Mord am Freibad weiter ungeklärt
Lindenfels, 30.06.2016
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30.06.2016 05:00
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Leserbrief
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Lindenfels. Das Verschwinden von Jutta Hoffmann treibt immer noch viele Menschen um, auch in der digitalen Welt. Auf der Internetplattform Youtube weisen die Videos der Sendung „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ vom 10. Juli 1987, in der die Polizei öffentlich zur Mithilfe bei der Aufklärung des Falls aufrief, zusammen über 25 000 Klicks auf. Der jüngste Kommentar unter den Beiträgen ist gerade einmal einen Monat alt, darin stellt der Autor Mutmaßungen darüber an, ob der oder die Täter aus Lindenfels oder von außerhalb kamen.

Rückblick: Die 15-jährige Schülerin Jutta Hoffmann war am 29. Juni 1986 nach einem Schwimmbadbesuch nicht wieder nach Hause gekommen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten in verschiedene Richtungen – ein Teil davon war die besagte Fernsehsendung.

Trauriger Fund

Am 10. Februar 1988 dann die traurige Gewissheit: Ermittler fanden die sterblichen Überreste des verschwundenen Mädchens – unweit des Lindenfelser Freibads, in einem Waldstück, das die Polizei vorher erfolglos durchkämmt hatte.

Am Tag des Verschwindens von Jutta Hoffmann war ganz Deutschland im Fußballfieber. Das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien stand auf dem Spielplan. Die junge Frau nutzte den Tag, um Abkühlung im Lindenfelser Freibad zu finden.

Eine Mutter mit Kind war möglicherweise die letzte Person, die Jutta Hoffmann sah, bevor sie auf den Täter traf. Sie begegnete ihr gegen 17.45 Uhr auf einem Waldweg zwischen Schwimmbad und Ortsmitte. Das Mädchen befand sich offenbar auf dem Heimweg.

Verschwundene Schuhe

Wenige Minuten zuvor hatte die Frau auf diesem Weg zwei Männer gesehen. Die Polizei schloss damals nicht aus, dass die beiden etwas mit dem Verbrechen zu tun haben könnten. Fast sicher ist, dass Jutta Hoffmann dort Opfer eines Verbrechens wurde.

Eine halbe Stunde später fand eine andere Passantin einen weißen Damenschuh und eine Badematte auf dem Boden. Die Badematte nahm sie an sich. Der Schuh wurde bei den späteren Ermittlungen nicht wiedergefunden.

Zeugen fanden auf einem Parkplatz am Friedhof einen weiteren weißen Schuh – auch dieser verschwand später. Sie bemerkten außerdem zwei Männer, die sich am Kofferraum eines dunklen Ford zu schaffen machten. Die Rede war von einem Aschaffenburger oder einem Alzeyer Autokennzeichen.

Die Männer werden als 30 bis 35 Jahre alt, schlank und gepflegt beschrieben, mit kurzem, krausem und dunklem Haar. Einer soll grobporige oder narbige Haut gehabt haben.

Kurze Zeit später hörte eine Zeugin auf dem Friedhof einen Schrei. Sie versuchte, sich das Kennzeichen des dunklen Ford zu merken. Als sie es später notierte, brachte sie aber wohl Zahlen und Buchstaben durcheinander. Das Kennzeichen, dass sie der Polizei übermittelte, führte zu keiner heißen Spur.

Am Tag des Verschwindens von Jutta Hoffmann wurde an der B 47 eine junge Frau gesehen. Die Polizei ging damals zwar nicht davon aus, des es sich dabei um das Opfer handelte, erhoffte sich aber von der Person Hinweise. Sie hat sich jedoch nie bei den Ermittlern gemeldet.

Dafür reagierten viele andere auf die Suchmeldung. Mit der „Aktenzeichen“-Sendung hofften die Ermittler, Zeugen von außerhalb ansprechen zu können, die in den Sommermonaten Ausflüge in den Odenwald unternommen hatten.

Keine brauchbaren Hinweise

Es meldeten sich Anrufer, die Jutta Hoffmann nach ihrem Verschwinden in verschiedenen Städten gesehen haben wollten. Theorien, sie sei von „Ausländern“ entführt worden, machten die Runde. Ein entscheidender Hinweis war allerdings nicht dabei.

Im Archiv der Staatsanwaltschaft in Darmstadt stehen 20 Aktenordner mit Dokumenten zu dem Fall. Seit 1990 ist kein Eintrag mehr hinzugefügt worden. „Derzeit werden aufgrund der mangelnden neuen Erkenntnisse in dem Verfahren keine Ermittlungen getätigt“, erklärte Pressesprecherin Nina Reininger. Das bedeute aber nicht, dass das Verfahren eingestellt sei: „Da von einem Mord ausgegangen wird, tritt keine Verjährung ein“, betont die Staatsanwältin. kbw

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