Online-Plattformen boomen
Region, 24.04.2020
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24.04.2020 05:00
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Region. „Die Krise rund um das Coronavirus ist für den Schachsport auch eine Chance“, das sagt Paulus Wohlfart, Pressebeauftragter des Schachbezirks Bergstraße und Vorsitzender von Freibauer Mörlenbach/Birkenau. „Es gibt einige interessante Möglichkeiten, Partien über digitale Wege von zu Hause aus zu spielen. Die Spieler sitzen dabei bequem in der eigenen Wohnung, ohne jegliches Übertragungsrisiko für Viren“, meinte Wohlfart, der in einer Pressemitteilung einen Überblick gibt.

Schach als Denksport verlangt bei Wettkämpfen mental sehr viel ab. Wenn eine einzige Partie vier bis fünf Stunden dauert, sind die Spieler am Ende oft am Rand der Erschöpfung. Wohlfart: „Das kann man nur durch körperliche Fitness ausgleichen.“

Nachdem bundesweit alle offiziellen Schachwettkämpfe ruhen, können Schachvereine und ihre Mitglieder auf wachsende Möglichkeiten im Internet zurückgreifen. Auf Online-Plattformen wie chess24.com, chess.de oder lichess.org sei in den vergangenen Wochen ein regelrechter Boom ausgebrochen, auf den jeder mit einfachen Mitteln aufspringen könne, so Wohlfart.

Zu jeder Tageszeit spielen

Eine in Deutschland sehr bekannte und breiter genutzte Internetplattform ist chess24.com. Die Idee zu dieser Plattform wurde im Hamburger Schachclub in Gesprächen zwischen dem deutschen Schachgroßmeister Jan Gustafsson und Enrique Guzman, dem Mitbegründer einer Bildungsfirma, geboren. Parallel startete in Oslo ein Unternehmen namens Magnus, unterstützt vom Schachweltmeister Magnus Carlsen, eigene Aktivitäten im Internet. Im März 2019 gingen beide Strömungen zusammen und bieten heute für Schachinteressierte in vier Kategorien unter anderem die Möglichkeit, gegen andere Gegner Partien in den verschiedenen Formen praktisch zu jeder Tageszeit zu spielen. Eine starke Konkurrenz ist chess24 durch lichess.org entstanden. Erst kürzlich meldete diese Webseite, dass gleichzeitig mehr als 50 000 Schachspieler eingeloggt gewesen seien, so viele wie noch nie zuvor. Lichess ist ein werbefreier, kostenloser Schachserver, der mit einer frei verfügbaren Software, einer OpenSource-Anwendung läuft.

Thibault Duplessis, ein französischer Programmierer, legte wahrscheinlich ebenfalls 2014 die ersten Grundsteine. Lichess belegte bereits 2016 den zweiten Platz als einer der beliebtesten Online-Schachserver der Welt. Die Website ermöglicht es anonymen und registrierten Nutzern, Liveschachpartien gegen andere Spieler mit verschiedenen Bedenkzeiten zu spielen.

Blitzturniere des SK Laudenbach

Vereine wie der Schachklub Laudenbach haben sich für den Schachserver Lichess entschieden, auf dem seit Kurzem donnerstags um 20.15 Uhr Internet-Blitzturniere stattfinden. „Für den schnellen Informationsfluss beim zukünftigen Trainingsbetrieb hat der Schachklub einen eigenen Discord-Server“, sagt Vorsitzender Christian Schmitt, der gerne auf die Teamseite von Lichess hinweist: https://lichess.org/team/schachklub-1995-laudenbach.

Er berichtet, dass man im Bezirk Mannheim gerade überlege, ob man den Stand nach der 7. Runde als Grundlage für Auf- und Abstieg benutzt oder eventuell Ende Juni (bei hoffentlich entspannter Coronalage) die beiden Runden nachholen kann. Wäre denn der Ligabetrieb im Internet ausnahmsweise eine Option?

Online-Ende nicht erstrebenswert

„Das erscheint mir nicht erstrebenswert.“ Gründe dafür seien fehlender Internetzugang oder mangelnde Kenntnisse (speziell bei den ganz jungen und ganz alten Spielern). Zudem eine schwierige Koordination: Auf welcher Plattform wird gespielt? Beginnen alle gleichzeitig? Wer spielt gegen wen mit welcher Farbe? Und letztlich auch das „Cheating“: „Wenn heutzutage schon Großmeister bei Schachturnieren in der Toilette ihre Schach-App auf dem Handy benutzen, kann man Betrugsmöglichkeiten der Spieler zuhause kaum kontrollieren. Bei einigen Online-Turnieren darf in der Endrunde beispielsweise zur Kontrolle nur mit Webcam gespielt werden.“

Gute Trainingsmöglichkeiten

Hermann Garst vom nachwuchsstarken Schachclub Großsachsen freut sich wenigstens über gute Online-Trainingsmöglichkeiten. „Auf der Homepage www.sk-grosssachsen.jimdofree.com hat beispielsweise jeder die Möglichkeit, online gegen andere Schachspieler zu spielen und zu trainieren.“

Am 26. April hätte die zentrale Endrunde mit 350 Spielern in der Reilinger Sporthalle ausgetragen werden sollen. Das sagte der Badische Schachverband jetzt ab. Sollte der Spielbetrieb, der nach Turnierordnung bis zum 31. August möglich ist, wieder aufgenommen werden, wird der BSV dies mit drei Wochen Vorlauf ankündigen. pw/AT

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