Neun „aktive Fälle“ in Weinheim
Weinheim/Rhein-Neckar, 17.07.2020
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17.07.2020 05:10
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Weinheim/Rhein-Neckar. Die neuen Corona-Infektionen in Weinheim haben Oberbürgermeister Manuel Just wenig überrascht. „Es war nur eine Frage der Zeit“, sagt der Stadtchef im Gespräch mit unserer Zeitung. Tatsächlich breitet sich das Coronavirus im Rhein-Neckar-Kreis langsam wieder aus. Das geht aus dem aktuellen Faktenblatt hervor, das der Rhein-Neckar-Kreis an Werktagen verschickt. Stand Donnerstag, 16. Juli, sind 31 Personen im Rhein-Neckar-Kreis infiziert, sie befinden sich in Quarantäne. Der Kreis spricht dabei von „aktiven Fällen“. Im Vergleich zum Vortag kamen vier Neuinfektionen hinzu. Die Gesamtzahl der positiv getesteten Fälle seit Beginn der Corona-Pandemie beläuft sich auf 1015. Genesen sind inzwischen 944, 40 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Im Stadtgebiet Heidelberg gibt es aktuell vier aktive Fälle (plus 3), die Gesamtzahl liegt bei 330. 319 Menschen sind inzwischen genesen, sieben starben.

Ein Blick auf die Kommunen im Kreis zeigt: Weinheim ist derzeit einsamer „Spitzenreiter“. Neun „aktive Fälle“ gibt es, insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie 155 Weinheimerinnen und Weinheimer mit dem Virus infiziert. Vier „aktive Fälle“ gibt es in Schriesheim (gesamt: 24), einen in Heddesheim (36), zwei in Hemsbach (21), einen in Laudenbach (13). In Birkenau und Gorxheimertal gibt es aktuell keinen aktiven Coronafall.

Entwarnung für die Kita Kuhweid

In Weinheim sind – wie berichtet – die Albert-Schweitzer-Grundschule und die Kita Pusteblume von Corona betroffen, nachdem eine Lehrerin und ein Kita-Kind positiv auf das Virus getestet worden waren. Für die städtische Kita Kuhweid konnte die Stadtverwaltung am Donnerstag Entwarnung geben. Zwar war am Montag ein Kind positiv getestet worden, die entsprechende Gruppe muss allerdings nicht in Quarantäne. Das habe das Gesundheitsamt entschieden, sagte Weinheims Pressesprecher Roland Kern. Der Grund dafür sei, dass man davon ausgeht, dass Kinder bis zu zwei Tage vor Auftreten von Symptomen ansteckend sind. Das betroffene Kind habe am Montag Symptome gezeigt, das heißt, es wäre ab Samstag davor ansteckend gewesen. Vergangenen Freitag war es zuletzt in der Kita.

In der Pusteblume gehe der Betrieb „routiniert und gut weiter“, wie Dr. Stefan Royar von der evangelischen Kirchengemeinde Weinheim betont. Die Kita hat 83 Plätze, von denen normalerweise 76 Plätze belegt sind. Derzeit würden jedoch nur 30 Plätze aktiv von Eltern in Anspruch genommen. „Da viele Eltern aus beruflichen Gründen oder wegen der Urlaubsplanung die Möglichkeit einer Quarantäne-Situation vermeiden wollen, werden viele Kinder im Moment zu Hause betreut“, so Royar. Aufgrund der aktuellen Situation kämen viele Rückfragen von anderen Einrichtungen wie Schulen und Kitas, die vor allem Geschwisterkinder betreffen, aber auch von Zulieferern.

Das Gesundheitsamt entscheidet wer in Quarantäne muss

Die Mechanismen in den betroffenen Einrichtungen hätten gut funktioniert, sagte Roland Kern. Ob Klassen oder Kita-Gruppen in Quarantäne müssen, entscheide das Gesundheitsamt. Darüber hinaus gelten weiterhin die Corona-Schutzmaßnahmen, so Kern.

Die aktuelle Entwicklung sorgt natürlich bei den Eltern in Weinheim für Verunsicherung, wie Miriam Godau, die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats (GEB) der Kindertagesstätten, Krippen, Horte und Grundschulbetreuung, bestätigt. Ihr Eindruck: „Die meisten Eltern vertrauen darauf, dass das Gesundheitsamt gewissenhaft Kontaktpersonen ermittelt und die notwendigen Maßnahmen ergreift.“

Wichtig sei aber auch, „dass die Stadt Weinheim transparent und zeitnah informiert, welche Einrichtungen von bestätigten Coronafällen betroffen sind“. Nur dann könnten Eltern individuell entscheiden, welche Konsequenzen sie für ihr Kind aus diesen Informationen ziehen. Die Corona-Gerüchte, die Anfang der Woche die Runde machten, hätten die Sorgen vieler Eltern dagegen eher verstärkt.

Bei Kindern mit Erkältungssymptomen würde sich Godau ein einheitlicheres Vorgehen der Einrichtungen wünschen. Klar sei natürlich, dass kranke Kinder nicht in die Schule oder Kita dürfen. Nicht immer klar sei dagegen, wann man einen negativen Coronatest oder ein ärztliches Attest vorlegen muss, damit ein Kind wieder die Einrichtung besuchen darf, und wann die Bestätigung der Eltern ausreicht. vmr/pro

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