Noch kein Lebenszeichen der Freunde
Birkenau, 19.10.2020
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19.10.2020 18:47
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Birkenau. Von Weitem sieht es so aus, als würde der Polizeihubschrauber mit seinen Kufen beinahe die Wipfel der Bäume berühren. Dass er so extrem tief fliegt, hat seinen Grund: Die Insassen suchen noch immer den 18-jährigen Nico Sch. und den 19-jährigen Henri H. Seit Sonntagnachmittag gelten die beiden Freunde als vermisst. Die Suche nach den jungen Birkenauern wird angesichts der kalten Temperaturen mehr und mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

Besonders an den Hubschrauber klammern sich die Hoffnungen von Angehörigen, Freunden und Bekannten der Vermissten. Systematisch überfliegt er das Areal im Bereich des Schnorrenbacher Skilifts, langsam, kommt zuweilen in der Luft zum Stehen. Der immer noch dicht belaubte Wald macht der Crew im Cockpit trotz des Einsatzes von Wärmebildkameras zu schaffen. Die Sicht ist eingeschränkt.

Indessen geht auch die Suche am Boden weiter. Um die Mittagszeit richten die Beamten des Polizeipräsidiums Südhessen – gut ein Dutzend Polizistinnen und Polizisten – eine provisorische Einsatzleitstelle unmittelbar vor dem Löhrbacher Sportplatz ein. Der Leiter verteilt Material, das bei der Suche helfen soll. Darunter befinden sich, das ist auch aus der Distanz zu erkennen, große Porträtaufnahmen der Gesuchten. Parallel dazu gehen die Beamten den Hinweisen aus der Bevölkerung nach – ein konkreter Anhaltspunkt ergibt sich daraus bisher aber nicht.

Den Ermittlungen der Polizei zufolge waren die jungen Männer gemeinsam mit zwei weiteren Freunden bereits am vergangenen Freitag zum Zelten in das Waldgebiet bei Schnorrenbach gegangen. Zwei der Freunde beendeten am Samstag das Zelten und kehrten nach Hause zurück. Die beiden Vermissten blieben weiter im Wald – was danach passiert ist, weiß zurzeit niemand. Nach Polizeiangaben sollen sie sich in einem „willenlosen“ Zustand befunden haben.

Schon am Sonntagnachmittag war eine riesige Suchaktion in Gang gesetzt worden. Nach Angaben des neuen Gemeindebrandinspektors von Birkenau, Jan Hofmann, waren 131 Kräfte von Polizei, Feuerwehren und Rettungsdiensten im Einsatz. Auch die drei Rettungshundestaffeln Bergstraße-Odenwald, des THW in Viernheim und des DRK Bensheim wurden angefordert. Eine sogenannte „Mantrailerspur“ führte in Richtung der Kerngemeinde, sie brach aber im Bereich des Grambachteichs ab.

Großaufgebot der Feuerwehren

Auch die Feuerwehren beteiligten sich am Sonntag mit einem Großaufgebot an der Suche. Außer den Kameraden aus Nieder-Liebersbach waren alle Wehren der Großgemeinde im Einsatz. Sie wurden von den Freiwilligen Feuerwehren aus Mörlenbach, Vöckelsbach, Ober-Mumbach und Weiher unterstützt. Vor Ort waren auch Helfer des DRK Birkenau. Bürgermeister Helmut Morr machte sich am Einsatzort ein Bild von der Lage.

Aufgrund von Zeugenaussagen, so teilte die Pressestelle des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt mit, waren die beiden jungen Männer möglicherweise am Sonntag gegen 15 Uhr auf dem Wanderweg B 9 kurz vor Birkenau unterwegs. Einer von ihnen soll keine Schuhe getragen haben. Als weiterer Anlaufpunkt konnte die Fischerhütte und das sogenannte Franzosenkreuz im Wald bei Schnorrenbach ermittelt werden. Eine Spur zu den beiden Vermissten wurde am Sonntag trotz allem allerdings nicht gefunden.

Die Beschreibungen

Die Vermissten werden wie folgt beschrieben: Henri ist 198 cm groß, schmal, hat braune Augen und dunkelblonde, gelockte lange Haare. Wahrscheinlich trägt er eine schwarze Daunenjacke mit der Aufschrift „Northface“ und eine schwarz-weiß karierte Kappe der Marke „Carhartt“. Nico ist 180 cm groß, hat kurze braune Haare und trägt einen Bart. Er soll mit einem dunkelblauen Sweatshirt und einer schwarzen Jogginghose bekleidet sein.

Die Polizei bittet Zeugen, die die beiden vermissten Personen gesehen haben oder Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort geben können, sich unter der Rufnummer 06252/706-0 bei der Polizeistation Heppenheim oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

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