Kein Verständnis für Beitragsrückforderung
Region, 19.03.2020
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19.03.2020 05:00
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Region. „Solidarität“ lautet angesichts der rasend schnellen Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie das Gebot der Stunde. „Steht zusammen und helft Euch gegenseitig!“, lautet der Appell von Hans Artschwager (Hildrizhausen), dem Sprecher der Landesverbände im Deutschen Handballbund (DHB). Auch der Badische Handball-Verband (BHV) geht mit gutem Beispiel voran. Nach der Schließung der Schulen und Kitas haben Mitarbeiter des „Haus des Sports“ in Karlsruhe Probleme, ihre Kinder zu betreuen. Auch die FSJler des BHV können ihrer Arbeit in den Schulen nicht mehr nachkommen. „Wir haben uns überlegt, beides miteinander zu verbinden. Die FSJler des BHV stehen für die Kinderbetreuung der im Haus des Sports Arbeitenden zur Verfügung“, sagt Ramona Müller, Geschäftsführerin des BHV.

Aber auch Vereine wie beispielsweise die HG Oftersheim/Schwetzingen haben nach der Unterbrechung des Spielbetriebs Aktionen gestartet, um Menschen, die wegen des Virus zu den Risikogruppen zählen oder derzeit lieber zu Hause bleiben und den Gang in die Öffentlichkeit scheuen, zu helfen.

„Wir Handballer waren schon immer gut darin, sportliche Intensität und Kameradschaft zu verbinden“, sagt der ehemalige Rekordnationalspieler Uli Roth von der SG Leutershausen. „Gerade in der näheren Umgebung hier in Hirschberg oder eben bei der HG wird hochklassiger Handball in familiärem Umfeld geboten. Es ist sehr erfreulich zu sehen, wie solidarische Hilfsangebote von jungen Handballern für Corona-Geschädigte aus dem Boden sprießen. Das macht mich stolz.“

Kein Verständnis habe er hingegen, wenn er höre, dass Mitglieder den Vereinsbeitrag zurückfordern, weil Trainings- und Spielbetrieb unterbrochen werden müssen. „Das ist das Gegenteil von Solidarität!“ Die SGL hätte in der verordneten Pause bis zum 19. April fünf Spiele bestritten, davon vier Heimspiele, unter anderem das Ortsderby gegen den TVG Großsachsen, das bislang immer über 1000 Fans in die Beck-Halle gelockt hatte.

„Klar ist das alles sowohl sportlich als auch wirtschaftlich sehr dramatisch für die Vereine“, sagt SGL-Gesellschafter Uli Roth. „Es wird deshalb eine große Solidaritätsgemeinschaft zwischen Zuschauern, Aktiven und dem Verein auf uns zukommen. Jetzt zählt es aber primär, die Gesundheit der Zuschauer und Spieler zu schützen.“

Existenzgefährdende Situation

„Die aktuelle Situation belastet die GmbH der SG Leutershausen wirtschaftlich schwer, vor allem, weil niemand weiß, wie die kommenden Wochen aussehen werden. Die große Unsicherheit, die überall zu greifen ist, kann unsere Existenz bedrohen“, schreibt die SGL in einer Pressemitteilung. „Gerade in der 3. Liga, in der ein wichtiger Teil des Saisonetats durch Sponsoren- und Zuschauereinnahmen generiert wird, macht es das Überleben nur noch schwerer. Die große Familie zwischen Spielern, Verantwortlichen, Sponsoren und Zuschauern, für die wir als SG Leutershausen bekannt sind, ist jetzt mehr denn je gefragt. Nur wenn wir alle gemeinsam mithelfen, können wir stärker aus dieser Situation hervorgehen und gemeinsam die Corona-Krise abfangen.“

Gerade die kleineren Vereine hätten bereits durch die Aussetzungen des Spielbetriebs große und spürbare Einnahmenverluste, erklärt auch der BHV-Präsident Peter Knapp (Oftersheim), „sodass zusätzliche finanzielle Forderungen tatsächlich ihr Überleben gefährden.“ Deshalb fordert auch Hans Artschwager von allen Sportlern und Sportfans: „Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen und dürfen nicht alles Handeln dem Eigeninteresse unterordnen. Fordert also nicht Euren Beitrag zurück – das könnte für viele kleineren Vereine das finanzielle Aus bedeuten!“

Peter Knapp erneuert in diesem Zusammenhang noch einmal den Vorschlag der baden-württembergischen Handballverbände, die Vereine im Steuerjahr 2020 von allen fiskalischen Zahlungen freizustellen. „Die Handballverbände wollen den Solidaritätsgedanken der Vereine unterstützen und arbeiten derzeit an einer gemeinsamen Aktion mit der Liqui Moly Handball-Bundesliga der Männer sowie der Handballbundesliga-Vereinigung der Frauen.“ bhv

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