Ohne Wahlsieger regieren?
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02.10.2021 05:00
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Leserbrief
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Thema Bundestagswahl

Die Bundesbürger haben gewählt, und es gibt mit der SPD einen Sieger, mit der CDU einen Platz 2, die Grünen belegen Platz 3 und die FDP rangiert auf Platz 4. Nun lernen die Wähler, dass es möglich ist, ohne den Sieger eine Regierung bilden zu können, ein Jamaika-Bündnis Schwarz, Grün, Gelb wäre umsetzbar. Diejenigen, die sich für die SPD entschieden haben, müssten tatenlos zusehen, wie der eigentliche Wahlsieger aus der Regierung verdrängt wird. Die Partei Die Linke bekommt 4,9 Prozent, verfehlt damit die notwendigen Stimmen, dennoch kommen sie aber wegen drei (!) Direktmandaten in den Bundestag. Verständnis könnte man vielleicht noch haben, wenn diese drei Einzelpersonen in den Bundestag einziehen dürften. Mit der Tatsache, dass sie damit ihre ganze Partei mitziehen können, stellt sich mir die nächste Frage, welche außergewöhnlichen Regeln unser Wahlsystem bereithält. Und dann gibt es ja noch eine Partei CSU, die nur von Bürgern eines Bundeslandes gewählt werden kann und dennoch die Regierungsarbeit seit Jahrzehnten entscheidend mit beeinflusst. Obwohl die CSU umgerechnet bundesweit gerade einmal 6 Prozent der Wählerstimmen vereint, konnte sie innerhalb der Union einen Kanzlerkandidaten stellen, der theoretisch hätte gewählt werden können. Bereits vor einem Jahr bei der Landtagswahl in Thüringen konnten die Wähler ein einzigartiges Kuriosum miterleben: dass ein FDP-Politiker, dessen Partei gerade einmal wegen fünf Stimmen überhaupt in den Landtag gekommen war und an letzter Stelle der Rangliste stand, zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Nur sein freiwilliger Rücktritt hat diese Lächerlichkeit eines angeblich demokratischen Wahlsystems noch korrigiert. Ich würde den Fußball-Bundesligavereinen Leipzig, Dortmund, Leverkusen oder Wolfsburg empfehlen, sich dieses System zu eigen zu machen. Wenn sie als Tabellenzweiter, -dritter und -vierter nach der Saison einfach koalieren und ihre gewonnenen Punkte zusammenrechnen, dann könnten sie endlich mal den FC Bayern München als Meister ablösen. Und schon hätten wir auch wieder Spannung in der Fußball-Bundesliga.

Udo Laßlop, Birkenau

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