Palliativ-Dienst begleitet Schwerstkranke
Weinheim, 23.06.2022
Diesen Artikel
23.06.2022 05:15
Drucken Vorlesen Senden
Leserbrief
187

Weinheim. Um Patienten mit weit fortgeschrittenen, nicht mehr heilbaren Erkrankungen kümmert sich der Palliativ-Dienst der GRN-Klinik Weinheim. Seit diesem Frühjahr bietet ein multiprofessionelles Team aus Fachärzten, Fachpflegekräften, Sozialarbeitern, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen und Seelsorgern stationäre Palliativ-Versorgung an. „Wir sind die Schnittstelle zwischen den Patienten, den Angehörigen und den Pflegenden“, erläutert Esther Nichols, die die Abläufe des Palliativ-Diensts koordiniert und organisiert, in einer Pressemitteilung der GRN.

Zum Kern-Team gehören außerdem die Krankenschwester Regina Sina sowie Gesundheits- und Krankenpflegerin Michelle Bauch, die beide ebenfalls die spezielle Weiterbildung zur Fachkraft „Palliative Care“ absolviert haben, und ein Ärzteteam um den Palliativ-Mediziner Dr. Ralf Gieser.

Vom Alltag abschirmen

Eine eigene Palliativ-Station gibt es in der GRN-Klinik nicht. Die Patienten sollen in den vertrauten Räumlichkeiten bleiben. Dafür ist der Palliativ-Dienst „mobil“ in der Klinik unterwegs. „Dort schaffen wir für die Patienten eine ruhige, erholsame Atmosphäre und versuchen, sie vom hektischen Alltag abzuschirmen.“ Zudem entlasten sie die Kollegen auf den Stationen bei der Pflege der Schwerstkranken.

„Wir haben die Möglichkeit, uns viel Zeit für die Menschen zu nehmen, Symptome wie Schmerzen, Angst oder Atemnot zu erfassen, diese wirkungsvoll zu lindern und bei Bedarf medikamentös neu einzustellen. Dabei liegt unser Fokus ganz auf den Bedürfnissen und Wünschen der jeweiligen Patienten und darauf, wie wir ihnen möglichst viel Lebensqualität ermöglichen können“, berichtet Nichols.

Auch wenn Angehörige Fragen haben oder einfach ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Ängste brauchen, helfen die drei Fachkräfte weiter. „Wir nehmen uns Zeit, um der Familie die Behandlung zu erklären, hören ihnen zu und beraten sie“, sagt Regina Sina. „Das ist in diesem Umfang für unsere Kollegen im Klinikalltag nicht immer möglich.“

Viel Zeit und Zuwendung

Der Zeitfaktor ist ein Grund, warum sie gern in diesem Bereich arbeitet. „Mir ist bewusst, dass es ein Privileg ist, einem Patienten als Pflegekraft so viel Zeit und Zuwendung schenken zu können“, betont Sina, die vorher auf der Intensivstation tätig war. „Das Besondere ist auch, dass wir den Menschen als Ganzes betrachten“, findet Michelle Bauch: „Wir können individuell auf ihn eingehen, schauen, was er braucht.“

In wöchentlichen Treffen kommen alle Professionen zusammen und besprechen die individuelle Komplexbehandlung. Aber auch der Bedarf an Begleitung durch die Seelsorgerinnen um Monika Paschke-Koller wird geklärt – sowohl für Patienten und Angehörige als auch Mitarbeiter.

„Unser primäres Ziel ist, die Patienten nach Hause oder in ein anderes Umfeld zu entlassen, da die wenigsten Menschen ihre letzten Tage oder Wochen im Krankenhaus verbringen möchten“, sagt Esther Nichols. „Voraussetzung dafür ist, dass die Pflege und die palliative Versorgung auch dort gesichert sind. Eine wesentliche Rolle spielt die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit mit unserem engagierten Team des Entlassmanagements. Außerdem arbeitet das Team der GRN-Klinik Weinheim eng mit den örtlichen, ambulanten Palliativ- und Hospiz-Diensten sowie stationären Hospizen zusammen. Initiiert hat den Palliativ-Dienst Dr. Florian von Pein, Chefarzt der Altersmedizin und Klinik für Geriatrische Rehabilitation: „Zwar gibt es eine gute ambulante palliativmedizinische Betreuung in und um Weinheim“, sagt er. „Doch es sind immer wieder Hausärzte und Pflegedienste an mich herangetreten, die eine stationäre Versorgung in Weinheim vermisst haben. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir mit Unterstützung der Pflegedienstleitung, der Chefärzte und der Klinikleitung diese Lücke schließen und nun auch für Menschen in der letzten Lebensphase eine ausgezeichnete Behandlung anbieten können.“

SOCIAL BOOKMARKS
23.06.2022 05:15
Drucken Vorlesen Senden