Warum die Redaktion dieses Foto liebt
Weinheim, 24.11.2022
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24.11.2022 09:19
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Leserbrief
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Weinheim. Ein Mann und eine Frau stehen im Sepp-Herberger-Stadion in Weinheim. Sie tragen -wie es sich an diesem Ort gehört - Jogginganzüge und halten eine Regenbogenfahne hoch. Sie ist das Symbol für LGBTQ+, für Vielfalt, für Freiheit und für die Liebe. So bunt wie die „One Love“-Armbinde, die Deutschlands Kapitän Manuel Neuer bei der WM nicht tragen darf, weil die FIFA mit Strafen droht. Wohl auch deshalb, weil die WM in Katar stattfindet, einem Land, in dem beispielsweise Lesben und Schwule für ihre Lebensweise mit Gefängnis bestraft werden können.

Katrin Erdel heißt die Frau, die der Redaktion das Bild geschickt hat. „Stiller Protest aus dem Sepp-Herberger-Stadion pünktlich zum Anpfiff des Deutschlandspiels in Katar“ schreibt sie unter das Foto. Der Mann neben ihr ist ihr Vater Michael Gerlach. Die Redaktion ist schockverliebt!

Juckt doch keinen?

Warum? Juckt doch die Scheichs in Katar nicht, wenn zwei Weinheimer da einsam und allein im Stadion eine Fahne hochhalten, kann man da provokant sagen. Stimmt auch. Die Scheichs wird das nicht interessieren, noch nicht einmal Hansi Flick und die Nationalspieler und auch nicht die FIFA. Aber um die geht es eigentlich auch gar nicht.

Wer als Teenager mit der ersten Liebe Hand in Hand durch die Weinheimer Fußgängerzone schlendert, der muss zum Glück keine Angst davor haben, von einer strengen Sittenpolizei verhaftet und ins Gefängnis gesteckt zu werden. Aber schiefe Blicke, Getuschel, ein abfälliger oder gehässiger Kommentar im Vorbeigehen - das kann weh tun, es kann verunsichern - gerade dann, wenn man am verletzlichsten ist. Ist es da nicht schön, wenn man feststellt, dass die Nachbarin, der Lehrer oder - ja, genau, der Fußballtrainer im Verein - deutlich machen: Wir finden dich super, so wie du bist! Die ganz normalen Menschen. Keine Superstars und Milliardäre, für die sowieso andere Gesetze gelten irgendwie. Sondern genau die, denen man in Weinheim, in Wald-Michelbach, in Fürth und Hirschberg täglich begegnet.

Protest im Großen und im Kleinen

Bitte nicht falsch verstehen: Dass in Katar Menschenrechte massiv verletzt werden, darf uns nicht egal sein. Aber es ist eben nicht nur der große und laute Protest, der wichtig ist. Sondern auch die kleinen Zeichen, im Sepp-Herberger-Stadion in der Weinheimer Weststadt, auf dem Fußballplatz in Unter-Flockenbach und gerne auch im Jogginganzug! vmr

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