Positiver Test: User berichten
Region, 14.11.2020
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14.11.2020 05:10
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Leserbrief
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Region. Das Themenfeld rund um die Corona-Pandemie wird besonders in den Sozialen Medien heiß diskutiert und erhitzt schnell die Gemüter der User. Gerade in den letzten Wochen sind die Emotionen mit dem „Lockdown light“ erneut hochgekocht. Und da die Diskussionen rund um den Test, die Symptome und den Krankheitsverlauf immer wieder präsent waren, bat die Online-Redaktion der WN/OZ betroffene User über den Verlauf ihrer COVID-19-Erkrankung zu berichten. Gemeldet haben sich in zwei Wochen insgesamt sieben Leserinnen und Leser, die bereit waren über den Verlauf ihrer Erkrankung und den damit verbundenen Erfahrungen zu berichten.

Dazu zählten auch die persönlichen Erlebnisse mit Ärzten und dem Gesundheitsamt. Auffallend war für die Redaktion, dass alle sieben Betroffenen dem jüngeren Publikum zuzuordnen sind. Was allerdings auch mit den beiden Plattformen Facebook und Instagram zusammenhängen könnte.

Einige Zuschriften erfolgten per E-Mail oder über die Nachrichtenfunktion der sozialen Medien. Dazu wurden auch einige Telefonate und Video-Calls geführt. So unterschiedlich die Erfahrungsberichte sind, so baten doch alle Interview-Teilnehmer um Anonymität. Das Alter und der Wohnort sind allerdings korrekt. Die richtigen Namen liegen der Redaktion vor. 

Die Berichte und Schilderungen wurden nachfolgend von der Redaktion zusammengefasst:


Thomas H. aus Weinheim, 30 Jahre

„Ich war im März mit zwei Freunden in Ischgl. Wir sind an einem Samstag angereist und bereits an dem folgenden Dienstag waren alle Läden geschlossen. An dem Montag ging es einem meiner Freunde bereits schlecht. Wir dachten uns schon, dass da etwas nicht stimmt, und sind gleich am Mittwochmorgen abgereist.

Ich war mir sehr unsicher und habe mich gleich donnerstags testen lassen, was ein ziemliches Hin und Her war, da Ischgl noch nicht zu den Risikogebieten gehörte. Das Gesundheitsamt war damals ziemlich überfordert und man bekam auch kaum Informationen. Man sagte uns nur, wir sollten daheimbleiben, wenn wir uns nicht gut fühlen. Meine beiden Kumpels wurden positiv getestet und hatten auch Symptome. Ich wurde getestet, weil wir gemeinsam im Urlaub waren.

Allerdings ging es mir noch gut und mein Test war negativ. Ich ging dann trotzdem in Quarantäne. Was auch besser war, denn ab Sonntag begannen bei mir die Symptome. Ich hatte Gliederschmerzen, Lungenschmerzen und sogar Durchfall. Den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns hatte ich aber nur ein bis zwei Tage. Dann ging das wieder. Aber es war auf jeden Fall keine normale Grippe, denn es fühlte sich anders als sonst an. Meine beiden Kumpels wurden besser betreut als ich, da ihre Tests positiv waren und sie auch vor mir die Symptome hatten. Ich habe mich jedenfalls nach einer Woche besser gefühlt und habe nach zwei Wochen wieder das Haus verlassen.

Ich habe im August einen Antikörpertest machen lassen und da stellte sich dann heraus, dass ich im März Corona hatte. Ich vermute, dass ich den Test zu früh gemacht habe. Ich hatte ja noch keine Symptome und daher war wohl das Ergebnis negativ. Das vermutete auch das Gesundheitsamt.

Rückblickend: Ich bekam vom Gesundheitsamt einen Brief, dass ich unter Quarantäne gestellt bin, und musste eine Liste ausfüllen, wie es mir geht. Meine Kumpels wurden täglich angerufen. Hätten wir damals keine Eigenverantwortung gezeigt, wären wir wohl noch Tage unterwegs gewesen und hätten andere Leute angesteckt. Der Test war in der Uniklinik in Heidelberg. Ich benötigte keine ärztliche Betreuung. Daher hatte ich noch relativ Glück mit dem Verlauf.

Den Test im August habe ich machen lassen, weil es Tage gab, an denen ich mich einfach schlapp fühlte. Mir war öfter mal schwindelig und ich fühlte einen Druck auf der Lunge, weshalb ich mir auch die Lunge röntgen ließ. Aber hier wurde nichts festgestellt. Heute ist wieder alles in Ordnung.“

Felix R. aus Weinheim, 24 Jahre

„Ich habe mich am 14. März auf einem Spieleabend mit drei weiteren Freunden angesteckt. Ich hatte dann am 21. März keinen Geschmacks- und Geruchssinn mehr. Eine Freundin wurde am Freitag, 20. März, auf Corona getestet. Sie war an dem Samstag zuvor auch dabei. Sie arbeitet in einem Krankenhaus und hatte zuvor eine Patientin mit grippalen Symptomen versorgt.

Die Patientin wurde aber in keine „Corona-Station“ geschickt und ging somit ins normale Krankenhaus. Nachdem ich den Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns merkte, habe ich beim ärztlichen Bereitschaftsdienst angerufen und dieser meinte, dass es kein Corona sein könne, und ich solle ganz normal arbeiten gehen.

Also bin ich dann montags arbeiten gegangen. Ich musste aber eh noch meine Hausärztin anrufen und als wir telefonierten, schickte sie mich erst mal für eine Woche nach Hause und meinte, wenn der Test meiner Freundin positiv sein sollte, solle ich das Gesundheitsamt informieren. Das tat ich dann und hatte gleich am 23. März im Uniklinikum Mannheim meinen Test. Dort hieß es, man würde sich am nächsten Tag bei mir melden. Dem war aber nicht so. Einen weiteren Tag später meldete sich dann das Gesundheitsamt bei mir und sagte, dass mein Ergebnis positiv sei. Dazu wurden mir zwei Wochen Quarantäne verordnet. In diesen zwei Wochen meldete sich das Gesundheitsamt einmal bei mir und fragte, wie es mir geht. Am 9. April wurde die Quarantäne aufgehoben, nachdem wir einen weiteren Test machen mussten.

Danach sind wir für eine Plasmaspende ins Blutplasmazentrum nach Heidelberg gefahren. Uns wurde gesagt, man benötige die Antikörper. Das machten wir dann zweimal die Woche. Zu den Symptomen: Wir hatten Kopfweh, leichte Gelenkschmerzen und wie bei einer Allergie juckende Augen, Schnupfen und Husten. Mittlerweile fühlt sich meine Lunge nicht richtig funktionsfähig an. Ich bin letztes Jahr einige Male einen Halbmarathon gelaufen und heute kann ich keine zehn Kilometer wandern gehen, ohne dass ich mit der Luft zu kämpfen habe.“

Lisa N. aus Weinheim, 28 Jahre

„Ich hatte Anfang März 2020 Erkältung-symptome und Gliederschmerzen. Ein paar Tage davor hatte ich einen kleinen Sportunfall und dachte mir nichts dabei. Ich hatte bis dato auch keinen Kontakt mit einer positiv getesteten Person. Zumindest dachte ich das noch zu dem Zeitpunkt. Einen Tag später erfuhr ich, dass auf meiner Arbeitsstelle eine Kollegin positiv getestet wurde. Sie selbst hatte keine Symptome, war zuvor aber in Ischgl. Das Gesundheitsamt war damals sehr schlecht zu erreichen, da man auf den Ansturm noch nicht so vorbereitet war. Nachdem das mit meiner Kollegin bekannt wurde, ging es für mich zum Test nach Heidelberg in die Uniklinik.

Zu dem Zeitpunkt gab es keine Masken oder Ähnliches. Im Krankenhaus hielt man nur Abstand und ich wurde durch das halbe Gebäude geschickt, um mich testen zu lassen. Erst oben vor der Tür bekam ich einen Mundschutz. Wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, ist das schon der Wahnsinn. Dort, wo Leute gesund werden wollen, schicken sie die hochinfektiösen Menschen hin. Aber die wurden auch komplett überrollt und waren mit der Situation überfordert. Einen Tag später erhielt ich das Ergebnis, dass mein Test positiv ist. Meine häusliche Quarantäne dauerte vom 15. März bis zum 1. April. Vorsorglich blieb ich eine weitere Woche noch unter Eigenquarantäne, da mich doch die vielen Berichte aus den Medien verunsichert hatten. Vieles war nicht bekannt und es gab einige Menschen, die auch nach 14 Tagen noch positiv getestet wurden und somit auch ansteckend waren. Ich selbst hatte einen milden Verlauf der Krankheit und ich gehöre auch nicht zu den Risikopatienten.

Symptome: Kein Geruchssinn, kein Geschmackssinn, matt und müde, Fieber war über eine Woche bei 39 Grad. Ich fühlte mich schnell außer Atem. Das Angeschlagene und das Nicht-fit-Gefühl hatte ich noch bis circa Mai. Geschmackssinn und Geruchssinn kamen nach circa 14 Tagen wieder.

Betreuung durch das Gesundheitsamt: Alle zwei bis drei Tage kam ein Anruf von einem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, der fragte, wie es mir geht. Das Corona-Taxi war dreimal bei mir. Bei meiner Mutter war es häufiger, da sie mit dem Kreislauf Probleme hatte. Ich wurde untersucht, man hat mir Blut abgenommen, es wurde der Sauerstoff gemessen und man hat mich nach den Symptomen gefragt.

Folgeerkrankungen: Ich habe vorsorglich einen erweiterten Lungenfunktionstest gemacht. Das wurde mir von den Ärzten geraten. Dieser war ohne Befund. Ich habe keine Folgeerkrankungen und bisher auch keine Spätfolgen.“

Max W. (29 Jahre) und Ella W. (21 Jahre) aus Heppenheim

„Wir haben am 12. Oktober unseren Test gemacht, da ich mich sonntags bereits krank gefühlt hatte. Die Symptome waren grippeähnlich mit Gliederschmerzen, Fieber, Husten und dem Verlust des Geschmackssinns. Eigentlich wollte ich mir einen ganz normalen Termin beim Hausarzt geben lassen. Doch der Arzt meinte, dass ich erst einen Test machen solle. Also fuhren wir beide an die Teststation hinterm Café Central in Weinheim. Meine Frau Ella hatte bis zu diesem Zeitpunkt zwar keine Symptome, aber sie hat sich sicherheitshalber trotzdem testen lassen. Mein Ergebnis kam dann gleich am Dienstag, Ellas Ergebnis am Mittwoch und beide waren positiv.

Nachdem sie auch ihr Ergebnis hatte, begannen auch bei ihr die gleichen Symptome, wie ich sie hatte. Nur bei ihr kam ein sehr schwerer Haarausfall dazu. Man musste ihr nur mit der Hand über den Kopf fahren und man hatte ein Büschel Haare in der Hand.

Für mich persönlich war das Fieber am schlimmsten. Tagelang hatte ich eine Temperatur um die 39,8 Grad. Das hat mich echt geschlaucht. Wir wurden in den zwei Wochen von unseren Ärzten betreut und bekamen auch Medikamente gegen das Fieber. Außerdem mussten wir in den zwei Wochen ein Protokoll über den genauen Verlauf führen und das an das Gesundheitsamt schicken. Aktuell (letzte Oktoberwoche) habe ich kaum noch Symptome und bin auch aus der Quarantäne entlassen. Meine Frau muss noch eine weitere Woche in Quarantäne bleiben. Mit der Atmung habe ich so weit keine Probleme.

Aber rückblickend kann ich sagen, dass es vom Gefühl her keine normale Grippe war. Ich würde sagen, man legt da lieber noch mal zwei bis drei Schippen obendrauf, dann könnte man das ungefähr vergleichen. Das Virus hat uns beide sehr geschlaucht und das merken wir auch jetzt noch. Denn so richtig fit sind wir noch nicht und wir fühlen uns auch beide noch sehr schlapp.

Zum Ablauf der Versorgung können wir beide berichten, dass wir von unseren Ärzten richtig gut versorgt wurden. Wir haben vom Hausarzt sogar die Handynummer bekommen, dass wir im Notfall anrufen können.

Im Vergleich dazu war die Betreuung durch das Gesundheitsamt etwas lasch. Wir haben kaum Informationen bekommen. Alleine die Besorgung der Krankmeldung beziehungsweise der Quarantänebescheinigung war ein absolutes Chaos und hat auch gut eine Woche gedauert, bis alles da war. Aber unsere Arbeitgeber waren da beide sehr verständnisvoll, dass wir nicht nach drei Tagen die Bescheinigung einreichen konnten. Das hat uns etwas Stress genommen.“

Alfons S. aus Schwetzingen, 41 Jahre

„Es war Anfang März, als ich in Tirol unterwegs war. Zu diesem Zeitpunkt war es noch kein Risikogebiet und über die Symptome wusste man bei den Gesundheitsämtern noch nicht viel. Kurze Zeit später war ich wieder in Deutschland und wachte morgens mit Erkältungssymptomen auf.

Mein Kopf fühlte sich an wie Watte. Ich fühlte mich einfach platt und hatte ziemlich heftigen Schüttelfrost sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Aber ich hatte kein Fieber oder einen Schnupfen. Bereits einen Tag später verlor ich meinen Geschmacks- und Geruchssinn.

Insgesamt war das für mich ein ziemlicher Stress, da die Infektionszahlen in Deutschland noch nicht so hoch und die Gesundheitsämter entsprechend überfordert waren. Auch war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, dass der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns zu den Corona-Symptomen gehört. Zuerst hieß es, man würde mich nicht testen, da ich in keinem Risikogebiet war und auch mit keiner infizierten Person Kontakt hatte. Bis zum Wochenende änderte sich das. Tirol wurde zum Risikogebiet und auch über die Symptome wusste man mehr. Aber dann kam ich beim Gesundheitsamt nicht mehr durch, da sich immer mehr Leute meldeten. Montags hatte ich dann endlich jemanden am Telefon und man schickte mich nach Heidelberg in die Uniklinik. Bis dahin hatte ich innerhalb von einer Woche sechs Kilo an Gewicht verloren, da ich nichts mehr essen konnte. Der Verlust meines Geschmackssinns machte mich fast wahnsinnig. Denn alles schmeckte oder roch komisch oder gar nicht.

Das war zum Teil sehr konfus. So ekelte ich mich vor dem Zähneputzen, weil die Zahnpasta plötzlich schmeckte, wie ein Aschenbecher voll mit Zigaretten riecht. Jedenfalls war ich montags in der Uniklinik und erhielt gleich dienstags das Ergebnis; und natürlich war der Test positiv, was für mich erst mal sehr erschreckend war.

Gegen Dienstagabend fühlte ich mich immer kraftloser und bekam erst dann Fieber mit einer Temperatur über 39 Grad. Das wechselte sich dann mit dem Schüttelfrost ab, bis ich am Mittwoch aufwachte und weder Fieber noch Schüttelfrost hatte. Dafür setzte ein schlimmer Husten ein, sodass mein Körper jedes Mal krampfte, wenn ich hustete. Hinzu kam noch der Schnupfen.

Stückchenweise kam ab Donnerstag mein Geruchs- und Geschmackssinn wieder und ab Freitag brauchte ich auch keine Schmerzmittel mehr. Bis Sonntag war eigentlich alles wieder so weit in Ordnung, nur der Husten blieb hartnäckig. Am folgenden Dienstag erhielt ich dann Besuch vom „Corona-Taxi“ der Uniklinik Heidelberg. Sie checkten mich durch und nahmen mir Blut ab. Meine offizielle Quarantäne wurde dann nach einer weiteren Woche aufgehoben.

Über die Betreuung durch das Gesundheitsamt: Da ich zum Anfang der ersten Welle gehörte, war es schon ein seltsames Gefühl, da keiner so recht Bescheid wusste und mir auch kaum einer wirklich helfen konnte.

Nach anfänglichen Problemen, beispielsweise dass ich das Gesundheitsamt nicht erreichen konnte, hat nach dem Test alle 48 Stunden jemand angerufen und nach mir gefragt. Ich musste jeden Tag berichten, wie es mir geht und die Symptome aufschreiben. Wenn etwas Neues hinzukam, dauerte es keine vier Stunden bis mich jemand angerufen und sich nach mir erkundigt hat.

So etwas kennt man von Behörden eigentlich nicht und es hat mich wirklich positiv überrascht. Ich hatte sogar eine Amtsärztin als Ansprechpartnerin und ihre Nummer für den Notfall.

Ein Kollege von mir wurde erst später getestet und hat bis heute keinen Geruchs- und Geschmackssinn. Er wurde in Schwetzingen getestet. Da ich in Heidelberg getestet wurde, wurde ich anders betreut.

Ich wurde gründlicher untersucht und für verschiedene Studien vorgeschlagen, für die ich aber später dann nicht mehr infrage kam. Wegen meines Heuschnupfens war die Plasmastudie für mich gestrichen und für die Studie über die Beatmungsorgane war ich nicht relevant, da meine Lunge keine Schäden hatte. Aber ich wurde gründlich untersucht und bin damit wirklich zufrieden. Aktuell muss ich noch alle acht bis zwölf Wochen zur Blutabnahme. Hier wird untersucht, ob ich noch Antikörper habe, was aber nicht bedeutet, dass ich auch automatisch immun bin.

Lena P. aus Laudenbach, 18 Jahre

„Am Donnerstag, 22. Oktober, hatte ich das Gefühl, dass sich eine Erkältung anbahnen könnte. Es wurde weder schlimmer, noch besser. Am Samstag, 24. Oktober, habe ich festgestellt, dass ich nichts mehr riechen kann. Noch nicht mal meinen Nagellackentferner habe ich gerochen. Wegen eines Coronafalles bei meinem Arbeitgeber, einer Kindertagesstätte, sollten wir eigentlich alle getestet werden. Was aber nicht geschah.

Da ich zur Kategorie 2 gehöre, also keinen direkten Kontakt hatte, habe ich auch nichts mehr vom Gesundheitsamt in Heppenheim gehört. Getestet wurde ich erst am Montag, nachdem ich wegen der Symptome bei einem Hausarzt gelandet bin. Vorher hatten mich alle Ärzte abgewiesen. Die behandelnde Ärztin meinte dann, dass ich keine typischen Corona-Symptome hätte und sie mich darum nicht testen kann, da die Krankenkasse das nicht bezahlen würde.

Erst nachdem ich unterschrieben hatte, dass ich die 85 Euro für die Testkosten selbst übernehmen würde, wurde ich getestet. Zwei Tage später habe ich mich dann beim Gesundheitsamt Heidelberg gemeldet. Ich habe, nachdem ich ein zweites Mal angerufen habe, ein Formular bekommen. Dort habe ich meine Kontaktpersonen ab Dienstag angegeben. Also alle, mit denen ich zwei Tage vor Symptombeginn Kontakt hatte. Glücklicherweise hatte ich mich ja bereits ab Donnerstag selbst isoliert, da auch die Kita geschlossen war. Beim Gesundheitsamt Heidelberg fühle ich mich etwas besser aufgehoben. Die haben dann auch die Testung meiner Familie veranlasst.

Das Gesundheitsamt in Heppenheim hat mich davor echt alleingelassen – und meine Kollegen auch. Kaum jemand hat Infos bekommen. Als ich mich selbst gekümmert und dort angerufen habe, hatte ich keine Chance jemanden zu erreichen. Die Hausärzte konnten mich aber ohne Bescheid vom Gesundheitsamt nicht testen. Das war ein ziemliches Durcheinander und auch Glück, dass ich überhaupt von meiner Infektion erfahren habe. Zu Beginn habe ich nicht damit gerechnet, dass es Corona ist. Ich dachte, es bahnt sich eine Erkältung an. Das Gefühl blieb, wurde zu meiner Überraschung auch nicht besser oder schlechter. Dann habe ich gemerkt, dass ich nichts mehr riechen kann und habe mir etwas Sorgen gemacht, es aber auf die ‚kommende Erkältung’ geschoben. Ich hatte dann einen leichten Schnupfen, einen trockenen Hals, an einem Tag etwas Kopfweh. Aber keinen Husten, kein Fieber und auch meine Lunge war frei. Zumindest stellte das die Ärztin fest.

Aktuell habe ich das Gefühl, dass es besser wird. Meine Nase ist weitestgehend frei, mein Hals ist nicht mehr trocken und starke Gerüche, wie zum Beispiel vom Desinfektionsmittel, kann ich auch wieder riechen. Wie lange meine Quarantäne geht, wurde mir nicht gesagt. Ich habe einige Links vom Gesundheitsamt bekommen. Dadurch habe ich herausgefunden, dass ich wohl mindestens zehn Tage in Quarantäne muss, und je nach Verlauf entscheidet das Gesundheitsamt, wann ich wieder raus darf. Mein offizieller Quarantänebescheid kommt aber erst noch. Diesen kann ich dann auch meinem Arbeitgeber vorlegen.

Und ja, wir hätten meiner Meinung nach früher getestet werden müssen. Reiserückkehrer bekommen am Flughafen sofort nach Einreise einen kostenlosen Test. Ich bin nur meinem Job nachgegangen und habe erst nach endlosen Telefonaten einen Test bekommen, den ich selbst bezahlen musste.“

Anna P. aus Hirschberg, 37 Jahre

„Ich war Anfang März in Tirol zum Skifahren. Ich habe bereits auf der Heimfahrt bemerkt, dass ich sehr angeschlagen war. Da Gesundheitsminister Spahn an diesem Wochenende Skirückkehrer dazu aufgefordert hat, zwei Wochen in Quarantäne zu gehen, bin ich direkt daheimgeblieben und habe meine Arbeit von zu Hause aus ausgeführt. Ich war nach wie vor angeschlagen, hatte leichte Kopfschmerzen und etwas Husten.

Eine Woche später habe ich meinen Geschmacks- und Geruchssinn verloren und habe mich daraufhin ans Gesundheitsamt gewendet. Das war an einem Sonntag und ich habe direkt für Montagmorgen einen Termin für die Testung bekommen. Das Ergebnis kam circa 36 Stunden später. Bis dahin hatte ich bereits eine gewisse Kurzatmigkeit entwickelt. Zudem litt ich unter leichtem Schwindel. Der Verlust des Geschmacks- und Geruchsinns hielt ungefähr vier Tage an.

Das Gesundheitsamt hat mich während der Quarantäne des Öfteren kontaktiert und gefragt, ob ich Fieber entwickelt habe beziehungsweise weitere Symptome aufgetreten sind. Das konnte ich immer verneinen. Ich war 14 Tage lang in Quarantäne, dann wurde ich telefonisch für gesund erklärt. Ein erneuter Test hat nicht stattgefunden.

Das fand ich etwas merkwürdig und habe vorsichtshalber noch eine weitere Woche von zu Hause gearbeitet. Ärztliche Betreuung war zu keinem Zeitpunkt notwendig, ich war auch keinen Tag krankgeschrieben. Nach meiner Genesung habe ich mich darüber gefreut, dass ich es ‚hinter mir’ hatte und die Infektion mit dem Virus so glimpflich verlaufen ist.

Mittlerweile fühle ich mich durch die Meldungen von Re-Infektionen bereits genesener Personen verunsichert. Und das, obwohl mir im April in einer Antikörperstudie ein hoher Titer nachgewiesen wurde und ich davon ausgehe, dass in meinem Körper irgendwo T-Gedächtniszellen herumschwirren. Diese müssten bei erneutem Kontakt mit dem Virus die Immunantwort schnell ankurbeln.

Eine Sache möchte ich noch mitteilen: Ungefähr zwei Monate nach der Infektion fing bei mir ein Haarausfall an, der sich über vier Wochen extrem zuspitzte. Mir gingen büschelweise die Haare aus. Das hat mich seelisch sehr belastet. Zuerst habe ich die Verbindung zu COVID-19 nicht hergestellt. Nachdem aber alle Blutuntersuchungen auf einen Nährstoffmangel oder das Checken des Hormonhaushaltes ohne Befund blieben, wurde mir langsam klar, dass es mit der Infektion im Zusammenhang stehen musste. Mittlerweile hört man immer wieder davon, dass Leuten die Haare ausfallen. Mir wollte im Frühjahr leider kein Arzt Glauben schenken.

Mittlerweile wachsen die Haare zum Glück wieder nach. Von weiteren Folgeschäden kann ich zum Glück nicht berichten, ich fühle mich so weit gesund.“

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