Man fühlt sich verschaukelt
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23.10.2021 05:00
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Mängel bei „Blitzumfragen“

WN vom 16. Oktober

Wiederholt wurden die Weinheimer Bürger von der Stadt und OB Just aufgefordert, sich aktiv bei der Zukunftswerkstatt einzubringen, da die Bürgerbeteiligung bislang eher zögerlich sei, so die Presse. Mit zwei Blitzumfragen unter den Bürgern sollte offensichtlich zur Mitarbeit angeregt werden, was teilweise auch gelang: Nach Vorliegen des Ergebnisses der zweiten Umfrage – immerhin wurden laut Auswertung 193 Stimmen abgegeben – zeigte sich ein deutliches Votum.

Die meisten Teilnehmer interessierten sich für Landschaft, Freiraum, Umwelt und Klima, ein Thema also, das auch bei der Bundestagswahl im September im Vordergrund stand, aber meines Erachtens auch weiter für die Weinheimer Bürger bedeutend ist, da die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt in einen neuen lokalen Flächennutzungsplan münden sollen. Die Erfahrung der Weinheimer Bürger hat gezeigt, dass dies immer mit schmerzlichem Verlust von Landschaft und Freiraum, Eingriffen in Natur und Umwelt verbunden ist. Daher sind die gewählten Themenschwerpunkte mehr als naheliegend.

Nun wird völlig unerwartet von den Veranstaltern der Zukunftswerkstatt verkündet, dass die Ergebnisse der Blitzumfragen im weiteren Verlauf nicht mehr relevant seien. Als Bürger fühlt man sich verschaukelt und fragt sich: Passt das Umfrageresultat nicht in die Zukunftspläne der Stadt? Oder wurde die Umfrage technisch so unprofessionell aufgesetzt, dass sie keine validen Ergebnisse liefern konnte? In jedem Fall ist es ärgerlich und eine Zumutung für die Weinheimer, die den Aufruf ernst genommen haben.

Wieso sollen wir uns aktiv beteiligen, wenn unsere Meinung anscheinend keine Berücksichtigung findet, geschweige denn in konkrete Maßnahmen mündet? Man muss sich fragen, ob das Wunschergebnis der Zukunftswerkstatt nicht jetzt schon feststeht und nur gefällige Umfrageergebnisse das „Weiter so“ im Flächenverbrauch rechtfertigen sollen. Dass wir Bürger ein derartig unprofessionelles Vorgehen auch noch mit unseren Abgaben finanzieren, immerhin wurden zwei Moderatorenteams für rund 350 000 Euro engagiert, wirft kein gutes Licht auf die Verantwortlichen. Die Zukunft Weinheims und ihrer Bürger hat Besseres verdient.

Dr. Dorothee Siemon, Weinheim

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23.10.2021 05:00
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