Warum es in der Hessenliga  härter ist
Unter-Flockenbach, 24.01.2023
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24.01.2023 09:56
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Leserbrief
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Unter-Flockenbach. Noch 16 Spiele hat der SV Unter-Flockenbach in der Fußball-Hessenliga zu absolvieren – am Ende soll der Klassenerhalt für den Aufsteiger stehen. Derzeit liegt der SVU auf Platz 14, der nach dem jetzigen Stand die Relegation bedeuten würde. Sechs Mannschaften liegen hinter den Unter-Flockenbachern, die noch ein Nachholspiel in Stadtallendorf bestreiten können. In 22 Spielen wurden 25 Punkte erzielt (sechs Siege, sieben Unentschieden, neun Niederlagen). Das Torverhältnis beträgt 39:57.

Gestern Abend war beim SVU Trainingsauftakt nach der Winterpause.

Herr Schneider, der SV Unter-Flockenbach ist in der Hessenliga angekommen – ob ihre Mannschaft aber auch bleiben darf, ist noch lange nicht sicher?

Mirko Schneider: Ich erwarte, dass wir bis zum letzten Spieltag in Hadamar um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Wir wissen ja auch noch nicht, wie viele Mannschaften direkt Absteigen – fünf, sechs oder sogar sieben?

Warum tat sich der SVU in den ersten Spielen so schwer – es gab nur einen Punkt aus fünf Spielen – und man war zeitweise sogar Tabellenletzter?

Schneider: Die Umstellung war für meine Spieler enorm schwer, wir hatten Problem mit der harten Spielweise, die normal ist in der Oberliga und nicht gepfiffen wird. Des Weitern wird jeder Fehler bestraft, den man macht. In der Verbandsliga hätten wir dadurch sieben Punkte aus fünf Spielen gehabt.

War das Aus in der ersten Runde des Hessenpokals beim Gruppenligisten TSV Höchst nach Elfmeterschießen der Tiefpunkt?

Schneider: Nein, das sehe ich nicht so. Wir haben dort viele Spieler spielen lassen, die Spielpraxis brauchten und aus Verletzungen kamen. Außerdem war die Kampfmoral von Höchst gegen einen Oberligisten hervorragend, dann verliert man auch mal durch Elfmeterschießen.

Misserfolg kannte man beim SVU in den vergangenen Jahren fast gar nicht. Wie gingen Sie damit um – und wie reagierte ihr Umfeld?

Schneider: Jeder beim SVU wusste, was wir in den letzten Jahren erreicht haben. Es war wie immer, es wurde analysiert und in Ruhe weitergearbeitet, wie ich das schon seit 18 Jahren kenne.

Wo war der Moment, an dem sie dachten: Ja, wir können mithalten?

Schneider: Im dritten Spiel in Erlensee. Wir spielten auf ein Tor, holten aber nur einen Punkt.

Warum hat der SV Unter-Flockenbach eine so schlechte Auswärtsbilanz und wartet immer noch auf den ersten Dreier auf fremden Platz? Fünf Unentschieden helfen in der Tabelle nicht wirklich weiter.

Schneider: Das ist eine gute Frage, hätten wir am dritten Spieltag in Erlensee unsere Chancen verwertet, müsste ich heute diese Frage nicht beantworten. Wir haben gerade in der Offensive viele junge Spieler, die noch Zeit brauchen.

Was waren die besten Saisonleistungen?

Schneider: Im Heimspiel gegen Walldorf, wo wir leider nur 2:2 gespielt haben. Hier war das Glück nicht auf unserer Seite.

Und wo waren Sie überhaupt nicht zufrieden?

Schneider: Bei der 0:6-Niederlage in Gießen, hier war die gesamte Mannschaftsleistung außerirdisch schlecht.

Wer ist für Sie die Entdeckung der Saison – Max Heckhoff von Eintracht Wald-Michelbach, der auf Anhieb Stammspieler in der Abwehr war? Auch Julian Marquardt, der vom SV Waldhof II kam, war fast immer dabei?

Schneider: Ja genau, Max und Julian sehe ich beide als Entdeckung der Saison. Sie sind noch sehr jung und haben sich als Stammspieler entwickelt.

Linus Hebling, der als Einziger alle 22 Einsätze absolvierte, konnte sich schon wieder mit zwölf Toren empfehlen. Dass aber Chris Diefenbach auch in der Hessenliga zehn Mal trifft, war nicht zu erwarten?

Schneider: Für Linus freut es mich sehr. Auf ihm lagen hohe Erwartungen, aber er hat sich wieder weiterentwickelt und viel gelernt. Zwölf Tore in der Oberliga sind absolut top, und es werden noch einige dazukommen. Bei Chris war das nicht so zu erwarten, da er sich immer in die Dienste der Mannschaft stellt. Er kämpft bis zur letzten Minute und ihm ist kein Weg zu weit. Sein Vorteil in der Oberliga ist seine robuste körperliche Statur. Er konnte von Anfang an in der Oberliga mithalten.

Nico Hammann, der von Nico Schütz nach fünf Spielen die Kapitänsbinde übernahm, ist unverzichtbar?

Schneider: Ja, das ist ja klar. Ein Spieler mit diesen Qualitäten ist für uns ganz wichtig, man sieht aber auch, dass die Mannschaften unter den Top 10 drei bis vier Leute haben mit der Qualität von Nico.

Stammtorhüter Nico Schütz musste für Nico Umscheid weichen, der sich dann verletzte. Mit Paul Köhnlein aus der U19 des SV Sandhausen wurde dann noch ein dritter Torhüter nachverpflichtet. Wer ist die Nummer 1?

Schneider: Das wird sich in der Wintervorbereitung zeigen, da will ich mich noch nicht festlegen.

Gibt es in der Winterpause personelle Veränderungen? Die Saison hat angesichts von vielen Ausfällen wieder einmal gezeigt, dass ein Kader eigentlich nicht groß genug sein kann.

Schneider: Bis jetzt noch nicht, allerdings haben wir noch einen Spieler im Probetraining, dessen Verpflichtung gut aussieht.

Wie bewerten Sie das Auftaktprogramm nach der Winterpause, die bereits am 26. Februar mit dem Spiel in Griesheim endet. Anschließend kommt der FSV Fernwald und es geht zum SV Neuhof.

Schneider: Es gibt keine leichten Gegner in der Oberliga, aber mit Griesheim und Neuhof haben wir zwei direkte Gegner, die mit uns um den Klassenerhalt spielen.

Organisatorisch kommt der SV Unter-Flockenbach auf dem Wetzelsberg auch mit den neuen An- und Herausforderungen in der Hessenliga zurecht. Auch die Rekordkulisse von 1000 Zuschauern gegen Eintracht Frankfurt U21 war kein Problem auf dem Waldsportplatz.

Schneider: Das war eine sensationelle Leistung unseres Vereins, absolut oberligatauglich. Darauf bin ich sehr stolz, da sieht man wieder, dass die harte Arbeit der letzten Jahr belohnt wird und solch eine Veranstaltung möglich ist.

Was würden Sie selbst sagen, inwieweit hat das halbe Jahr in der Hessenliga den Trainer, aber auch den Menschen Mirko Schneider verändert?

Schneider: Oh, eigentlich gab es keine menschlichen Veränderungen, da bin ich schon zu lange dabei. Für mich als Trainer gab es zwei schöne Erfahrungen in der Oberliga. Einmal die Pressekonferenzen bei den Auswärtsspielen – egal ob man gerade 0:6 verloren hat. Auch das professionelle und nette Auftreten der Schiedsrichter in der Oberliga während und nach dem Spiel ist einfach klasse. beg

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