Sein Tod reißt viele Lücken
Weinheim/Region, 28.09.2022
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28.09.2022 10:40
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Weinheim/Region. Eigentlich hätte den Bericht über das Heimspiel der TSG 62/09 Weinheim in der Fußball-Verbandsliga gegen den FC Zuzenhausen ein Mann geschrieben, der für die Sportler der Region seit Jahrzehnten verlässlicher Ansprechpartner dieser Zeitung war: Bernd Klemm. Der Redakteur der Weinheimer Nachrichten verstarb völlig überraschend am Freitagmorgen im Alter von nur 57 Jahren. Noch am Donnerstag hatte er unter seinem Kürzel „bk“ die Fußball-Vorschauen verfasst. Unfassbar.

Wie Sportler sind, schritten „seine“ Vereine direkt zur Tat und spielten am Wochenende Bernd zu Ehren mit Trauerflor. „Das ist doch selbstverständlich. Unser herzlichstes Beileid der ganzen Familie“, sagte TSG-Trainer Jochen Ingelmann genauso schockiert wie viele seiner Kollegen. „Das ist ein herber Verlust für die ganze Sportszene, für die Zeitung. Und natürlich wird er auch als Mensch fehlen. Wir denken an seine Familie“, war die erste Reaktion von Gültekin Isci, Abteilungsleiter der TSG Lützelsachsen.

Denn zugewandt – das war Bernd Klemm immer, gerade seinen Sportlern gegenüber. Nach der Niederlage beim Interview immer ein tröstendes Wort auf den Lippen, bei der Bierdusche manchmal auch mittendrin – selten werden Emotionen und Gefühlslagen so offen nach außen getragen wie im Sport. Das liebte er, das war seine Leidenschaft. In Sachen Sportereignisse war Bernd Klemm ein wandelndes Lexikon.

In seinem Heimatort Sulzbach hatte er sich als Jugendlicher als Fußballer, Ringer und Tischtennisspieler geübt. Seine große Leidenschaft galt im Fußball dem 1. FC Köln, und Eddy Merckx war für ihn nicht nur der größte Radsportler aller Zeiten. Von vielen seiner Wegbegleiter erhielt Bernd auch den Spitznamen „Eddy“, verbrachte viele Urlaube wandernd oder Rad fahrend. Offen, loyal, ehrlich, hilfsbereit, mitfühlend, spontan und gerecht – so beschreiben ihn seine Freunde. Politisch klar denkend war er im Sinne der Menschenrechte, literarisch und kulturell bewandert, musikalisch auf jeder Ebene – auch als Dirigent eines kleinen von ihm selbst gegründeten Männerchors. Gustav Mahler, Schubert und Beethoven, Streichquartette, Chorgesang – Bernd Klemm hätte als vielseitig interessierter und begabter Mensch genausogut für das Feuilleton schreiben können.

Der gesellige Naturfreund und Genussmensch, der sich vor seinem jahrzehntelangen Engagement für diese Zeitung noch den Naturwissenschaften zugewandt hatte, war sehr heimatverbunden. Das lag an der großen Liebe zu seiner Familie. Vor allem auch nach dem Tod seines Vaters Josef, ehemals Sulzbachs Ortsvorsteher, war Bernd immer für seine Mutter Heidi, Schwester Susanne, Bruder Ralf und seine Freundin Iris da. Hatte er jemanden ins Herz geschlossen, dann hatte der seinen Stammplatz dort sicher.

So war sein Engagement für die Sportredaktion der Weinheimer Nachrichten nicht einfach nur ein Job. Die Sportler, mit denen er beruflich zu tun hatte, waren keine anonymen, abgeklärten Profis. Er schrieb als einer von ihnen für sie. Er fühlte mit, war empathischer Teil der großen Sportfamilie.

Die Olympischen Spiele in Paris 2024 live als Fan zu erleben, das war sein Traum. Er freute sich schon auf die Planung der Reise. Offenbar war für Bernd eine Reise der anderen Art vorgesehen, eine Reise ohne Abschied. Diesen Nachruf schreiben zu müssen, das tut unserer Redaktion sehr weh. Er wird uns so sehr fehlen! AT 

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28.09.2022 10:40
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