„Odenwald in akuter Gefahr“
Birkenau, 02.08.2017
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02.08.2017 05:00
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Birkenau. Nachdem im Sommer 2013 die Pläne zu einem Windpark „Im Stenges“ vom Tisch waren, treffen sich einige Mitglieder der „Initiative gegen Windkraft Im Stenges“ weiterhin in regelmäßigen Abständen, um sich über die Situation der Windkraftplanungen im Odenwald auszutauschen. „Beim vergangenen Treffen war man sich einig, dass sich der Odenwald in akuter Gefahr befindet“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Initiative. Der „Sachliche Teilplan Erneuerbare Energien“ sieht in Südhessen insgesamt 173 Windvorranggebiete vor, und im Odenwald sollen demnach fast auf jedem Höhenrücken Windräder stehen. „Wie der Hunsrück soll der strukturschwache Odenwald zur Energielandschaft werden. Für die Grünen ist dies ein notwendiger Landschaftsumbau, für viele ist es die Zerstörung ihrer Heimat“, so die Einschätzung der Mitglieder der Initiative.

Sie kritisiert in ihrer Pressemitteilung, dass von der Bundesregierung nach und nach – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – die Gesetze angepasst würden, damit dies möglichst rasch realisiert werden kann. So sei zum Beispiel am 22. Juni in einer Nachtsitzung des Bundestages das Bundesnaturschutzgesetz geändert worden. Die Folge: Beim Betrieb von Windrädern sei es künftig gesetzlich erlaubt, einzelne Tiere (zum Beispiel Milane, Schwarz- und Weißstörche, Eulen und Fledermäuse) zu töten, „wenn das Tötungs- und Verletzungsrisiko für Exemplare der betroffenen Arten nicht signifikant erhöht und diese Beeinträchtigung unvermeidbar ist“.

Schon jetzt werde aber bei den Genehmigungen im Odenwald gegen geltendes Recht verstoßen. So sei der Windpark „Greiner Eck“, der im Regionalplan ursprünglich als Ausschlussfläche für Windkraft vorgesehen war und mitten in einem europäischen FFH-Gebiet ersten Ranges liegt, ohne die zwingend erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung genehmigt. Hiergegen wurde inzwischen EU-Beschwerde eingelegt. Auch die Genehmigung des Windparks „Stillfüssel“ hat nach Auffassung der „Initiative gegen Windkraft Im Stenges“ gegen geltendes Naturschutzrecht verstoßen, weil dort zahlreiche streng geschützte Vogelarten nachgewiesen wurden. Und der Windpark „Kahlberg“ sei genehmigt worden, obwohl bei einer Verschmutzung der Quelle (die seit dem Jahr 795 existiert) die Trinkwasserversorgung der beiden Ortsteile Hiltersklingen und Hüttenthal gefährdet sein könnte. Wie berichtet, hat das Darmstädter Verwaltungsgericht aufgrund einer Klage der Gemeinde Mossautal den Sofortvollzug von zwei der geplanten fünf Windräder aufgehoben und die Arbeiten gestoppt. Häufig werde Windkraftgegnern der Vorwurf gemacht, gegen Windkraft zu sein, ohne Alternativen bieten zu können. „Es ist nicht Aufgabe der Bevölkerung, Alternativen zu entwickeln, dafür gibt es Fachleute“, so die Meinung der „Initiative gegen Windkraft Im Stenges“. Die Windkraftgegner würden sich aber gegen das „größte Naturzerstörungswerk seit 200 Jahren“ (Staatsrechtler Prof. Dr. Michael Elicker) wehren.

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