Von Einigung keine Spur
Weinheim, 29.11.2019
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29.11.2019 05:30
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Weinheim. Beim Thema „Bebauung auf dem Amtshausplatz“ stehen die Zeichen weiter auf Konfrontation. Wie berichtet soll der Gemeinderat dem Verkauf eines städtischen, 250 Quadratmeter großen Grundstücks direkt neben dem Gebäude Hauptstraße 118 zustimmen. So schlägt es die Verwaltung vor. Der Verein „Lebendiges Weinheim“, der von der IG Marktplatz in seiner Haltung unterstützt wird, protestiert dagegen heftig gegen das Bauvorhaben der Familie Annacker. Es geht in erster Linie um die Parkplätze. In zweiter Linie darum, dass es – nach den Großbaustellen des Jahres 2019 – schon wieder eine Baustelle, diesmal im Herzen der Stadt geben werde.

Zwar hat die Stadt, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, ein Konzept ausgearbeitet, bei dem die zwölf öffentlichen Kundenparkplätze auf dem Amtshausplatz erhalten bleiben würden. Lediglich die Dauerparkplätze der Gewerbetreibenden müssten dann in die Burgengarage an der Schlossbergterrasse verlegt werden. Für Sebastian Kerner, stellvertretender Vorsitzender des „Lebendigen Weinheim“ ist das allerdings nur „ein Rechenspiel“. Schon jetzt werde „wild“ auf dem Amtshausplatz geparkt – häufig belegten Besucher die Dauerparkplätze. Außerdem zeige die Erfahrung, dass viele Kunden nicht in den Tiefgaragen parken wollen. „Für den Weinheimer Einzelhandel zählt deshalb jeder Parkplatz unter freiem Himmel“, so Kerner.

Und so steht es auch in einem Schreiben, das die Interessenvertretung der Innenstadtkaufleute vor einigen Wochen an die Gemeinderatsfraktionen verschickt hat.

Die Fronten sind also verhärtet. Von einer Einigung zwischen der Verwaltung und den Einzelhändlern könne keine Rede sein, betont deshalb auch der Vorsitzende des „Lebendigen Weinheim“, Christian Mayer. Der Amtshausplatz sei im Übrigen kein Missstand, sondern ein Parkplatz. „Es gab Gespräche mit der Stadt, aber wir sind nach wie vor nicht mit einer Bebauung einverstanden“, sagt Mayer.

Schon wieder eine Baustelle

Dabei gehe es dem Handel nicht nur um die Anzahl der Parkplätze. Denn ein Anbau bedeutet eben auch: der Amtshausplatz wird zumindest vorübergehend zur Baustelle. „Nach einer langen Episode von Beeinträchtigungen des Handels durch Baustellen im Stadtgebiet, würde eine weitere Baustelle im Herzen der Innenstadt von vielen unserer Mitglieder als absoluter GAU eingeschätzt werden“, heißt es in dem Schreiben an die politischen Vertreter.

Schützenhilfe bekommt das „Lebendige Weinheim“ von der IG Marktplatz. „Die Frage, die sich hier stellt, ist doch: Wollen wir in Schönheit sterben? Wenn der Einzelhandel seine Kunden verliert, dann verlieren wir natürlich auch Gäste“, sagt Carmen Hau von der IG Historischer Marktplatz.

Zwar sieht das Konzept der Stadtverwaltung vor, dass keine öffentlichen Kundenparkplätze auf dem Amtshausplatz wegfallen würden. Aber es bleibt beim Widerstand: „Wir müssen schon gut nachdenken, was wir tun“, betont Hau. Schön sei er zwar nicht, der Amtshausplatz. „Aber wir können ja mal überlegen, wie wir ihn mit ein bisschen Grün schöner machen könnten“, sagt Hau. Und schließlich sei der Amtshausplatz ja der einzige Festplatz in der Innenstadt, den es noch gebe. Ein Argument, das auch Sebstian Kerner vom „Lebendigen Weinheim“ anführt. Schließlich bewerbe man sich für die Heimattage 2025 oder 2026.

Die IG Historischer Marktplatz verweist in einer Stellungnahme ebenfalls auf die Parkplatzproblematik, darauf, dass Gastronomie und Einzelhandel durch die Baustellen schon genug gebeutelt seien. Und sie äußern eine weitere Befürchtung: „Das Hauptargument, welches für eine Bebauung ins Feld geführt wird, ist, dass diese den Platz aufwerten würde. Wir halten es aber nicht für die optimale Lösung, diese durch eine Verkleinerung zu erreichen, die die Nutzbarkeit einschränkt. Potenziell könnten noch weitere Anlieger, dann berechtigterweise, den Wunsch äußern, in dieser 1-A-Lage ihre Immobilien an den weiteren Brandmauern zu vergrößern. Mit welcher Begründung sollte einem Anlieger dieser Vorteil gewährt werden, den übrigen aber nicht?“

Am Mittwoch, 4. Dezember, steht der Amtshausplatz auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Wie schon einmal, im April dieses Jahres. Damals – ebenfalls aufgrund des massiven Widerstandes des „Lebendigen Weinheims“ nahm Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner das Thema allerdings wieder herunter.

Es verspricht am Mittwoch eine spannende Sitzung zu werden, denn auch das Streitthema „Neues Hotel an der Mannheimer Straße“ hat es nach der Vertagung Mitte November wieder auf die Tagesordnung geschafft. Und dann steht auch noch die Haushaltseinbringung 2020 auf dem Programm. vmr

Öffentliche Sitzung des Weinheimer Gemeinderates am Mittwoch, 4. Dezember, ab 17.30 Uhr im Großen Sitzungssaal, Rathaus/Schloss.

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