„Niemand bleibt unversehrt“
Region, 19.03.2020
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19.03.2020 05:00
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Region. Die Pause für die Amateur-Fußballer verlängert sich: Angesichts der zunehmenden Corona-Fälle und der Auflagen der Landesregierung hat der Badische Fußball-Verband (BFV) reagiert und die bislang bis zum 23. März geltende Generalabsage bis mindestens 19. April ausgedehnt. Im Interview äußerst sich BFV-Präsident Ronny Zimmermann (Bild: BFV), gleichzeitig auch Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, zur aktuellen Situation. „Die Entscheidung war aktuell leider alternativlos, trotzdem fällt so etwas unendlich schwer. Wir alle wollen Fußball spielen. Dass das einmal über Wochen nicht möglich sein könnte, hat sich bis vor Kurzem keiner vorstellen können. Und doch tritt das nun in den Hintergrund, wenn es um die Gesundheit von Menschen geht.“

Herr Zimmermann, wie soll es nach dem 19. April weitergehen?

Zimmermann: Um diese Frage halbwegs sachgerecht beantworten zu können, müsste man die Fähigkeit besitzen, in die Zukunft sehen zu können. Wir können gewissermaßen immer nur „auf Sicht fahren“ und müssen alle Entscheidungen auf Basis der aktuellen Informationen treffen. Wohlwissend, dass das, was heute richtig und sicher erscheint, schon morgen falsch und unsicher sein kann. Entscheidend für den Fortgang des Spielbetriebs ist ganz klar der Zeitpunkt, an dem ohne gesundheitliches Risiko der Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Ob das unmittelbar nach dem 19. April so sein wird, können wir nur hoffen. Eines ist aber schon jetzt klar: Einen Weg, der alle glücklich macht, wird es kaum geben.

Was bedeutet die Spielpause für die Vereine?

Zimmermann: Aus dieser Krise, vermutlich die größte in den letzten 50 Jahren, wird niemand unversehrt rauskommen. Auch wir werden gewaltige Einkunftseinbußen haben – und zwar sowohl im Verband als auch in der Sportschule. Die Situation der einzelnen Vereine ist völlig unterschiedlich, da es nicht den einen Vereinstypen gibt. Vordergründig fehlen natürlich zunächst die Einnahmen aus dem Spielbetrieb. Darüber hinaus wird man auf das Verständnis und die Solidarität durch Mitglieder, Sponsoren, Partner oder sonstige Förderer hoffen müssen.
Aber auch hier gilt, dass der Sport nur ein Teil unserer Gesellschaft ist und die Folgen dieser Krise auf vielen Ebenen spürbar sein werden. Gerade deshalb ist es jetzt ja so wichtig, dass die Menschen zusammenstehen und zusammenhalten. Allerdings hoffe ich doch, dass der Politik die Bedeutung der deutschen Vereinswelt und der ehrenamtlichen Arbeit für unser Land bewusst ist und dass hier im Bedarfsfall möglichst zügig und unbürokratisch Hilfeleistungen zur Verfügung gestellt werden.

Was können Vereine aktuell tun?

Zimmermann: Ich kann nur an jeden appellieren, die Herausforderung anzunehmen und auch auf den Menschen nebenan zu schauen. Diese Krise werden wir nur alle miteinander in den Griff kriegen. Wir werden Hilfe anderer benötigen und anderen helfen müssen, damit wir irgendwann wieder zum alten Leben zurückkehren können und somit auch zu unserem geliebten Sport. Bis dahin sollten wir allesamt die behördlichen Anweisungen befolgen, die Einschränkungen unseres Lebens akzeptieren und nicht alles infrage stellen und schon gar nicht unterminieren.

Wie bewerten Sie die Entscheidung der UEFA, die Europameisterschaft zu verlegen?

Zimmermann: Ich halte diese Entscheidung für richtig. Ein Turnier in zahlreichen Ländern Europas stattfinden zu lassen, ohne augenblicklich auch nur halbwegs einschätzen zu können, wie sich die Pandemie in all diesen Ländern bis dahin entwickelt, wäre meines Erachtens nicht nur unklug, sondern verantwortungslos gewesen. Es gibt derzeit wirklich Wichtigeres als Fußball. Alle Fragen wie etwa „Wie wird die Runde zu Ende gespielt?“ und „Gibt es Meister oder Aufsteiger?“ sind derzeit nebensächlich. Jetzt müssen wir das Virus besiegen und Leben retten. kaul

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