Aufräumen nach der Zerstörung

Aufräumen nach den Krawallen - «Überrascht vom Ausmaß»

Zertrümmerte Scheiben, geplünderte Läden: Am Morgen nach den Krawallen sichern Geschäftsleute in Frankfurt ihre Geschäfte. Wie ein Ladenbesitzer die Nacht erlebt hat.

Der Geschäftsinhaber war überrascht vom Ausmaß. Foto: Andreas Arnold/dpa
Der Geschäftsinhaber war überrascht vom Ausmaß.

Frankfurt/Main (dpa) - Zertrümmerte Schaufensterscheiben, Glassplitter und Trümmer: In der Frankfurter Innenstadt hat am Sonntagmorgen das Aufräumen begonnen. Ladenbesitzer wie Jost Wiebelhaus vom Frankfurter Laufshop machen sich bei Tageslicht ein Bild von den Schäden, die die Randalierer am Samstagabend verursacht haben. «Wir sind alle überrascht worden, dass es solche Ausmaße gemacht hat», erzählt er einem dpa-Reporter. 

«Ich war heute Nacht natürlich schon hier, als die Alarmanlage losging um kurz vor elf, und bin dann hierhin gekommen. Und dann waren die Plünderer gerade in dem Moment im Einsatz, und die Polizei hat mit dem SEK jetzt abgesichert», sagt er einem dpa-Reporter. «Und zum Glück ist wirklich nur Sachschaden passiert. Scheibe kaputt, die haben ein paar Sachen geklaut.» 

Der Laufshop liegt in unmittelbarer Nähe zur Konstablerwache in der Frankfurter Innenstadt, einer der Hotspots der Krawalle am Samstagabend. Randalierer hatten auf Schaufensterscheiben eingedroschen, einige Geschäfte wurden geplündert, darunter auch ein Waffengeschäft.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

«Schon viel erlebt»

Geschäftsinhaber Wiebelhaus wirkt sehr gefasst. «In 25 Jahren, dieses Jahr machen wir das Ganze, hat man schon viel erlebt. Wir hatten auch schon mal einen Brand vor über 20 Jahren, von daher wird man da etwas gelassener. Für mich ist das Wichtigste, dass keiner zu Schaden gekommen ist. Das ist ein Sachschaden, das kriegen wir alles hin.» Letztlich sei nach etwa zwei bis drei Minuten auch die Polizei da gewesen. 

Das Geschäft befindet sich in der Nähe der Konstablerwache, einem Hotspot der Krawalle. Foto: Andreas Arnold/dpa
Das Geschäft befindet sich in der Nähe der Konstablerwache, einem Hotspot der Krawalle.

Schuhe und Bekleidung seien zwar gestohlen worden, der Laden habe aber noch genug Ware. «Aber im Endeffekt, wir müssen froh sein, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist und dass wir morgen wieder öffnen können und ganz normal unseren Laufshop betreiben können.» Sein Dank gehe auch an die Polizei, die ab halb vier den Laden bewacht habe, weil die Scheibe kaputt war und man in das Geschäft hätte einsteigen können. Nun werde die Schaufensterscheibe provisorisch mit Spanplatten gesichert. 

Auch wenn der Schaden ärgerlich ist, zumindest in finanzieller Hinsicht sollte sich Wiebelhaus keine Sorgen machen müssen. «Wir haben zum Glück eine Versicherung für so einen Fall. Das habe ich am Mittwoch extra noch mal geklärt. Eine All-Risk-Police mit Vandalismus. Da muss ich froh sein, dass ich da eine gute Versicherung habe.»

Auch freiwillige Helfer unterwegs

In der Frankfurter Innenstadt sind am Sonntagvormittag auch Maximilian Roth und Andreas Gravenhorst unterwegs - als freiwillige Aufräumhelfer mit Besen, Kehrschaufel und Mülltüte. «Also nach dem, was man gestern Abend gesehen hat, gestern Nacht, das wollen wir einfach nicht stehen lassen. Das ist nicht das, für was Frankfurt steht», sagt Roth. «Wir wollten heute ein Zeichen setzen, dass die Stadt hier hinter den Gewerbetreibenden steht, hinter den Leuten, und dass die Leute, die hier gestern ihr Unwesen getrieben haben, nicht für Frankfurt repräsentativ sind.»

Die beiden zeigten sich geschockt vom Gewaltausbruch, der an die jüngsten Geschehnisse in Frankreich und Paris erinnert. Auch hier lebe man nicht auf einer «Insel der Glückseligen», sagt Gravenhorst. «Es gibt das Thema in der Gesellschaft mit Bildungschancen, Gehälter-Gerechtigkeit. Und es gibt Wut in dieser Gesellschaft und wir spüren diese Zerrissenheit. Wir stehen in der Mitte und einerseits hilflos, andererseits wollen wir das ab und zu mal anpacken.»

An vielen Stellen ist rund um die Einkaufstraße Zeil zwar schon aufgeräumt, in einigen Nebenstraßen liegen aber auch noch Scherben herum. Die politischen Aufräumarbeiten beginnen erst.