Milchproduktion hilft Bauern in Afrika
Birkenau, 07.04.2017
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07.04.2017 05:00
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Birkenau. „Niemand bei uns in Europa sollte sich da noch wundern, dass immer mehr Flüchtlinge aus Afrika zu uns kommen“, so das Fazit eines Teilnehmers der Veranstaltung im Birkenauer katholischen Pfarrheim, bei der Ibrahim Diallo, der Präsident des Dachverbandes der Kleinmolkereien aus Burkina Faso über die Situation der Bauern in seinem Land berichtete. Die Birkenauer Partnerschaftsgruppe „Christen für Afrika“ hatte den Misereor-Gast Diallo eingeladen und dieser begann seinen Vortrag mit einem eindrucksvollen Film über das veränderte Leben der Bauern in seinem Land.

Starke Bevölkerungszunahme

Diallo gehört der Volksgruppe der Peulh an – einem traditionell umherziehenden Hirtenvolk. Die starke Bevölkerungszunahme und die damit einhergehende intensivere Landnutzung der Ackerbauern führten zunehmend zu Konflikten zwischen den Sesshaften und wandernden Nomaden. Aber die Burkinabè – so nennt man die Einwohner Burkina Fasos – hatten wieder einmal gute Ideen: Die Peulh entschieden sich, die Herden zu verkleinern, sesshafter zu werden und weniger Rindfleisch und dafür Milch zu produzieren. Das Verbleiben an einem Ort ermöglichte zudem den Kindern, eine Schule zu besuchen. Das Problem der Kühlung der Milch wurde durch Minimolkereien mit Solar-betriebenen Kühlschränken gelöst. Die Arbeit mit der Milch wird von Frauen erledigt. Diese haben damit direkten Zugang zu Einkomme. Der Verkauf von frischer lokal erzeugter Milch und von Joghurt führte jahrelang zu guten Erfolgen und zu einem steigenden Lebensstandard.

Vor einiger Zeit stellten die Bauern jedoch fest, dass der Absatz zurück ging. Was war der Grund? Man fand heraus, dass es in ganz Burkina Faso urplötzlich um ein Drittel preiswerter zu erhaltenes Milchpulver aus Europa zu kaufen gab. Den Bauern wurde erklärt, dass es in Europa eine Milchkrise gebe und daher das viele Milchpulver nach Afrika gekommen sei.

„Was ist die Milchkrise?“

Diallo stellte die provokative Frage an die Zuhörer: „Was ist die Milchkrise? Bitte erklärt mir das – ich verstehe es nicht, ich bin kein Europäer.“ Es entwickelte sich eine lebhafte Debatte über Überproduktion, Milchquoten, Abschaffung derselben, Verringerung der Einfuhrzölle, Milchschwemme und über die Entdeckung des Marktes Afrika durch die auf der großen Milchmenge sitzenden Agrarkonzerne. Letztere verdienten mit EU-subventionierten Exporten sehr viel Geld – die lokale Wirtschaft in Burkina Faso jedoch leidet zunehmend, Familien können von der Produktion nicht mehr leben. Das führe zu zwei großen Gefahren, so Diallo: „Junge Menschen ohne Zukunftsperspektive lassen sich leichter von zunehmend agierenden Islamisten beeinflussen, andere entscheiden sich, das Land zu verlassen und versuchen, nach Europa zu kommen. Wir versuchen alles, diese Entwicklung zu verhindern. Bitte helft uns dabei.“

Mehr zur Birkenauer Partnerschaft gibt es im Internet unter www.christen-fuer-afrika.de. Hintergrundinformationen zur Misereor-Fastenaktion und zu dem Projekt der Minimolkereien gibt es im Internet unter www.misereor.de

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07.04.2017 05:00
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