Wölfe im Schafspelz
03.02.2020
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03.02.2020 18:21
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Leserbrief
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Gedanken zum Holocaust-Gedenktag

Zum Holocaust-Gedenktag zeigte das ZDF den eindrucksvollen Film „Ein Tag in Auschwitz“. Er verdichtet das Leiden von Millionen auf einen einzigen Tag und erzählt ihn durch Fotos, Spielszenen und Zeitzeugeninterviews. Dieser Film war manchmal schwer zu ertragen. Aber er ist wichtig, gerade um sich gegen Menschen zu stellen, die meinen, jetzt müsse es auch mal gut sein, und es sei doch schließlich so lange her. Wehret den Anfängen! Der Film zeigte eines ganz nachdrücklich: Die Täter waren keine seltsamen Ungeheuer. Sie waren Familienväter, die abends zu Frau und Kindern zurückkehrten, aber in den Deportierten keine Menschen erkennen konnten. Erst nannte man sie Untermenschen, dann behandelte man sie so. Und das kann wieder geschehen.

Gutmenschen ist in unserer heutigen Zeit zum Schimpfwort geworden. Wer sich für andere engagiert, wird von Populisten oft als dumm, naiv und weltfremd beschimpft. Dabei ist ein guter Mensch zu sein zutiefst christlich. Gute, hilfsbereite Menschen sind für unsere Gesellschaft unverzichtbar. Wenn ich im Bundestag in die Gesichter einiger Abgeordneten schaue und ihre Argumente höre, werde ich unruhig. Strenge, hasserfüllte Gesichtszüge, die auf Krawall gebürstet sind, schauen mich an. „Wir werden sie jagen“, so zum Beispiel die Aussage des Herrn Gauland. Wer soll denn alles gejagt werden?

Menschen, nur wegen ihrer Herkunft und ihres Aussehens? Ich würde mir wünschen, dass endlich alle Menschen erkennen, wo die Wölfe im Schafspelz sitzen.

Michael Kilian, Fürth

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