Nacht-Sperrung per Schranke
Mannheim, 21.03.2020
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21.03.2020 05:00
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Leserbrief
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Mannheim. Der Vorschlag der Verwaltung, über den die Mannheimer Stadträte am Mittwoch im Ausschuss für Umwelt und Technik abstimmen sollten, lag eigentlich klar auf dem Tisch. Es ging um einen sechsmonatigen Verkehrsversuch zur nächtlichen Sperrung der Fressgasse. Dazu soll eine Schranke zwischen den Quadraten P 1 und Q 1 angebracht werden, die von 22 bis 6 Uhr geschlossen wird. Ziel: weniger Lärm, besonders durch Auto-Protzer, sowie eine bessere Luftqualität.

Von Timo Schmidhuber

Trotzdem gab es Diskussionsbedarf. Am Ende einigte man sich ohne Gegenstimme darauf, erst die Schranke anzuschaffen - und sich dann erneut über die Rahmenbedingungen des Versuchs zu unterhalten. Baudezernent und Sitzungsleiter Lothar Quast (SPD) hatte diesen Vorschlag zu Beginn der Debatte selbst gemacht und war damit sozusagen ein wenig hinter die Beschlussvorlage seines Dezernats zurückgerudert. Man könne jetzt die Schranke bestellen und dann bei der nächsten geplanten Sitzung des Runden Tischs Mobilität - ihm gehören Verwaltung und Fraktionen an – im Mai über die Modalitäten sprechen. Und dabei auch prüfen, inwieweit man die Kunststraße einbinde. Genau das - eine probeweise nächtliche Sperrung sowohl von Fressgasse als auch von Kunststraße – hatten Grüne und SPD in der Vergangenheit in Anträgen gefordert. Die Beschlussvorlage der Verwaltung zur Sitzung am Mittwoch war quasi eine abgespeckte Reaktion darauf.

Den Standort der Schranke zwischen P 1 und Q 1 hatte die Verwaltung deshalb vorgeschlagen, weil von dort der Verkehr zwischen Q 1 und Q 2 Richtung Ring fahren könne. Für den Aufbau von Schranke, Verkehrszeichen und Warnleuchten sowie für weitere Vorbereitungen sind laut der Vorlage sechs Monate Vorlaufzeit nötig. Das Ergebnis solle anschließend ausgewertet werden. Gesamtkosten: rund 60 000 Euro.

Die Debatte im Ausschuss drehte sich vor allem um die Frage, ob das Projekt jetzt schon der Einstieg in die autoarme oder gar autofreie Innenstadt sei - oder einfach ein Mittel für mehr Lärmschutz für die Bewohner. Gabriele Baier von den Grünen vermisste einen „Stufenplan“ hin zu einer autofreien Innenstadt, ihre Fraktionskollegin Melis Sekmen pochte darauf, Fressgasse und Kunststraße versuchsweise ganztägig zu sperren und die Ergebnisse auszuwerten.

Isabel Cademartori (SPD) konnte dagegen mit dem Vorschlag ihres Parteikollegen Quast mitgehen, über eine nächtliche Sperrung auch der Kunststraße später zu sprechen. Auch für Thomas Trüper (LI.PAR.Tie) war Quasts Anregung „als Zwischenschritt okay“. Für die CDU-Fraktion lobte Thomas Hornung den Verkehrsversuch, „weil er Anwohner schützt, ohne den Gewerbetreibenden zu schaden“.

Und weil er Aufschlüsse geben könne „bei unseren Überlegungen, wie wir die Innenstadt attraktiver machen und wie man dem Handel hilft, der es nach der Corona-Krise bitter nötig haben wird“. Auf Letzteres bezog sich auch Roland Weiß (Freie Wähler/Mannheimer Liste). „Die Innenstadt wird eine andere sein.“

Das glaubt auch Rüdiger Ernst (AfD), der im Verkehrsversuch ausdrücklich keinen Zusammenhang zur autofreien Innenstadt sieht. Volker Beisel (FDP) bewertet ihn ebenfalls als Lärmschutzmaßnahme – auch wenn klar sein müsse, dass eine Innenstadt nie „den Geräuschpegel einer Kurzone“ haben werde. Die Sitzung im Ratssaal war geprägt von den Vorkehrungen gegen das Coronavirus.

Jeder Stadtrat saß allein an einem Zweierpult, mit viel Abstand zu den anderen. Auf den Plätzen für Verwaltungsmitglieder und Presse war jeder zweite Stuhl gesperrt, so dass auch hier genügend Abstand blieb. Außerdem mussten sich alle Teilnehmer mit Namen in eine Liste eintragen.

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