Angeklagter Ex-Soldat sagt bei «Reichsbürger»-Prozess aus
Die «Reichsbürger»-Gruppe Reuß soll einen gewaltsamen Umsturz geplant haben. Einer der Angeklagten berichtet vor Gericht von seiner militärischen Laufbahn.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Im Terrorprozess gegen die mutmaßliche «Reichsbürger»-Gruppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß hat sich der Angeklagte Maximilian Eder über seine Person und seine militärische Laufbahn geäußert. Am neunten Verhandlungstag schilderte Eder zunächst seinen beruflichen Werdegang von 38 Jahren bei der Bundeswehr: 1978 sei er unmittelbar nach dem Abitur zur Bundeswehr gegangen. Eder studierte laut seinen Ausführungen Pädagogik, bekleidete mehrere Bundeswehrführungspositionen, arbeitete schließlich sechs Jahre lang im Nato-Hauptquartier in Brüssel und war Nato-Verbindungsoffizier in Tiflis.
Mehrere Stunden lang führte er über seine Positionen und Funktionen und militärische Vorgänge und Taktiken der Bundeswehr aus. Ebenso trug er die Einschätzung zu seiner Person von Vorgesetzten vor. Demnach wurde seine Kritikfähigkeit öfter bemängelt, er habe ein geselliges Wesen, sei diszipliniert, «ein Vorbild an Fleiß und Engagement» und «eine gepflegte Erscheinung». Allerdings wurde ihm auch ein aufbrausender Charakter bescheinigt, der nur «bedingt kompromissbereit ist». Oftmals wurde seine kleine und «drahtige» Statur herausgestellt.
Auch zu seinem heutigen Erscheinungsbild äußerte sich der Ex-Soldat. Seine langen weißen Haare wolle er weiter tragen, aber nicht zum «Graf von Monte Christo mutieren». Ein Grund dafür: In der Öffentlichkeit wolle er nicht als Soldat erkannt werden.
Wichtig seien ihm während seiner ganzen Laufbahn seine Werte gewesen: Während eines Offizierslehrgangs habe Eder ein Briefing halten müssen über einen Satz von Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke: «Gehorsam ist Prinzip. Doch der Mann steht über dem Prinzip.» Dies habe Eder die Augen geöffnet, dass es universelle moralische Werte gebe, die dafür sprächen, Befehle zu hinterfragen.
Am Nachmittag schilderte Eder zudem noch Teile seiner Kindheit und Jugend: Er sei 1958 im Berchtesgadener Land geboren worden und habe in einfachen Verhältnissen gelebt. Seine Eltern wollten demnach, dass er Pfarrer wird - das Ziel änderte sich zwischenzeitig zum Gymnasiallehrer und später dann zum Offizier.
Eder erklärte, er leide an mehreren Allergien. Die «schwerste Allergie» habe er aber gegen Ungerechtigkeit. «Das ist vielleicht der Grund, warum ich und andere hier auf der Anklagebank sitzen.» Zu den Tatvorwürfen machte Eder keine Angaben - diese werden in dem Prozess am Oberlandesgericht in Frankfurt derzeit noch ausgeklammert. Der Prozess wird am Dienstag kommende Woche (25. Juni) mit weiteren Angaben von Eder fortgesetzt.
Prozessstart auch in München
Kurz vor dem Beginn des Prozesses in Frankfurt Ende Mai war der 65 Jahre alte Eder vom Amtsgericht in München unter anderem wegen Trunkenheit am Steuer zu einer Haftstrafe von zehn Monaten verurteilt worden.
Am Dienstag startete zudem der dritte Prozess um die «Reichsbürger»-Gruppe in München. Dort sind weitere mutmaßliche Mitglieder vor dem OLG angeklagt. In Stuttgart muss sich seit Ende April der mutmaßliche militärische Arm vor dem OLG verantworten. In Frankfurt wird neun Angeklagten vorgeworfen, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein beziehungsweise diese unterstützt zu haben. Bis zum Urteil gilt für die Angeklagten die Unschuldsvermutung.
Die sogenannten Reichsbürger in Deutschland behaupten, dass das Deutsche Reich (1871-1945) weiter existiert. Die Bundesrepublik und ihre Gesetze erkennen sie nicht an.