Rassismus BEGEGNEN
Region, 01.08.2020
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01.08.2020 05:00
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Region. Es ist kein beliebtes Thema. Etwas, worüber nicht so gerne gesprochen wird. Umso wichtiger ist es, Menschen für beziehungsweise gegen Rassismus zu sensibilisieren. Gerade mit den aktuellen Geschehnissen und denen der jüngeren Vergangenheit wird deutlich, wie sensibel und empathisch mit dem Thema Alltagsrassismus – und im Allgemeinen mit Rassismus – umzugehen ist.

Ob gewollt oder nicht, es lässt sich nicht abstreiten, dass Menschen täglich auf der ganzen Welt aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder eben anderen Merkmalen von der Gesellschaft diskriminiert werden. Es ist wichtig, die eigenen Worte und Handlungen immer wieder zu hinterfragen. Dabei kann es ein Leichtes sein, sich von alten Mustern zu lösen. Und man muss einen Grundsatz bedenken: Wenn man Menschen im Kampf gegen Rassismus unterstützen möchte, dann geht es um die anderen – nicht um einen selbst. Rassismus hat vielfältige Ursachen und beruht doch häufig auf einem Mangel an Einfühlvermögen und Verständnis. Es gibt viele Möglichkeiten, sich gegen Rassismus zu engagieren: sich an Demonstrationen beteiligen, Initiativen zu unterstützen, Petitionen zu unterschreiben, oder aber bereits im Kleinen in den eigenen vier Wänden zu beginnen. Das eigene Verhalten reflektieren und Perspektiven und Lebenswelten von nicht-weißen und Schwarzen Menschen kennenzulernen. Während unserer Serie Rassist– Ich?, der Recherche der einzelnen Themen und in der Zusammenarbeit mit Betroffenen ist die WN/OZ– Redaktion auf viele tolle Möglichkeiten gestoßen, wie man seinen Horizont rund um das Thema Rassismus erweitern kann.

In den heimischen Bücherregalen zu starten, um die Diversität etwas aufzufrischen, wäre eine Variante. Eine Weitere auch die Sozialen Medien zu durchforsten und das vielfältige Angebot an Hörspielen und Podcasts zu nutzen. Es gibt großartige Autoren, Künstler und Instagram-Blogger of Color, die allen, zumindest denen, die es zulassen möchten, das Thema Rassismus näher bringen. Sich in Anti-Rassismus zu üben, heißt schließlich auch, sich immer wieder mit neuen Perspektiven auseinanderzusetzen. Es ist ein fortwährender Prozess. Und dabei sollte man nicht vergessen: Es ist ein Privileg, sich über Rassismus informieren zu können, statt ihn am eigenen Leib zu erfahren.

Buchempfehlungen

Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen – Alice Hasters

„Darf ich mal deine Haare anfassen?“, „Wo kommst du her?“ - hinter vermeintlich netten Floskeln stecken leider immer noch rassistische Denkweisen und Hintergründe. Es ist sicher nicht schön, sich dabei zu ertappen, diese Fehler selbst schon einmal begangen zu haben, aber umso wichtiger ist es, aus diesen zu lernen. Alice Hasters erklärt eindringlich und geduldig, in welchen Situationen mehr Sensibilität gefragt ist, wie tief Stereotypen verwurzelt sind, wie alltäglich Diskriminierung geworden ist und warum Rassismus eben ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft ist.

Exit Racism – Tupoka Ogette

Es hilft nicht nur, über Rassismus zu lesen und sich zu empören. Dieses Buch ist eine gute Einführung für die Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus. Es begleitet seine Leser durch die Geschichte des Rassismus und dessen Wirkungsweisen. Ohne erhobenen Zeigefinger gibt es Übungen und Lesetipps, die zur Selbstreflexion anregen und leicht in die Praxis umzusetzen sind. Die Autorin Tupoka Ogette schafft es ein schwieriges Thema auch für Einsteiger verständlich nahezu bringen und die Leser zu sensibilisieren. Über QR-Codes im Buch können die Leser außerdem direkt zu weiterführenden Artikeln, Videos und Bildern gelangen, die die Kapitel von „Exit Racism“ ergänzen.

The Hate U Give – Angie Thomas

Es geht in dem Roman um die 16-jährige Starr, die zwischen zwei Welten gefangen ist: Sie wohnt in einem verarmten Viertel, besucht aber eine teure Privatschule. Als Starr Zeugin davon werden muss, wie ihr bester Freund Khalil, unbewaffnet, von einem Polizisten erschossen wird, wird das unruhige Gleichgewicht ihrer zwei Welten zerstört. Eine fiktionale Geschichte, die leider sehr viel Realität beinhaltet.

Ich bin von hier! Hört auf zu fragen – Ferda Ataman

Deutsche heißen Günter und Gaby, aber eben auch Fatma und Fatih. Die Art, wie wir über Migration, Geflüchtete und Integration reden, zeigt: Wir haben ein Wahrnehmungsproblem. In ihrem ersten Buch, fordert die Autorin Ferda Ataman die „Ausschließlichdeutschen“ gleich zu Beginn auf, endlich mit diesen Fragen aufzuhören – auch wenn oft keine „böse Absicht“ dahintersteht.

Weitere Buchtipps:

  • Unter Weißen: Was es heißt, privilegiert zu sein“– Mohamed Amjahid
  • Heimkehren“ – Yaa Gyasi 
  • Deutschland schafft mich“ – Michel Abdollahi
  • Farbenblind“ – Trevor Noah
  • Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ – Reni Eddo-Lodge
  • Deutschland Schwarz Weiß“ – Noah Sow
  • Gegen den Hass“ – Carolin Emcke
  • Wir müssen über Rassismus sprechen“ – Robin DiAngelo
  • Farbe bekennen“ – Katharina Oguntoye, May Ayim, Dagmar Schultz
  • Eure Heimat ist unser Albtraum“ – Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah
  • Black Lives Matter. Eine Geschichte vom Überleben“ – Patrisse Khan-Cullors und Asha Bandele
  • Sprache und Sein“ – Kübra Gümüsay

Podcast-Tipps:

  • Halbe Katoffl“: Viele Menschen sehen sich immer wieder mit der rassistischen Frage nach ihrer „eigentlichen“ Herkunft konfrontiert. Obwohl diese nur selten böse gemeint ist, kann sie verletzend sein. In seinem Podcast „Halbe Katoffl“ unterhält sich der Moderator Frank Joung mit Deutschen, die nicht-deutsche Wurzeln haben.
  • Black and Breakfast“: Women of Color fehlt eine Stimme in Deutschland – dieser Meinung waren Jaide und Joana. Deswegen starteten sie ihren Podcast, in dem sie ihre eigenen Erfahrungen teilen. PZiel ist es, ihren Teil zur Aufklärungsarbeit in Deutschland beizutragen.
  • Rice and Shine“: Die Journalistinnen Minh Thu Tran, Vanessa Vu und Linh Tran sprechen über asiatische Klischees, rassistische Erfahrungen, einseitige Wahrnehmung der Gesellschaft und legen viel wert darauf, dass ihre Community bei der Themenwahl ein großes Mitspracherecht hat.

Netzempfehlungen mit Hashtags und Insta-Accounts

  • Wasihrnichtseht“: Hat das Ziel den Alltagsrassismus unter dem Hashtag #wasihrnichtseht sichtbar zu machen.
  • Beautifulcoloursgermany“: Repräsentieren Schwarze Frauen mit Migrationsvordergrund.
  • black_is_excellence“: Emilene Wopana Mudim ist Referentin für Schwarzes Empowerment
  • Vonkleinaufvielfalt“: Vielfältige und diskriminierungsarme Kinderbücher.
  • Adis_online“: Antidiskriminierungsberatung online für BaWü.
  • tupoka.o“: Autorin Tupoka Ogette kommentiert das aktuelle Geschehen, teilt ihre Erfahrungen und ihr Wissen.
  • Black Community Foundation“: betreibt Aufklärungsarbeit, berichtet über Projekte und aktuelle Begebenheiten.
  • Afrokidsgermany“: Bücher-Empfehlungen für Kinder und Jugendliche, inspiriert durch eine Schwarze Mutter.
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