwortlich, was den Laden am Laufen hielt.

Auch für diese Zeitung war Wolfgang Schwan in seiner bunten Vita einige Jahre als freier Mitarbeiter tätig. Das war vor der Zeit, als er sich voll und ganz in die Vorbereitung der Handball-Weltmeisterschaft im eigenen Land stürzte. Er erkannte die Chance, die sich dem deutschen Handball als Werbeplattform bot, vergaß dabei aber auch nicht, woher er kam. Während in den anderen Spielstätten die Einlaufkinder vor den WM-Spielen meist aus den Vereinsmannschaften der gastgebenden Städte bestanden, setzte Schwan, als damaliger BHV-Vizepräsident Spieltechnik, am Spielort Mannheim durch, dass jedes Kind im Handballkreis die Chance haben sollte, die Atmosphäre in der SAP Arena live zu genießen. Die Kinder wurden per Los ermittelt.

In einem Artikel der Weinheimer Nachrichten wurde Schwan im Januar 2007 als „Mister Handball-WM“ gewürdigt. Sein Einsatz ging damals weit über das des Lokalen Organisationskomitees Mannheim hinaus. Bei ihm wurde eine Vorverkaufsstelle für die Hauptrundenspiele in Mannheim eingerichtet. Weil diese seitens des Hallenbetreibers gefehlt hatte, hatte die Austragung in Mannheim auf der Kippe gestanden. „Der Macher“ Schwan löste das Problem auf seine Art und machte es einfach selbst. Wie stolz ihn die Beteiligung an der WM machte, zeigt sein Facebook-Account, wo Schwan alles Erlebte in Wort und Bild in gleich 32 Teilen postete. Er war ein Original der Handball-Szene. AT

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