Standbein der medizinischen Nahversorgung
Mörlenbach, 18.09.2020
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18.09.2020 05:00
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Mörlenbach. Was macht man, wenn man zu Pandemie-Zeiten zum Arzt muss? Das fragen sich aktuell nicht nur Risikopatienten mit gesundheitlichen Beschwerden. Auch wenn das Problem nicht neu ist. In jeder Erkältungssaison zögern Erkrankte, einen Arzt aufzusuchen. Dahinter steht immer ein gefährliches Abwägen: Natürlich kann man sich im Wartezimmer oder auf dem Weg dorthin mit neuen Erregern anstecken – wer hingegen aus Furcht gar nicht zum Arzt geht, dem entgeht medizinische Hilfe, und eine Krankheit kann verschleppt werden.

Alle Register ziehen

In Mörlenbach soll dieses Abwägen jetzt der Vergangenheit angehören. Mitten im Weschnitztal werden alle modernen Register gezogen, um die ärztliche Versorgung auch in schwierigen Zeiten sicherzustellen. Schlüssel dazu ist das frisch sanierte Ärztehaus direkt neben dem Rathaus, das Bürgermeister Jens Helmstädter am 2. Oktober persönlich einweihen wird. Dass dieses wichtige Standbein der medizinischen Nahversorgung nicht verloren ging, ist hauptsächlich dem Engagement der Gemeinde zu verdanken. Sie überzeugte den Investor, in das in die Jahre gekommene Gebäude zu investieren, um alles auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen und wieder mit Leben zu füllen.

Ansteckungsrisiko mindern

Das Ergebnis kann sich sehen lassen – der Muff der 1980er-Jahre ist verschwunden. Helle Flure, angenehme Farben und neu gestaltete Behandlungsräume erwarten die Patienten. Moderne Weiträumigkeit mit insgesamt zehn neu gestalteten Untersuchungszimmern sorgt dafür, dass der Kontakt mit anderen Patienten minimiert wird. So wird in Corona-Zeiten das Risiko auf Ansteckung gemindert. Hygienemaßnahmen auf der Höhe der Zeit tun ihr Übriges.

Klinisch reine Luft

Das Obergeschoss mit Allgemeinarzt, Zahnarzt und Orthopäde/Unfallarzt wartet zudem mit einer funkelnagelneuen HEPA-Filteranlage auf, die fast 100 Prozent aller Bakterien, Viren und Schwebeteilchen aus der Luft filtert. Die Luft ist dort klinisch rein, praktisch sauberer als draußen vor der Tür.

Obendrein wurde im Mörlenbacher Ärztehaus auch die Möglichkeit geschaffen, den Arztbesuch per Videosprechstunde zu absolvieren. Der Arzt oder die Ärztin kommt mittels speziell geschützter Computerverbindung und damit praktisch ohne beiderseitiges Infektionsrisiko zu den Patienten nach Hause. Das Angebot richtet sich an Risikopatienten genauso wie an ältere oder immobile Menschen der Region.

Videosprechstunden

Alle Untersuchungszimmer der Allgemeinmedizin sind mit einer versenkbaren Kamera ausgestattet. Patienten müssen für die Videosprechstunde nur ihre Versichertenkarte im Ärztehaus einlesen lassen, was durch eine Vertrauensperson erledigt werden kann. Ist die Datenfreigabe erfolgt, kann sich der Arzt virtuell am Bett oder am Tisch der Patienten die Beschwerden anhören und mit ihnen sprechen. Nötige Rezepte und Krankschreibungen werden mit der Post zugeschickt. Nur das Blutabnehmen funktioniert noch nicht virtuell – hierfür und für weitere Untersuchungen steht ein Funktionsraum zur Verfügung.

Für manche Patienten ist es eine riesige Erleichterung, sich nicht mehr für jeden Termin auf den Weg in die Praxis machen oder auf einen Hausbesuch warten zu müssen. Die niedergelassenen Ärzte sind jedenfalls gespannt, wie das zeitgemäße Angebot angenommen wird. Aktuell ist der Praxisbetrieb bereits wieder angelaufen.

Die offizielle Eröffnung des Ärztehauses wird als „Gesundheitstag der offenen Tür“ am Freitag, 2. Oktober, ab 15 Uhr stattfinden. Alle Mörlenbacher sind eingeladen, sich dort ein eigenes Bild von den neuen Räumlichkeiten zu machen. Die Besucher können vor Ort einfache Gesundheitswerte bestimmen und in einen Gesundheitspass eintragen lassen, der im Ärztehaus ausgegeben wird. mhi

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18.09.2020 05:00
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