Schwarzstorch gesucht, Wolf gefunden
Reichelsheim/Odenwald, 16.05.2020
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16.05.2020 05:00
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Reichelsheim/Odenwald. In Reichelsheim ist es innerhalb weniger Tage zu zwei Wolfsnachweisen gekommen. „Dabei kann es sich um das gleiche Tier handeln, es kann aber auch ein Hinweis darauf sein, dass der Lebensraum für die Revierbildung besonders attraktiv ist“, erklärt MUNA, der Verein für Mensch, Umweltschutz, Natur- und Artenschutz mit Sitz in Heppenheim, in einer Pressemitteilung.

Wahrscheinlicher sei jedoch, dass sich aufgrund des unauffälligen Verhaltens bereits seit Jahren sesshafte Tiere auch im Odenwald aufhalten und „solange sie keine Nutztiere als Beute auswählen oder fotografiert werden, auch nicht weiter auffallen“, sagt Dirk Bernd aus Lindenfels.

Dem Vorsitzenden von MUNA gelang am 22. April der Nachweis eines Wolfs durch die Nachtaufnahme einer – im Rahmen eines Schwarzstorch-Monitorings – aufgestellten Kamera bei Reichelsheim. In den Morgenstunden des 25. Aprils hatte ein Spaziergänger aus Fränkisch-Crumbach, einem Bericht zufolge, ebenfalls bei Reichelsheim einen Wolf gesichtet und fotografiert.

Ein optimaler Lebensraum

Im Odenwald sind in den vergangenen vier Jahren fünf bestätigte Wolfsnachweise gelungen. „Streng genommen sind noch keine sesshaften Tiere oder ein Familienverband (Rudel) bestätigt, jedoch wird auch nicht gezielt danach gesucht“, sagt Dirk Bernd. Eine dauerhafte Ansiedlung sei jedoch nur eine Frage der Zeit, da der Odenwald für den Wolf einen optimalen Lebensraum darstellt, reichlich Nahrung bietet und genügend ruhige Orte zur Jungenaufzucht vorhanden sind.

Der nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und der europäischen FFH-Richtlinie streng geschützte Wolf galt lange Zeit als ausgerottet und gilt auch heute noch bundesweit als vom Aussterben bedroht. Der Bestand des Wolfs nimmt in Deutschland seit der Wiederbesiedlung im Jahr 2000 stetig zu. Nach aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Naturschutz (Monitoring 2018/2019) sind derzeit 105 Wolfsrudel, 25 Elternpaare und 13 territoriale Einzeltiere bekannt – „eine echte Erfolgsgeschichte für diese einst ausgerottete Art und den Naturschutz“, heißt es der Pressemitteilung von MUNA.

In Hessen sind demnach aktuell zwei Reviere belegt, die über wenigstens sechs Monate im Jahr von mindestens ein bis zwei Wölfen besetzt sind. „Somit ist alljährlich, zur Zeit der Jungengeburten ab Anfang Mai, mit aus den 105 bekannten Familienverbänden abwandernden Jungwölfen zu rechnen, die sich in alle Himmelsrichtungen verteilen und neue Reviere sowie einen Partner suchen“, erklärt MUNA. Die meisten Familienverbände kommen in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen vor.

Langstreckenläufer

Wölfe leben in einem Familienverband, dem Rudel, das aus den beiden Elterntieren, diesjährigen Welpen und Jungtieren des Vorjahres besteht. Die Jährlinge verlassen das Rudel im Alter von meist einem Jahr bis spätestens drei Jahren, um ein eigenes Territorium und einen Partner zu finden.

„Hierbei können sich die Langstreckenläufer unmittelbar an das Elternrevier ansiedeln, aber auch mehrere 1000 Kilometer zurücklegen, bevor sie sich niederlassen und ein eigenes Revier verteidigen oder eine Familie gründen“, erklärt der Verein.

So wandern nach wie vor Wölfe aus Polen, Tschechien oder Italien nach Deutschland ein. Auch bei den täglichen, ausgedehnten Streifzügen durch sein Revier, meist um die 200 Quadratkilometer groß, legt der Wolf regelmäßig die Strecke eines Marathons zurück.

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