Pilgerhaus Weinheim feiert 170. Geburtstag
Weinheim, 04.07.2022
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04.07.2022 17:22
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Weinheim. Ein unsicheres Schlurfen auf die Bühne. Ein paar schüchterne Blicke nach rechts und links. Das erste Mal vor so vielen Zuschauern. Ist das Mikro an? Zwei Mal klopfen, Test, Test. Dann, ganz langsam, breitet sich ein fröhliches Grinsen im Gesicht des Sängers aus. Das Fair-All-Festival ist endlich Wirklichkeit geworden – und damit mehrere Kindheitsträume.

Zwei Jahre mussten Künstler und Besucher darauf warten. Hunderte Stunden proben, umdisponieren und hoffen, dass es irgendwann trotz der Coronapandemie klappt. Denn eigentlich war das inklusive Musik- und Kulturfestival in den Weinheimer Schlosshöfen von der Stadt und dem Pilgerhaus zu dessen 170. Geburtstag im Jahr 2020 geplant worden. Der Vorfreude auf den großen Tag tat das aber offenbar keinen Abbruch.

Strahlende Gesichter

Von 13 bis 23 Uhr am Abend wechselten sich professionelle Bands mit kleineren, regionalen Formationen und inklusiven Combos ab. Die Idee: Von allen, für alle – das Fair-All-Festival sollte allen Menschen eine Bühne bieten. Ein Fest für Menschen mit und ohne Handicap hatten die Veranstalter versprochen – und sie hielten ihr Versprechen. Besonders für die Menschen, die sonst selten eine musikalische Bühne erhalten, war das Fest ein Segen. Sobald die ersten Töne von der Bühne segelten, kamen viele Künstler aus dem Dauergrinsen kaum noch raus und strahlten mit der Sonne um die Wette. Eine kurze Verschnaufpause brauchte höchstens, wem es bei hochsommerlichen Temperaturen an der Bergstraße irgendwann zu heiß wurde.

Der Haupt-Act des Abends war zwar erst für 21 Uhr mit „SWEAT“ und Marion La Marche angekündigt – doch darauf gaben die anderen Künstler nicht viel. Sie machten ihre halbe Stunde einfach zu ihrem eigenen Haupt-Act des Tages. Etwa der neuen, inklusiven Pilgerhaus-Combo war die pure Freude am Spielen und Singen förmlich anzusehen. Ein Schub in Sachen Selbstvertrauen nicht nur für die Künstler selbst.

„Einfach toll zu sehen, dass sie sich das trauen und eine Bühne erhalten – auch wenn’s musikalisch nicht immer perfekt ist. Das spornt auch andere an, aus sich rauszugehen“, fand eine Mutter, die mit ihren beiden Schützlingen mehrere Stunden beim Festival blieb. „Es gibt ja genug Möglichkeiten, sich mal in den Schatten zu setzen. Oder mal ein bisschen Sport zu machen, statt nur Musik zu hören“, erklärte sie.

Neben der Musik boten verschiedene Organisationen auch andere Familien-Angebote an. Die TSG Hoffenheim machte im hinteren Schlosshof mit dem „Hoffe-Express“ Station, der Birkenauer Verein „Wir DABEi!“ bot Mitmachparcours und ein Figurentheater an, dazu gab es Kinderschminken.

Was zur Idee der Veranstaltung passte: Der Eintritt in die Schlosshöfe war den ganzen Tag über kostenlos. Neben der hauseigenen Pilgerhauscombo waren aber auch alte Show-Hasen mit von der Partie.

Keltische Musik mit Beatboxen

Die inklusive Rockband „City in the Galaxy“ gibt es zum Beispiel schon seit 2012, die kamen extra aus Reutlingen und ließen am Abend ihre Gitarren glühen. Schon früher spielte „Die Firma der Musikanten“. Die Eröffnung übernahmen dagegen ganz junge Künstler: die Schüler der Friedrichschule. Im Anschluss durften die Musiker des Diakonie-Projekts „ZOAR“ zeigen, was sie können. Mit dabei auch keltische Musik im Mix mit Beatboxen. Im Nachmittagsprogramm brachte die Weinheimer Nachwuchsband „Paraberries“ den Schlosshof mit Blues zum Swingen, ehe Mitveranstalter Markus Hermanns dem Festival mit „SWEAT“ einen würdigen Abschluss verlieh – und dem Tag einen passenden Titel. ksm

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04.07.2022 17:22
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