Manuel Just: „Die Lage ist definitiv besorgniserregend“
Weinheim, 23.10.2020
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23.10.2020 05:00
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Weinheim. 227 Menschen aus Weinheim haben sich seit Beginn der Pandemie mit dem Coronavirus infiziert; davon führte das Gesundheitsamt am Donnerstag 17 Personen als „aktive Fälle“. Zum Vergleich: Vor einer Woche lag die Gesamtzahl noch bei 206, davon waren vier Personen „aktive Fälle“. Keine Frage, auch Weinheim wird von der Dynamik des Infektionsgeschehens nicht verschont. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtverwaltung am Marktplatz und in der Fußgängerzone Hinweisschilder aufgestellt, welche die Menschen dazu auffordern, Abstand zu halten und einen „Mundschutz“ zu tragen – gemeint ist damit natürlich ein „Mund-Nasen-Schutz“. Außerdem wendet sich Oberbürgermeister Manuel Just mit einer Videobotschaft an die Bevölkerung. Unsere Redaktion hat die wichtigsten Aussagen schon einmal zusammengefasst.

Justs Einschätzung der aktuellen Situation: „Die Lage ist definitiv besorgniserregend – sowohl mit Blick auf die Wirtschaft, als auch mit Blick auf die Gesundheit der Menschen. Hinzu kommt aktuell die emotionale beziehungsweise psychologische Seite, dass wir vor der kalten und dunklen Jahreszeit stehen. (...) Dadurch findet noch weniger zwischenmenschliche Begegnung statt. Hinsichtlich des Virus ist dies zwar begrüßenswert, ich habe allerdings große Sorge, dass wir in dieser Phase Menschen in die Isolation verlieren.“ Der OB nimmt auch Stellung zur Frage, warum Weinheim noch nicht mit eigenen Allgemeinverfügungen die Regeln verschärft hat. Heidelberg hat ja zum Beispiel eine allgemeine Maskenpflicht in den Einkaufsstraßen der Altstadt verfügt. Just: „Weinheim ist sicher nicht mit den Großstädten vergleichbar. Als Große Kreisstadt verlassen wir uns auf die Expertise des Gesundheitsamtes des Rhein-Neckar-Kreises. (...) Ich glaube nicht, dass Alleingänge jetzt sinnvoll wären.“ Andererseits machte Just deutlich, welche rechtlichen Möglichkeiten die Stadt hätte, wenn sich die Infektionslage zuspitzen sollte: „Da geht es zum Beispiel um Alkoholverbote an öffentlichen Plätzen, um strengere Sperrzeiten in den Kneipen oder auch um eine vollständige Maskenpflicht im öffentlichen Raum.“

Der Oberbürgermeister räumt in dem Video auch ein, dass die Stadt im Frühjahr „härter durchgegriffen“ hat. Seine Erklärung: „Das war eine andere Situation. Erstens war es Frühjahr, und wir mussten unsere Grünflächen sperren, um dort unkontrollierbare Ansammlungen von Menschen zu vermeiden. Das ist jetzt Ende Oktober sicher nicht erforderlich. Und die Stimmung war damals anders, die Menschen hatten viel mehr Angst. Wir alle hatten Angst. Auch weil wir über das Virus noch nicht so viel wussten. Da gab es selbstverständlich Entscheidungen, die wir heute so nicht mehr treffen würden. Das wissen wir. In der Situation damals haben wir nach bestem Wissen und Gewissen zum Schutz der Menschen gehandelt – und vieles war richtig. Wir müssen heute viel mehr darauf achten, wie nachvollziehbar die Einschränkungen sind. Sonst werden diese, nicht zuletzt aufgrund der abschätzbaren Dauer, wie lange diese Pandemie uns noch begleiten wird, keine Akzeptanz finden, geschweige denn, dass wir sie durchsetzen können.“

Das Video steht ab Freitag auf der Internetseite der Stadt unter: 

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23.10.2020 05:00
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