Zwölf Infizierte: volle Breitseite für TVG
Großsachsen, 11.11.2020
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11.11.2020 05:10
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Großsachsen. Wie schnell das Coronavirus um sich greifen kann, zeigt die Situation beim TVG Großsachsen. Am 31. Oktober bestritt der Handball-Drittligist als einer der wenigen Vereine vor dem Lockdown noch sein Heimspiel gegen die HBW Balingen-Weilstetten II. Weh tat dabei nicht nur die 27:31-Niederlage in der Sachsenhalle, sondern vor allem die Nachwirkungen dieses vorerst letzten Spieltags: Mittlerweile zwölf Drittliga-Spieler des TVG sind mit dem Coronavirus infiziert und in häuslicher Quarantäne. Nur vier aktive Spieler und ein Verantwortlicher blieben verschont. Auch der Gegner meldet bislang keinen Coronafall.

TVG-Trainer Stefan Pohl gehört zu den positiv Getesteten. „Ich hatte ja schon beim Spiel in Heilbronn dafür plädiert, nicht zu spielen. Warum wir in der Woche darauf unser Heimspiel dann austragen, muss man schon selbstkritisch hinterfragen“, sagt der Coach, der selbst keine Symptome aufweist. „Im Trainingsbetrieb hat man ja alleine durch die Anzahl der Spieler ein erhöhtes Risiko.“

Hoblajs Test bringt alles ins Rollen

Als erster Spieler beim TVG Großsachsen spürte Maximilian Hartz bereits nach dem Schlusspfiff der Partie gegen die HBW Balingen-Weilstetten, dass er sich schlapp fühlte. Er ließ sich vorsorglich krankschreiben. Leon Hoblaj, Torhüter des TVG und auch im Kader des Handball-Bundesligisten Eulen Ludwigshafen, unterzog sich am Dienstag nach dem TVG-Spiel dem obligatorischen Coronatest in Ludwigshafen, der beim Erstligisten zweimal wöchentlich durchgeführt wird. Am Donnerstag kam das Ergebnis: positiv.

Fieber, Schmerzen, Nase kaputt

Hoblaj rief sofort Großsachsens Sportlichen Leiter Thomas Zahn an, der Mannschaft und Umfeld Bescheid gab. Die wollte an diesem Donnerstag eigentlich das Training wiederaufnehmen, doch schon bei diesem Rundruf stellte sich heraus, dass sich etliche Spieler nicht fit fühlten. Unter ihnen auch Simon Reisig. Der TVG-Kreisläufer bekam in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch Fieber. „40, 40,5 °C– das waren zwei sehr harte Nächte. Tagsüber ging es und ich dachte, dass ich mich vielleicht nur erkältet habe. Am Freitag kamen dann heftige Kopfschmerzen, Druck auf die Augen, Halsschmerzen hinzu. Ich dachte, mein Kopf platzt. Und als Leons Test feststand, habe auch ich mich testen lassen“, sagt Reisig, den es zusammen mit Max Hartz und Philipp Ullrich besonders zerlegte. „Eigentlich hatten wir alle bekannten Symptome, bis hin zum Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Nur die Atemnot blieb mir und allen übrigen Mannschaftskollegen bislang erspart. Zum Glück!“

Neben den gesundheitlichen Aspekten gibt es aber natürlich weitere Nebenschauplätze: verständlicherweise wenig begeisterte Arbeitgeber, wie die von Stefan Pohl, der als Lehrer letztlich das Glück hatte, mit Maske und Abstand vor seinen Schülern stehen zu können.

Und natürlich die private Situation. Schließlich sitzt jetzt jeder positiv Getestete 14 Tage daheim in seinem Kämmerchen. Und auch die jeweiligen Lebenspartner müssen, selbst wenn sie negativ getestet sind, in Quarantäne bleiben. Zum sechsjährigen Geburtstag seiner Tochter war beispielsweise Pohl per Video zugeschaltet. „Meine mit im Haus lebende Schwiegermutter ist Risikopatientin. Ich hoffe nur, dass ich keinen in der Familie angesteckt habe.“

Thomas Zahn ist geläutert

Großsachsens Sportlicher Leiter Thomas Zahn, der sich gegen eine offizielle Pressemitteilung des Vereins entschieden hatte, konferierte mit den Drittliga-Konkurrenten und dem Deutschen Handball-Bund gestern Abend, wie und ob die Runde nach dem 15. November fortgesetzt werden kann. „Im Nachhinein war es wohl keine so gute Idee, noch zu spielen. Aber im Vorfeld des Spiels gab es keine Anzeichen dafür, dass jemand positiv gewesen sein könnte. Wenn man jetzt selbst betroffen ist, sieht man die Dinge aber aus einem anderen Blickwinkel. Da muss auch ich meine Meinung ändern.“

Die bislang einzigartige „Causa TVG“ dürfte bei der DHB-Beratung gestern eine zentrale Rolle gespielt haben. Zahn: „Um den Spielbetrieb überhaupt aufrechterhalten zu können, bräuchten wir eine ordentliche Testung. Und die würde uns jedes Mal 400 Euro kosten. Das können wir als Verein nicht tragen.“

Bei Ortsnachbar SG Leutershausen, der sein letztes Spiel in Erlangen abgesagt hatte, gibt es bislang keine positiv getesteten Spieler oder Verantwortlichen. Dort wird seit gestern kontaktloses Training in Kleingruppen angeboten. AT

Corona-Chronik des TVG Großsachsen

Samstag, 31. Oktober: Der TVG Großsachsen spielt sein Drittliga-Spiel gegen HBW Balingen-Weilstetten II in der Sachsenhalle. Für alle Ordner und Besucher gilt durchgehende Maskenpflicht.

Schon kurz nach dem Schlusspfiff melden sich bei einzelnen Spielern erste Symptome.

Ein am Dienstag (3.) durchgeführter Coronatest des Bundesligisten Eulen Ludwigshafen zeigt am Donnerstag (5.) für den auch beim TVG Großsachsen im Tor stehenden, symptomfreien Leon Hoblaj einen positiven Test.

Der Sportliche Leiter Thomas Zahn informierte die Beteiligten und gab Listen an das Gesundheitsamt zur Nachverfolgung der Kontakte weiter.

Am Freitag (6.) ließen sich fast alle Spieler und Verantwortlichen in Eigenregie testen. Nach und nach trudelten die leider oft positiven Ergebnisse ein: Bis heute sind zwölf Spieler und Verantwortliche des Drittligisten mit dem Virus infiziert.

Nur bei Simon Reisig, Philipp Ullrich und Max Hartz traten bislang, allerdings heftige, Symptome auf.

Gegner HBW Balingen-Weilstetten II veranlasste einen Pooltest: das Ergebnis fiel zum Glück negativ aus.

Im Umfeld der Großsachsener Mannschaft gibt es bei Betreuern, Ordnern und Fans keinen dem Sportlichen Leiter bekannten Fall.



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