Zwei Mordfälle und viele Fragen
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17.08.2016 05:00
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Mannheim. Die beiden Mordfälle sind, das betonen die Ermittler, extrem unterschiedlich: Im einen wurde 2006 in Sandhofen ein Rentner, der ein normales Leben führte, mit schweren Kopfverletzungen tot in seiner Wohnung gefunden. Im anderen haben Unbekannte vor drei Jahren in Kirschgartshausen ein Paar mit Schüssen regelrecht hingerichtet. Die Polizei vermutete danach, dass die Tat mit der kriminellen Vergangenheit des 45-jährigen Mannes zu tun hat, spekuliert wurde gar über einen Auftragsmord der Mafia.

Eine Gemeinsamkeit haben die Mordfälle allerdings: Es sind die einzigen in Mannheim in den vergangenen 15 Jahren, die die Polizei nicht aufklären konnte. Allen Hinweisen sind die Ermittler nachgegangen, zu Tätern haben sie bislang nicht geführt. Beide Fälle sind deshalb formal eingestellt, so Polizei und Staatsanwaltschaft. Bei neuen Erkenntnissen würden die Verfahren allerdings sofort wieder aufgenommen. Mord verjährt nicht.

Verbindungen zur Mafia?

Beim Fall in Kirschgartshausen habe man 360 Hinweise und Spuren verfolgt, teilt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit. Einige Spuren würden beim Landeskriminalamt in Stuttgart zwar noch ausgewertet, trotzdem sei das Verfahren aktuell eingestellt. Weitere Fragen zum Fall – etwa nach Ermittlungsstand, Motiv und möglichen Verbindungen zur Organisierten Kriminalität – beantwortet die Behörde nicht. „Aus ermittlungstaktischen Gründen.“ Damit bleibt für die Öffentlichkeit der Sachstand, wie er nach der Tat rekonstruiert worden war: Irgendwann am Vormittag des 13. Mai 2013 haben Unbekannte den 45-jährigen Italiener und seine Lebensgefährtin auf dem von ihnen gemieteten Gehöft in Kirschgartshausen mit Schüssen getötet. Eine Verwandte wollte nachmittags den damals elfjährigen Sohn des Paares nach Hause bringen. Sie fanden die Leichen im Haus. Die Polizei teilte später mit, der 45-Jährige sei wegen unerlaubten Waffenbesitzes, Drogenhandels und Urkundenfälschung aktenkundig gewesen, darin sahen die Ermittler einen möglichen Grund für die Bluttat. Der Mann stammte aus der Mafia-Hochburg Palma di Montechiaro, dazu das kaltblütige Vorgehen des Täters oder der Täter – das alles nährte die Spekulationen über einen Mafia-Hintergrund.

Kontakt zu talienischen Behörden

„Wir prüfen auch die Bezüge zur organisierten Kriminalität in Italien und sind dafür mit den italienischen Behörden in Kontakt“, erklärte ein Polizeisprecher ein Jahr nach der Tat. Zeugen hatten von zwei Autos berichtet, die an jenem Morgen auffällig in der Einfahrt des Gehöfts geparkt waren: ein dunkles Fahrzeug und ein heller Mercedes B-Klasse mit Mannheimer Kennzeichen. Die Polizei suchte damals die Fahrer als Zeugen. Auch auf die Frage, was aus dieser Spur geworden ist, gibt es von der Staatsanwaltschaft keine Antwort.

Rätselhaft bleibt auch der Mord an einem damals 70-jährigen Rentner in Sandhofen. Die Polizei sucht nicht nur den Täter, sondern auch den Grund, warum der Mann sterben musste. „Er hat rechtschaffen sein Leben gelebt, wir haben keinen dunklen Punkt gefunden, und aus der Wohnung wurde nichts gestohlen“, sagt der Kriminalbeamte Norbert Schmitt, der damals in dem Fall ermittelte. Auch in diesem Verfahren sind alle Hinweise abgearbeitet, mehr als 500 Spuren wurden verfolgt, 30 Verdächtige überprüft.

Beziehungstat?

Der 70-Jährige war am 28. Juni 2006, einem Mittwoch, spät nachmittags in seiner Erdgeschosswohnung gefunden worden. Es war heiß in jenen Wochen, Deutschland im „Sommermärchen“-Fieber, am darauffolgenden Freitag sollte das WM-Viertelfinale gegen Argentinien gespielt werden. Der Täter – die Polizei geht wegen der massiven Kraft des Angriffs von einem Mann aus – war nachts durch die Terrassentür in die Wohnung gekommen. Dass er von dieser meist offenen Tür wusste, ist aus Sicht der Ermittler eines von mehreren Anzeichen dafür, dass sich Täter und Opfer kannten.

„Es gab was Persönliches, worüber die Männer in Streit geraten sind, der dann ausgeartet ist“, vermutet Schmitt. „Was das war, das wissen wir nicht.“

In beiden Fälle sind Belohnungen ausgesetzt für Informationen, die zur Ermittlung der Täter führen. Im Kirschgartshausener Fall sind es 5000 Euro, im Sandhofener 6500 Euro. Hinweise an das Polizeipräsidium Mannheim, Telefon 0621/1740. Unter der Nummer 0621/1 7466 66 ist auch ein vertrauliches Telefon geschaltet.                            imo

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