Wollen das die Anwohner?
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18.09.2021 19:59
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Leserbrief
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Berg und Tal sind Frage der Perspektive

OZ vom 2. Sepember

Ein Bauprojekt an der Schulstraße erfährt einen Baustopp durch das Kreisbauamt Heppenheim, weil festgestellt wird, dass in den Bauvorschriften der Bezugspunkt für die vorgeschriebene Gebäudehöhe um 90 Grad verdreht liegt. Ergebnis: Der Neubau wird um ca. 0,5 m höher als erlaubt. Bauherr, Nachbar und Gemeinde finden keine Einigung. Das ist natürlich ein großes Dilemma für alle. Also kommt ein schlauer Kopf auf die Idee, die Bauvorschriften für den Geltungsbereich so anzupassen, das dieser dumme Fehler ausgebügelt wird, indem man einfach die vorgeschriebene Bauhöhe nach oben setzt. Jetzt hätten wir alles im „grünen Bereich“ und alle wären glücklich. Ist aber leider nicht, denn gleichzeitig soll mit dieser Änderung der Bauvorschriften der betroffene Geltungsbereich von einem „Reinen Wohngebiet“ (WR) in ein „Allgemeines Wohngebiet (WA) umgewandelt werden. WA bedeutet, dass Läden, Dienstleister oder nicht störendes Handwerk im Gegensatz zu WR zugelassen sind. Das ursprüngliche Konzept eines reinen Wohngebiets wird somit mit einem Handstreich gekippt.

Und jetzt kommt der eigentliche Knackpunkt: In dem von der Gemeinde ausgewiesenen Geltungsbereich befinden sich nämlich mehrere noch unbebaute Grundstücke, die mitten in den bereits gebauten hübschen, 1,5-geschossigen Einfamilienhäusern liegen. Man baut in die vorhandenen Baulücken nach neuer Vorschrift zweigeschossige Kästen (max. 11 m Höhe), die je nach Verwendungszweck mit ausreichender Infrastruktur (Parkmöglichkeiten, Anfahrten etc.) versehen werden. Damit hätten wir eine Wohnraumverdichtung ohne zusätzlichen Flächenverbrauch mit Wohnen und Gewerbe. Im Ergebnis hat man jetzt sehr attraktive Investitionsprojekte geschaffen und gleichzeitig den allgemeinen Trend befriedigt. Ein Planungsfehler, der nur ein einziges Objekt betrifft, löst eine großflächige Änderung im ganzen Wohngebiet aus. Wollen das die Anwohner? In der öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung am 31. August wurde diese Vorlage mehrheitlich (17:8) von den Fraktionen der CDU und den Freien Wählern beschlossen.

Volkhart Meyder, Fürth

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