Opfer schwebt in Lebensgefahr
Weinheim, 28.05.2020
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28.05.2020 18:19
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Weinheim. Am Mittwochabend, kurz nach 20 Uhr, kam es in Weinheim zu einem Streit zwischen zwei Männern, in dessen Folge einer der beiden auf dem Gelände der HEM-Tankstelle an der B 3 durch mehrere Messerstiche schwere Verletzungen erlitt. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, musste das 57-jährige Opfer notoperiert werden und schwebt in akuter Lebensgefahr.

Der Tatverdächtige, ein 40-jähriger Mann türkischer Nationalität, wurde noch am Tatort festgenommen. „Die Tatwaffe, ein Klappmesser, wurde sichergestellt. Bei der Durchsuchung wurde bei dem 40-Jährigen ein weiteres Messer in dessen Hosentasche gefunden“, teilten die Behörden mit. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe der Ermittlungsrichter am Donnerstagnachmittag Haftbefehl erlassen „wegen des dringenden Verdachts des versuchten Totschlags“. Anschließend wurde der Tatverdächtige in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Streit unter Nachbarn

Beide Männer sind nach derzeitigen Erkenntnissen Nachbarn. Aus bislang unbekannten Gründen seien sie vor ihrem Wohnhaus in Streit geraten, der sich dann über die Bergstraße (B 3) auf das Gelände der Tankstelle verlagerte, wo es zur Messerattacke kam. „Die Hintergründe der Tat sind unbekannt und Gegenstand weiterer Ermittlungen“, so ein Polizeisprecher.

Die Tat sorgte bereits am Mittwochabend in den Sozialen Medien für erhebliches Aufsehen. Auf der B 3 herrschte zur Tatzeit reger Verkehr; Passanten wurden dadurch Zeugen des Polizeieinsatzes und filmten mit ihren Handys die Szene. Die Videos kursierten bereits wenig später im Internet und verbreiteten sich vor allem über den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Dabei wurde auch Kritik am Vorgehen eines Beamten laut, der dem Verdächtigen bei der Festnahme einen Fußtritt in den Rücken versetzte. Als am Donnerstag nähere Infos zur Tat bekannt wurden, überwogen in den Sozialen Medien aber Lob und Verständnis für den Ablauf der Festnahme bei Weitem.

Was ist auf den Videos zu sehen?

Auch unserer Redaktion liegen zwei Videos des Einsatzes vor. Darauf sind unter anderem drei Polizisten zu sehen, die ihre Pistolen auf eine Person richten, die mit einem Bein am Boden kniet und beide Hände hinter dem Kopf verschränkt. Einer der Beamten kickt mit dem Fuß etwas beiseite, das vor dem Mann liegt, und fordert ihn auf, sich hinzulegen. Ein vierter Beamter umkreist den Mann, bis er in einigen Metern Abstand hinter ihm steht. Kurz darauf läuft er auf den Mann zu, dann folgt ein Tritt in den Rücken. 

Der Verdächtige fällt nach vorn, zwei Polizisten fixieren ihn sofort. Auf Anfrage unserer Redaktion nahm Norbert Schätzle, Sprecher des Polizeipräsidiums Mannheim, zu der Szene Stellung. „Der Verdächtige kniet zunächst mit nur einem Bein auf dem Boden, seine Hände sind frei. Daher war zu diesem Zeitpunkt die Festnahme noch nicht sicher erfolgt.“ Deshalb müsse eine Festnahme „unter erhöhter Eigensicherung“ erfolgen. Mit dem Tritt von hinten habe der Beamte „den Überraschungseffekt genutzt, um den Verdächtigen zu Boden zu bringen, wo er dann von den Kollegen fixiert werden konnte“.

Auch aus Sicht der Stationsleiterin der Tankstelle, die ihren Namen lieber nicht in den Medien lesen möchte, „haben die Beamten alles richtig gemacht“. Das würde auch das Video aus der Überwachungskamera zeigen, das nun von der Polizei ausgewertet wird. Die B 3 war am Mittwochabend wegen des Einsatzes für längere Zeit gesperrt. Kunden der Tankstelle mussten als mögliche Zeugen ebenfalls warten und wurden von den Mitarbeitern mit Getränken versorgt. „Wir waren alle total entsetzt“, so die Stationsleiterin. pro/ppf

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