Unternehmer wollen weiter Bares
Kreis Bergstraße, 02.04.2016
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02.04.2016 01:47
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Kreis Bergstraße. Unternehmen aus der Region kritisieren die im Februar von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ins Spiel gebrachte Beschränkung für Bargeld-Zahlungen. Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar hat sich in ihrer jüngsten Sitzung gegen die angedachte Einführung einer Obergrenze von 5000 Euro ausgesprochen. Nach Ansicht von Vertretern der Kammer würde diese Grenze erhebliche Nachteile für bestimmte Branchen mit sich bringen - genannt werden als Beispiel Juweliere, Baustoff- und Autohändler sowie Landwirte.

Von unserem Mitarbeiter

Konrad Bülow

Nach Ansicht von Barbara Eichelmann, Vorsitzende des IHK-Ausschusses Unternehmensförderung in der Vollversammlung, stehe eine solche Obergrenze im Gegensatz zur freiheitlichen Grundordnung - ganz abgesehen davon, dass auch der im Tagesgeschäft übliche Skontoabzug wegfallen würde.

Schecks gelten als unsicher

Zu den Kritikern der Bargeld-Grenze gehört auch Jürgen Dudek vom Autohaus Dudek und Fischer in Heppenheim. „Manche Geschäfte könnten wir ohne Bargeldzahlungen nicht mehr machen“, sagt er. So berge der Verkauf eines Wagens per Scheck viel mehr Risiko als die klassische Variante, bei welcher der Käufer dem Händler die Scheine gibt und dafür Fahrzeug, Schlüssel und Papiere erhält. „Der Käufer kann ja theoretisch den Betrag zurückbuchen, wenn er Fahrzeug, Autoschlüssel und Papiere hat“, verdeutlicht der Händler. Zwar könne er dann wegen Scheckbetrugs verklagt werden. „Das würde uns dann aber auch nichts mehr nutzen“, sagt Dudek.

Auch bei Insolvenzen von Kunden könnten Insolvenzverwalter im Nachhinein Buchungen rückgängig machen - anders als bei Barzahlungen. Bei Verkäufen an Händler im Ausland, die er vor dem Geschäft noch nicht kannte, setze er aus Sicherheitsgründen ebenfalls lieber auf Barzahlung, sagt der Autohändler. Eine Befürchtung von Dudek: „Emotionale Käufe“, wie er es nennt, könnten seltener werden. Wer online überweist, hat - anders als bei Barzahlungen - immer auch seinen Kontostand vor Augen. Neben Gebrauchtwagenhändlern würden Dudeks Ansicht nach auch viele Juweliere darunter leiden.

Auch Tatjana Steinbrenner, Vizepräsidentin der IHK Rhein Main Darmstadt und Geschäftsführerin des Kaufhauses Ganz in Bensheim lehnt die Obergrenze ab. „Der Durchschnittsbon bei uns enthält meistens geringere Beträge als 5000 Euro“, sagt sie zwar. Dennoch sieht Steinbrenner in einer Obergrenze für Barzahlungen eine Einschränkung des Rechts.

Die Begründung der Bundesregierung, dass auf diese Weise kriminelle Geldgeschäfte und Geldwäsche besser verfolgt werden könnten, will sie nicht gelten lassen. „Man sollte nicht immer von ein paar schwarzen Schafen ausgehen“, sagt sie.

Problem für den Datenschutz

Habe sich erst einmal eine Obergrenze von 5000 Euro durchgesetzt, könnte dieses Limit immer weiter sinken - bis irgendwann auch andere Betriebe als Juweliere und Autohändler betroffen seien.

Neben den Einschränkungen im täglichen Geschäftsbetrieb sieht Steinbrenner auch Probleme für den Datenschutz. „Es würde ein gläserner Kunde entstehen“, betont die Unternehmerin.

Das Autohaus Vogel in Zwingenberg wäre nach Ansicht von Geschäftsführer Marco Vogel nicht allzu schwer von einer Obergrenze getroffen. „Bei uns werden bereits 90 Prozent der Geschäfte bargeldlos abgewickelt“, rechnet er vor. Dennoch hält er den Vorschlag der Bundesregierung für eine „Sauerei“. Seine Begründung: „Wir haben uns darauf eingestellt, es den Kunden zu ermöglichen, bar zu bezahlen, wenn sie das wollen. Eine Obergrenze wäre eine Bevormundung.“ Zur Kriminalitätsbekämpfung würde ein derartiges Gesetz seiner Ansicht nach nicht allzu viel beitragen. Ihre Daten gäben die Kunden beim Kauf und bei der Anmeldung der neuerworbenen Fahrzeuge ohnehin freiwillig an.

Der Baustoffhändler Zillig in Bensheim verkauft seine Materialien ebenfalls noch häufig gegen Bares. „Schon möglich, dass wir von so einer Obergrenze direkt betroffen wären“, sagt Geschäftsführer Otto Zillig. Auch wenn es dabei nicht immer gleich um 5000 Euro gehe: „So eine Grenze wäre einfach kundenunfreundlich. Mancher findet es eben bequemer, mit Bargeld zu bezahlen.“ Online-Zahlungen seien nicht jedermanns Sache. „Unter unseren Kunden sind viele ältere Leute. Nicht jeder von ihnen hat einen Computer zuhause“, führt Zillig vor Augen.

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