Vortrag über Lebensreform
Heppenheim, 07.12.2017
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07.12.2017 05:00
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Heppenheim. Am Dienstag, 12. Dezember, lädt das Martin-Buber-Haus um 20 Uhr zu einem Vortrag über die „Lebensreform“ ein, Referentin ist die Sozialwissenschaftlerin Dina Schleicher. Die Lebensreform, die mit verschiedenen Strömungen im ausgehenden 19. Jahrhundert begann, fand nicht nur im Jugendstil als neuer Kunstrichtung ihren Ausdruck. Ihre Anhänger wollten durch eine Annäherung an die Natur zurück zu Luft und Licht. So war unter anderem die FKK-Bewegung ein Kind dieser Zeit und stand ganz im Gegensatz zur meist hochgeschlossenen und stofflastigen Alltagskleidung der Jahrhundertwende, wie es in der Ankündigung des Veranstalters heißt.

Heppenheim hatte mit dem Einsiedler und Höhlenmenschen Adolf Ellerbrock, einem Hamburger Architekten, seine eigene Attraktion der Lebensreform. Als „Höhlenmensch von Hambach“ lebte er mangels Baugenehmigung in einer selbst gegrabenen Höhle unter kargen Bedingungen. Durch einen Filmbeitrag der „Wochenschau“ wurde der von den Heppenheimern wenig charmant „Wurzelfresser“ genannte Ellerbrock überregional bekannt. Mit eigenen Postkarten warb er für sich und verdiente damit bei Besichtigungen seiner Person und Wohnhöhle durch neugierige Zeitgenossen ein Zubrot.

Neue Ideen, die nachwirken

War dies die extreme Seite der Lebensreform, so lieferte sie in ihrer gemäßigten Form durchaus neue Ideen zu Gesellschaft, Wohnen und Freizeitgestaltung, die bis heute in unserem täglichen Leben nachwirken. Die Erhaltung der Gesundheit durch Sport und bestimmte Ernährungsgewohnheiten sowie die Anpassung der Kleidung und Schuhe an den Körper sind heute allgemeines Gut und so modern wie damals. Deshalb hat sich die Referentin mit den Auswirkungen der Lebensreform auf unseren Alltag und unsere Kultur beschäftigt. Sie studierte sozialwissenschaftliche Konfliktforschung und Interdisziplinäre Europastudien an der LMU München und der Universität Augsburg. Neben ihrem Engagement als freie Journalistin ist sie für das Kulturamt Augsburg und das Literaturhaus München tätig, heißt es abschließend.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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