Mut machen und neue Wege aufzeigen
Rimbach, 17.11.2020
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17.11.2020 05:00
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Rimbach. Die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle (PSKB) des Diakonischen Werkes Bergstraße in Rimbach feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Allerdings muss das Rahmenprogramm zum Jubiläum aufgrund der aktuellen Corona-Vorschriften ausfallen.

Ein Blick zurück lohnt dennoch. Seit mehr als 30 Jahren ist die PSKB die erste Anlaufstelle für Menschen in seelischen Krisen oder mit einer psychischen Erkrankung sowie für deren Angehörige im Vorderen Odenwald. Sie ist somit der zentrale Baustein wohnortnaher gemeindepsychiatrischer Versorgung.

Eng untereinander vernetzt

In den vergangenen Jahren hat die PSKB maßgeblich dazu beigetragen, die Weiterentwicklung der Gemeindepsychiatrie zu gestalten. So entstanden im Laufe der Zeit die Arbeitsbereiche Betreutes Wohnen mit Wohngemeinschaften und Einzelappartements, Tagesstätten in Wald-Michelbach und Rimbach, Betreutes Wohnen für Familien, Leben in Gastfamilien und die „Sprung-Schance“ als Beratungsangebot für junge Menschen. Alle Mitarbeiter arbeiten eng vernetzt unter dem Dach des Psychosozialen Zentrums in Rimbach sowie mit den anderen Arbeitsbereichen des Diakonischen Werkes Bergstraße zusammen.

Damals wie heute versteht sich die PSKB als Seismograf für gesellschaftliche Entwicklungen. Während es früher – neben der Information zu der psychischen Erkrankung – eher um Fragen im Zusammenhang mit Familie und Partnerschaft ging, stehen heute immer mehr existenzielle und wirtschaftliche Fragen wie drohender Verlust der Wohnung, Arbeitslosigkeit, Schulden oder Probleme mit Ämtern im Vordergrund. Dazu kommen körperliche Erkrankungen, Behinderungen oder schwere Schicksalsschläge.

Die Komplexität der Probleme wirkt sich häufig nachteilig auf die seelische Erkrankung aus und schürt oder schafft neue Krisen. Wieder neuen Lebensmut und Vertrauen ins Leben zu entwickeln, ist oft Schwerstarbeit für psychisch kranke Menschen, um Zeiten der Einsamkeit zu überstehen. Zuhören, das Erfassen der aktuellen Situation, Schadensbegrenzung, Stabilisierung, Mut machen, Hoffnung vermitteln und neue Wege aufzeigen stehen bei der Beratung im Vordergrund.

Beratungsgespräche

Gab es 1990 erst 149 Beratungskontakte, waren es 2019 über 1000. Neben Einzelgesprächen sind auch Paar- oder Familiengespräche möglich. Die Beratung kann einmalig oder über einen längeren Zeitraum hinweg stattfinden. In Krisenzeiten ist oftmals eine engmaschige Begleitung notwendig.

Außer der Beratungstätigkeit sind die Gruppenarbeit sowie die Gestaltung von Festen für die Klienten wichtige Bausteine der Arbeit. Besonders der „Frauentreff am Vormittag“ erfreut sich seit seinem Beginn im November 1998 großer Beliebtheit, und der Kontakt mit den anderen Frauen wird in der Zeit der Pandemie sehr vermisst. Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit fanden im Laufe der Jahre viele Veranstaltungen statt, wie zum Thema „Depression im Alter“ und „Entlastung für Angehörige“. Der Fachtag „Nicht von schlechten Eltern“ über die Situation von Kindern mit einem psychisch kranken Elternteil wurde ausgerichtet, um nur wenige Beispiele zu nennen.

1996 wurde die Selbsthilfegruppe „Depression“ in Bensheim initiiert und anfänglich begleitet. Sie wird heute noch rege besucht. Außerdem beteiligen sich die Mitarbeiterinnen der PSKB seit 1997 regelmäßig an den Tagen der seelischen Gesundheit des Kreises Bergstraße. Gerade die Information über psychische Erkrankungen und der Abbau von Stigmatisierung waren und sind wesentliche Elemente der Beratungsarbeit.

Die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle ist zuständig für den östlichen Teil des Kreises Bergstraße einschließlich der Städte Bensheim und Zwingenberg. Dreimal pro Woche kann man sich in einer offenen Sprechstunde in Rimbach beraten lassen. Hausbesuche und Termine in den Dienststellen des Diakonischen Werkes Bergstraße in Bensheim und Wald-Michelbach sind normalerweise ebenfalls möglich. Aufgrund der Corona-Pandemie werden derzeit aber vor allem Telefonberatungen, videobasierte Gespräche und Beratungen im Freien durchgeführt.

Info

Notwendige Termine in der Dienststelle oder zuhause können unter Einhaltung der Hygienevorschriften im Einzelfall wahrgenommen werden.

Die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle (PSKB) des Diakonischen Werkes Bergstraße in Rimbach wird finanziert aus Mitteln des Landeswohlfahrtsverbandes, des Kreises Bergstraße sowie aus kirchlichen Zuschüssen des Diakonischen Werkes Bergstraße.

Das regionale Diakonische Werk hat 97 hauptamtliche und über 200 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unterhält im Kreis Bergstraße Hilfeangebote an den Standorten Bensheim, Lampertheim, Rimbach und Wald-Michelbach.

Ansprechpartnerinnen für die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle: Fides Matejka, Melitta Zengraf-Betzwieser, Helga Zühl-Scheffer.

Sitz ist in der Schlossstraße 52a in Rimbach.

Sprechzeiten (nach telefonischer Voranmeldung): Dienstag, 14 bis 17 Uhr; Mittwoch und Freitag, 9 bis 12 Uhr. Weitere Termine nach Vereinbarung.

Zu erreichen ist die Beratungsstelle über die Rufnummer 06253/98980 oder per E-Mail an  rimbach@dw-b.de.

Spenden tragen dazu bei, das Angebot auch in Zukunft für Menschen in Krisen aufrechtzuerhalten. Spendenkonto: Diakonisches Werk Bergstraße, IBAN DE75 5095 0068 0001 0900 42, BIC HELADEF1BEN, Sparkasse Bensheim, Stichwort: 532.320 PSKB.

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