Geschichte

Anfragen zu NS-Opfern erreichen Höchststand

Das internationale Zentrum über NS-Verfolgung im hessischen Arolsen hat im vergangenen Jahr mehr Anfragen denn je erhalten. Auch Menschen ohne familiären Bezug suchten verstärkt nach Informationen.

Die meisten Suchanfragen stellen Angehörige von NS-Opfern. (Archivbild) Foto: Swen Pförtner/dpa
Die meisten Suchanfragen stellen Angehörige von NS-Opfern. (Archivbild)

Bad Arolsen (dpa) - Das internationale Zentrum über NS-Verfolgung im nordhessischen Bad Arolsen hat 2025 einen neuen Höchststand an Anfragen verzeichnet. 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hätten so viele Menschen wie nie zuvor bei den Arolsen Archives über Opfer der NS-Verfolgung recherchiert, teilte die Einrichtung mit. Die Zahl der individuellen Anfragen stieg demnach im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent auf 25.500.

Hinter den meisten Suchanfragen stehen laut den Arolsen Archives weiterhin Angehörige von NS-Opfern. «Wir erleben bei den Familien ein jährlich steigendes Bedürfnis nach Aufklärung», sagte Direktor Moritz Wein laut Mitteilung. «Unsere humanitäre Mission ist nicht Geschichte – sie ist Gegenwart.»

Die Arolsen Archives gelten als weltweit umfassendste Sammlung zu den Opfern der NS-Verbrechen. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum Unesco-Weltdokumentenerbe.

830.000 Menschen nutzten Online-Archiv

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Auch das allgemeine öffentliche Interesse wachse, erklärten die Arolsen Archives. Im vergangenen Jahr seien erstmals über zehn Prozent der Anfragen von Privatpersonen ohne direkten Familienbezug gestellt worden. Das spiegele die Entwicklung der Erinnerungskultur insgesamt wider - in den vergangenen Jahren seien europaweit verstärkt lokale Gedenkinitiativen entstanden. 

216.000 Freiwillige haben geholfen, 1,15 Millionen Dokumente zu digitalisieren. (Archivbild) Foto: Swen Pförtner/dpa
216.000 Freiwillige haben geholfen, 1,15 Millionen Dokumente zu digitalisieren. (Archivbild)

Das Online-Archiv als zentraler digitaler Zugang zu den historischen Dokumenten verzeichnete im letzten Jahr laut Mitteilung 830.000 Nutzerinnen und Nutzer, 20 Prozent mehr als 2024. 

216.000 Freiwillige helfen bei Datenerfassung

Einen Rekord verbuchte auch die Crowdsourcing-Initiative #everynamecounts (deutsch: Jeder Name zählt), bei der Freiwillige Namen und Daten aus Dokumenten digital erfassen. 216.000 Menschen unterstützten nach Angaben der Arolsen Archives aktiv das Projekt - das war ein Zuwachs von 70 Prozent.

Gemeinsam hätten sie 1,15 Millionen Dokumente bearbeitet, das entspreche einem Plus von 45 Prozent. Parallel dazu hätten die Nutzerzahlen der Website der Arolsen Archives um 44 Prozent auf ebenfalls über 830.000 zugenommen.