Russische Propaganda
07.05.2022
Diesen Artikel
07.05.2022 05:00
Drucken Vorlesen Senden
Leserbrief
76

Leserbrief: Kapitulieren die Lösung

WN/OZ vom 30. April

Monika Meier wirft dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj vor, für Tod und Vertreibung seiner Bevölkerung verantwortlich zu sein, und setzt ihn auf eine Stufe mit Hitler, weil Selenskyj alle Männer zu den Waffen rufe – so wie Hitler zu Kriegsende. Anstatt vor den Russen zu kapitulieren, wolle Selenskyj nur an der Macht bleiben. Den Grünen wirft sie vor, dies durch Waffenlieferungen zu unterstützen. Kein Wort zum russischen Einmarsch, den Gräueln in Butscha, Mariupol oder Syrien, den Morden in London oder im Berliner Tiergarten. Dem Verteidiger Selenskyj dieselben Verhaltensmuster wie dem Verbrecher und Angriffskrieger Hitler anzudichten, ist atemberaubende Geschichtsleugnung und entspricht der verwerflichen russischen Propaganda, in Kiew würden Faschisten regieren. Wenn im Jahr 1940 die seinerzeit im Frieden lebenden Briten und Amerikaner so gedacht und nicht ihre Männer in den Krieg zur Befreiung Europas von den Nazis gesendet hätten, würden wir noch heute Hakenkreuzfahnen am Führergeburtstag schwenken.

Ihr Denkmuster entspricht einer verbreiteten bequemen Haltung: Man mehrt den Wohlstand mit russischen Rohstoffen, lässt sich die Freiheit vom (freilich in Ostermärschen kritisierten) amerikanischen Atomschutzschirm absichern, lobt sich für humanitäre Leistungen und schaut wie bei Russland weg, wenn es nicht ins Weltbild passt. Mit der Illusion, Vermittler zwischen den Welten zu sein, wurden Wahlen gewonnen, und es ist verständlich, wenn sich viele mit der Pulverisierung dieser Ostpolitik und den neuen Realitäten schwertun. Im Gegensatz zur SPD haben die freiheitsliebenden Jamaika-Parteien schneller erkannt, dass dieser Angriffskrieg nur mit Militär aufzuhalten ist, will man nicht einen Flächenbrand und die Verlegung russischer Atomraketen nach Mitteleuropa riskieren. Darum geht es! Werden wir wehrhaft, setzen wir uns glaubhaft ein für mühsam erkämpfte Werte und nehmen wir künftig die Amerikaner, Osteuropäer und den Aufklärer Friedrich Schiller ernst, der 1804 im Wilhelm Tell schrieb: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Das imperial denkende Russland wird unser Nachbar bleiben, davor zu kapitulieren, ist Verrat an unserer Vergangenheit.

Bernhard Stempfle, Hemsbach

SOCIAL BOOKMARKS
07.05.2022 05:00
Drucken Vorlesen Senden